Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

Glossar

Nationalismus



Der Nationalismus ist eine Ideologie, die den Begriff „Nation“ zur zentralen Kategorie erhebt. Ursprünglich war sein Ziel die Schaffung moderner Nationalstaaten, später richtete er sich häufig durch Überhöhung der eigenen Nation aggressiv gegen andere. Ein übersteigerter Nationalismus ist typisches Element eines rechtsextremen Weltbildes.

Entstanden ist der Nationalismus Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts in Europa. Bis dahin identifizierten sich die Menschen üblicherweise mit kleineren Einheiten, etwa ihrer Dorfgemeinschaft oder dem jeweiligen Feudalherren. Der Nationalismus ersetzte diese durch eine größere Gemeinschaft mit tatsächlichen oder vermeintlichen Gemeinsamkeiten etwa in Sprache, Traditionen oder Kultur: der Nation. In bürgerlichen Befreiungskämpfen (zum Beispiel der Französischen Revolution oder dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg) war Nationalismus, verbunden mit der Forderung nach Volkssouveränität, eine demokratische und fortschrittliche Idee. In diesem Sinne wirkte der Nationalismus noch während der anti-kolonialen Revolutionen Mitte des 20. Jahrhunderts in Afrika oder Asien.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff Nation auch von konservativer Seite entdeckt. Neben dem inklusiven Nationalismus, der verschiedene Menschen und Gruppen integrieren soll, steht seitdem ein exklusiver Nationalismus, der ausgrenzend wirken kann: Sowohl nach innen, indem er bestimmte Gesellschaftsgruppen als andersartig definiert und aus der Nation ausgrenzt. Aber auch nach außen, indem die eigene Nation als höherwertig angesehen und in Kampfstellung zu anderen gebracht wird (siehe Chauvinismus).

Der Nationalismus hat sich als sehr wirksame Ideologie erwiesen, um kollektive Identitäten zu stiften und Menschen für politische Ziele mobilisieren. Seine Wirkung hängt stark davon ab, welche Idee von Nation ihm zugrunde liegt – der einende Bezugspunkt kann sowohl eine freiheitliche Verfassung oder ein Sozialstaat sein, als auch das Konstrukt eines kulturell oder ethnisch/rassisch homogenen Staatsvolks.

In Deutschland entstand (anders als etwa in Frankreich) die Nationenidee vor dem Nationalstaat. Es entwickelte sich ein sehr radikaler, völkischer Nationalismus, der von Anfang an äußere und innere Feinde beschwor. Er wurde von den Nationalsozialisten aufgegriffen und verstärkt, das NS-Regime führt deshalb die extremen Konsequenzen eines Nationalismus vor Augen: Terrorherrschaft, Massenmorde und rücksichtslose Eroberungskriege.

Ein übersteigerter Nationalismus verbunden mit einer auf Ungleichheit basierenden Nationen-Idee ist ein Kennzeichen rechtsextremer Ideologien und Organisationen.

Zum Weiterlesen:
Das Deutsche Kaiserreich: Nation und Nationalismus



03.02.2014