Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

Glossar

Neue Rechte



Unter dem Begriff "Neue Rechte" wird eine geistige Strömung verstanden, deren Ziel die intellektuelle Erneuerung des Rechtsextremismus ist. Sie versucht, sich von der deutlich am historischen Nationalsozialismus orientierten "Alten Rechten" abzusetzen.

Als Ausgangspunkt der Strömung gilt ein Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre entstandener Kreis französischer Akademiker um den Philosophen Alain de Benoist, der sich "Nouvelle Droite" nannte. Als Gegenmodell zur linken Studentenbewegung entstanden bald auch in Deutschland Zirkel rechtsextremer Intellektueller, unter anderem im Januar 1972 die "Aktion Neue Rechte", eine Abspaltung der NPD.

Wesentliche ideologische Elemente der Neuen Rechten sind laut nordrhein-westfälischem Landesamt für Verfassungsschutz: die Ablehnung von Individualismus und Liberalismus, von Parlamentarismus und gesellschaftlicher Vielfalt; Sozialdarwinismus und Ethnopluralismus; Vorstellungen von einem ethnisch homogenen, hierarchischen und elitär geführten autoritären Staat; eine "Frontstellung gegen das kritische Erinnern an den Nationalsozialismus". Das Bundesamt für Verfassungsschutz attestiert der Neuen Rechten, sie beabsichtige "die Beseitigung oder zumindest Beeinträchtigung des demokratischen Verfassungsstaates".

Die Neue Rechte bezieht sich auf autoritäre und elitäre Denker der "Konservativen Revolution", die in der Weimarer Republik zu den antidemokratischen Kräften gehörten (zum Beispiel Ernst Jünger, Arthur Moeller van den Bruck, Carl Schmitt). Auch Theoretiker des Faschismus wie Julius Evola genießen in der Neuen Rechten hohes Ansehen. Daneben orientiert sich die Neue Rechte aber auch an linken Denkern, etwa dem italienischen Marxisten Antonio Gramsci, und verfolgt eine Strategie der "kulturellen Hegemonie": Bevor Wahlerfolge rechtsextremer Parteien möglich sind, müssten deren ideologische Positionen durch Beeinflussung öffentlicher Debatten in der Gesellschaft verankert werden. Als erster Schritt auf dem Weg dahin wird das Prägen von Elitendiskursen angesehen, etwa durch publizistische Aktivitäten an der Grenze zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus.

Als wichtigste Zeitschrift der Neuen Rechten in Deutschland gilt die "Junge Freiheit" (JF). Das in Thüringen ansässige Institut für Staatspolitik (IfS) wird ebenfalls zur Neuen Rechten gezählt. Etliche Protagonisten der Strömung, etwa JF-Chefredakteur Dieter Stein oder die IfS-Gründer Karlheinz Weißmann und Götz Kubitschek, stammen aus extrem rechten Burschenschaften oder Studentenverbindungen wie der Deutschen Gildenschaft.

Zum Weiterlesen:
Die "Neue Rechte" in der Bundesrepublik



03.02.2014