Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

Glossar

Revisionismus



Revisionismus (präziser: Geschichtsrevisionismus) ist ein wesentlicher Bestandteil rechtsextremer Ideologien. Er verfolgt das Ziel, die Geschichtsschreibung zum Beispiel über den Nationalsozialismus aus politischer Motivation umzudeuten und so Verbrechen des NS-Regimes zu relativieren.

Dem Revisionismus geht es – anders als von seinen Vertretern oft behauptet – nicht um eine wissenschaftliche und objektive Auseinandersetzung mit Geschichte. Stattdessen manipulieren Revisionisten häufig Fakten, um den Nationalsozialismus zu verharmlosen. Zu diesem Zweck werden beispielsweise historische Dokumente und Überlieferungen bewusst fehlinterpretiert, der eigenen Ansicht widersprechende Forschungsergebnisse ignoriert oder bestimmte Ereignisse komplett geleugnet.

Rechtsextreme Revisionisten konzentrieren sich insbesondere auf zwei Themen: die Verantwortung Deutschlands für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und den Völkermord an den Juden. Durch falsche Aussagen wie "Nicht Hitler, sondern Polen hat den Krieg angefangen" oder "Es gibt Gutachten, die beweisen, dass in Auschwitz nie Juden vergast wurden" wollen sie das Hitler-Regime von seiner Schuld freisprechen und den Nationalsozialismus aufwerten. Dahinter verbirgt sich ein einfaches Motiv: Der Zweite Weltkrieg und die Verbrechen des Nationalsozialismus sind im öffentlichen Bewusstsein nach wie vor sehr präsent, und Rechtsextremisten erfahren wegen ihrer Nähe dazu vielfach Ablehnung. Indem sie das NS-Regime und den Nationalsozialismus weniger brutal und menschenverachtend erscheinen lassen als sie in Wirklichkeit waren, entlasten sie ihre eigenen politischen Positionen.

Geschichtsrevisionismus findet sich nicht nur bei Rechtsextremen, sondern auch bei Rechtspopulisten, der intellektuellen Neuen Rechten und in der Gesamtgesellschaft.



03.02.2014