Die Alternative für Deutschland (AfD) wurde 2013 vor dem Hintergrund der europäischen Staatsschulden- und Währungskrise gegründet. Zunächst war die Partei vor allem eurokritisch und wirtschaftsliberal ausgerichtet. Im Laufe der Zeit verlagerte sich ihr politischer Schwerpunkt zunehmend auf die Asyl- und Zuwanderungspolitik. Parallel dazu gewannen nationalkonservative, rechtspopulistische und in Teilen rechtsextreme Strömungen innerhalb der Partei an Einfluss. Seit 2014 erzielt die AfD bei Wahlen auf Landes-, Bundes- und Europaebene kontinuierlich Erfolge. Mit der AfD hat sich somit zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik eine Partei am rechten Rand des Parteiensystems bundesweit dauerhaft etablieren können.
Geschichte
Bei ihrer Gründung konnte die AfD an diverse Vorgängerorganisationen anschließen, war aber ansonsten eine Neuschöpfung. Treibende Kraft im Gründungsprozess war der Hamburger VWL-Professor Bernd Lucke. Unter seiner Führung bildete die AfD ein gemäßigtes ideologisches Profil heraus, das markwirtschaftlich liberale mit gesellschaftspolitisch konservativen Positionen verband. Rechtspopulistische Positionen waren in der Partei jedoch bereits früh angelegt. Nachdem sie bei der Bundestagswahl 2013 noch knapp an der Interner Link: Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war, führten die Zuwächse bei der Europawahl und den drei ostdeutschen Landtagswahlen im Früh- bzw. Spätsommer 2014 zu einem Rechtsruck in der AfD, dem Lucke erfolglos entgegenzutreten versuchte.
Nach Luckes Abwahl als Vorsitzender auf dem Essener Parteitag im Juli 2015 verließen zahlreiche Mitglieder und Mandatsträger die Partei. Die Austritte schadeten der AfD aber am Ende nicht weiter. Dazu trugen nicht zuletzt die Interner Link: Fluchtbewegungen ab September 2015 und 2016 sowie die Debatten und politischen Reaktionen im Umgang mit diesen bei. Die AfD kletterte in der Folge in den Umfragen nach oben und erreichte bei den Landtagswahlen im Frühjahr und Herbst 2016 den endgültigen Durchbruch. Bei der Bundestagswahl 2017 konnte die AfD die Zahl ihrer Wähler gegenüber 2013 nahezu verdreifachen und zog mit einem zweistelligen Resultat als drittstärkste Kraft in den Bundestag ein.
Von 2018 an geriet die AfD erneut in heftige Turbulenzen. Rechtsextreme Kräfte um den Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke vergrößerten ihren Einfluss in der Partei und bestimmten zunehmend einen Teil der Inhalte und des Personals sowie deren öffentliche Wahrnehmung. Die Radikalisierung der AfD zog ihre Einstufung als Interner Link: rechtsextremistischer „Verdachtsfall“ durch das Bundesamt für Verfassungsschutz ab 2021 nach sich. Sie war mitverantwortlich für Stimmenverluste bei der Bundestagswahl 2021 – vor allem in den westdeutschen Ländern. Die offene Machtprobe der extremen Kräfte mit dem Ko-Parteivorsitzenden Jörg Meuthen, der den gemäßigten Teil der Partei repräsentierte, verlor Meuthen trotz kurzfristig erfolgreicher Gegenwehr. Anfang 2022 verließ er die AfD. Seither bilden die radikaleren Kräfte im Vorstand und auf den Parteitagen die Mehrheit.
Ab der zweiten Jahreshälfte 2022 wurde die AfD zum Hauptprofiteur der Verunsicherung und Krisenstimmung, die nach dem Interner Link: russischen Angriff auf die gesamte Ukraine einsetzte, und dem damit einhergehenden Vertrauensverlust in die regierende Ampelkoalition. Der Skandal um die von Journalisten enthüllten Remigrationspläne, die AfD-Vertreter im November 2023 auf einem Geheimtreffen besprochen hatten, führte zu Massendemonstrationen, die den rasanten Anstieg der AfD in den Umfragen aber nur kurzzeitig bremsten. Die Interner Link: Rekordergebnisse bei der Europawahl 2024 und den anschließenden Landtagswahlen in drei ostdeutschen Ländern deuteten den späteren Erfolg bei der Bundestagswahl 2025 bereits an. Dort verdoppelte die AfD ihren Stimmenanteil gegenüber 2021 nahezu und stellt seither nach der Union die zweitstärkste Fraktion.
Interner Link: Hier finden Sie einen ausführlichen Text zu den Etappen der Parteigeschichte der AfD.
Wahlergebnisse und Wählerschaft
Die AfD verfügt in den ostdeutschen Ländern über ein mehr als doppelt so hohes Wählerpotenzial wie im Westen. In der alten Bundesrepublik schneidet sie wiederum im Süden besser ab als im Norden, wo sie aber bei der Bundestagswahl 2025 stark aufgeholt hat. Fast zwei Drittel der AfD-Wähler sind männlich, in den Altersgruppen dominieren die mittleren Jahrgänge. Bei den Berufsgruppen lässt sich kein klares Muster herauslesen, hier scheint die AfD vor allem bei den abstiegsgefährdeten Wählern erfolgreich zu sein. Deutliche Unterschiede zu den anderen Parteien zeigen sich mit Blick auf die Einstellungsmerkmale. Die AfD-Wähler weisen hier sehr viel höhere Unzufriedenheitswerte und eine größere Nähe zu rechtsextremen Überzeugungen auf.
Interner Link: Hier finden Sie einen ausführlichen Text zu Wahlergebnissen und Wählerschaft der AfD.
Programm
Ideologisch und programmatisch reiht sich die AfD in die Parteienfamilie des europäischen Rechtspopulismus ein. Dessen Hauptmerkmale sind die Anti-Establishment-Orientierung und der Anspruch, den „wahren“ Volkswillen zu vertreten. Das anfänglich dominierende Euro-Thema und die marktliberale Ausrichtung haben in der Programmatik an Bedeutung eingebüßt. Seit die Themen Flucht und Migration 2015 an politischer Bedeutung gewannen, prägen vor allem ihre Anti-Positionen in der Asyl- und Zuwanderungspolitik das öffentliche Bild der AfD. Hinzu kommen nationalkonservative bis völkisch-nationalistische Vorstellungen von Kultur, Identität und nationaler Zugehörigkeit sowie die Ablehnung pluralistischer und multikultureller Gesellschaftsvorstellungen. Auch in der Familien- und Frauenpolitik vertritt die AfD stark konservative Positionen. In der Sozial- und Wirtschaftspolitik bestehen dagegen Divergenzen zwischen den Befürwortern einer eher marktliberalen oder sozialpopulistischen Linie. In der Außen- und Verteidigungspolitik hält die AfD an ihrer russlandfreundlichen Linie auch nach Wladimir Putins Überfall auf die Ukraine fest.
Interner Link: Hier finden Sie einen ausführlichen Text zur Programmatik der AfD.
Organisation
Organisatorisch verbindet die AfD Elemente einer klassischen mitglieder- und funktionärsbasierten und einer bewegungsorientierten Partei. Erstere sind durch das Parteienrecht vorgegeben, was zugleich die geringe Bedeutung charismatischer Führungspersönlichkeiten in der AfD erklärt. Die innerparteilichen Strukturen und Prozesse sind hochgradig konfliktbelastet. Neben der fehlenden Professionalität der Neulinge – vor allem in der Anfangszeit der Partei – liegt das vor allem am sukzessiven Erstarken der rechtsextremen Akteure und Tendenzen. Das zwischen den wirtschaftsliberalen, nationalkonservativen Strömungen auf der einen Seite und den nationalistischen und rechtsextremen auf der anderen Seite lange Zeit bestehende Kräftegleichgewicht ist inzwischen einer Übermacht der extremen Vertreter gewichen. Trotz einer vergleichsweise schwachen Mitgliederbasis hat die AfD eine beträchtliche Organisationsstärke erreicht, die sich zum einen ihrer Finanzkraft und zum anderen der Nutzung der sozialen Medien zur Wähleransprache verdankt.
Interner Link: Hier finden Sie einen ausführlichen Text zur Organisation der AfD.