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Parteien, die in der Vergangenheit das bundesdeutsche Parteiensystem mitgeprägt haben

Deutsche Zentrumspartei (ZENTRUM)

Die Zentrumspartei spricht sich auf ihrem Wahlplakat gegen atomare Aufrüstung aus.Die Zentrumspartei spricht sich auf ihrem Wahlplakat gegen atomare Aufrüstung aus. (© Bundesarchiv)
Die "Deutsche Zentrumspartei" (ZENTRUM) wurde 1870 als Partei des politischen Katholizismus gegründet, um die Interessen der katholischen Kirche gegen den säkularen Staat zu verteidigen. In ihrer langen Geschichte entwickelte sich die Partei von einer adelig geführten Honoratiorenpartei zu einer alle Schichten der katholischen Bevölkerung vertretenden demokratischen Volkspartei. Nach dem Ende des deutschen Kaiserreichs gehörte das Zentrum mit der SPD und der DDP zur "Weimarer Koalition", die die Verfassung der Republik ausarbeitete. Aufgrund ihrer Anschlussfähigkeit nach links und rechts, eine Wirkung der heterogenen innerparteilichen Struktur der Volkspartei, war das Zentrum an allen Regierungskoalitionen der Weimarer Republik beteiligt. 1933 wurde sie wie die meisten anderen Parteien zur Selbstauflösung gezwungen.

1945 wurde die Zentrumspartei wiedergegründet, stand aber von Anfang an in Konkurrenz zur CDU, die als überkonfessionelle Sammlungspartei gegründet wurde und über die Unterstützung des überwiegenden Teils des katholischen Klerus verfügte. Auch die meisten früheren Zentrumspolitiker (wie z.B. Konrad Adenauer) schlossen sich der CDU an. Dennoch konnte sich die Zentrumspartei anfangs noch in einigen katholisch geprägten Gebieten etablieren und in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen einige Bundestags- und Landtagsmandate gewinnen. Bis 1958 war sie in verschiedenen von der CDU und der SPD geführten Koalitionen an der nordrhein-westfälischen Landesregierung beteiligt. Seitdem ließen ihre Wahlergebnisse jedoch nach und sie scheiterte überall an der Fünfprozenthürde.

Stand die Zentrumspartei nach 1945 - auch um sich von der CDU abzusetzen - anfangs eher in der Tradition des Linkskatholizismus, konzentrierte sie sich später auf die Kommunalpolitik in den Gegenden, in denen sie noch über einen gewissen Rückhalt verfügte. Verschiedene Kooperationsversuche mit anderen christlichen Kleinparteien brachten keine Erfolge, so dass die einst mächtige Zentrumspartei heute eine christlich-sozial und konservativ ausgerichtete Kleinstpartei ist - bei Wahlen kaum noch wahrnehmbar.

Literatur
  • Hoyer, Guido, Nichtetablierte christliche Parteien. Deutsche Zentrumspartei, Christliche Mitte, Christliche Partei Deutschlands und Partei Bibeltreuer Christen im Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt a.M. 2001.
  • Schmidt, Ute, Zentrum oder CDU. Politischer Katholizismus zwischen Tradition und Anpassung, Opladen 1987.




26.05.2015