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Wahlergebnisse und Wählerschaft der LINKEN


3.5.2016
In den neuen Ländern und Ost-Berlin ist DIE LINKE bei Wahlen überdurchschnittlich erfolgreich. Seit der Fusion der beiden Ursprungs-Parteien nährte sich die Wählerstruktur nicht mehr dem Bevölkerungsdurchschnitt an, sondern verschob sich zugunsten der Arbeiter und einkommens- wie bildungsschwachen Bevölkerungsteile. Nach Geschlecht und Alter ist die Wählerschaft relativ ausgeglichen.

Anhänger der Partei DIE LINKE reagieren auf die Ergebnisse der Bundestagswahl 2013.Anhänger der Partei am Wahlabend 2013. Nach Geschlecht und Alter ist die Wählerschaft relativ ausgeglichen. (© picture-alliance/dpa)

Die Linke konnte sich im deutschen Parteiensystem erst mit ihrer faktischen Westausdehnung sicher etablieren. Ihre Wähleranteile liegen in den fünf neuen Ländern und Ost-Berlin zwar rund viermal so hoch wie in den alten. Berücksichtigt man die Bevölkerungsrelationen, halten sich die absoluten Stimmen seit der Fusion mit der WASG aber in etwa die Waage. Entfielen bei der Bundestagswahl 2005 45,5 Prozent der Stimmen der Partei auf den Westen (einschließlich West-Berlins), waren es beim Rekordergebnis 2009 bereits 57,7 Prozent. Auch 2013 ging mehr als die Hälfte der Stimmen (53,3 Prozent) auf das Konto der alten Bundesländer.

In allen Landtagen der neuen Länder und Berlin seit 1990 ständig vertreten, gelang der Linken 2007 in Bremen erstmals der Sprung in ein westdeutsches Landesparlament. Dort, in Hamburg, in Hessen und im Saarland ist sie seit dem Zusammenschluss mit der WASG in der Landespolitik eine feste Größe, während sie in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen 2012 bzw. 2013 den Wiedereinzug in die Parlamente verfehlte. Nur in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz blieb die Linke bisher stets unterhalb der Fünfprozenthürde.

In den neuen Ländern, wo sich die Stimmenanteile der vormaligen PDS bei den "Gründungswahlen" 1990 noch zwischen 10 (Landtagswahlen in Thüringen, Volkskammerwahl) und etwas über 15 Prozent (Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern) bewegt hatten, machte sie ab 1994 einen großen Sprung nach vorne. Dabei kam es zu einer Zweiteilung zwischen dem Norden und Süden. In Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg, wo die SPD als stärkste Partei zu Koalitionen mit der Linken bereit war, führte deren Regierungsbeteiligung zu deutlichen Einbußen in der Wählergunst, sodass die Postkommunisten hier hinter der CDU nur drittstärkste Kraft blieben. In den CDU-dominierten Ländern Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gelang es ihnen dagegen schon 1999 bzw. 2002, als Oppositionspartei die SPD zu überflügeln und seither den zweiten Platz im Parteiensystem einzunehmen. Auch bei den Wahlen auf nationaler Ebene (Bundestags- und Europawahlen) liegt die Linke seit 2009 in Ostdeutschland vor den Sozialdemokraten.

Gefährdet wird ihre bisher stabile Position seit 2013 durch die Konkurrenz der rechtspopulistischen AfD. Konnten der Wahlerfolg und die Übernahme des Ministerpräsidentenamtes in Thüringen die Abwanderung eigener Wähler zur AfD bei den Landtagswahlen in Osten 2014 noch überdecken, erlebte die Partei 2016 in Sachsen-Anhalt ein Debakel, als die Rechtspopulisten sie aus dem Stand als zweitstärkste Kraft verdrängten. Damit erledigten sich auch die vor Beginn der Flüchtlingskrise durchaus berechtigten Hoffnungen auf einen weiteren rot-rot-grünen Machtwechsel.

Aktuelle Wahlergebnisse

Wahlergebnisse bei den letzten Wahlen zu Landesparlamenten, dem Bundestag und dem Europäischen Parlament

WahlDatumProzentualer AnteilStimmenanzahl
AnteilGewinn
Verlust
StimmenGewinn
Verlust
Saarland25.03.201216,1%-5,1%77.612-36.052
Schleswig-Holstein06.05.20122,3%-3,7%29.900-65.864
Nordrhein-Westfalen13.05.20122,5%-3,1%194.428-241.199
Niedersachsen20.01.20133,1%-4,0%112.215-131.146
Bayern115.09.20132,1%-2,2%251.097-210.658
Bundestag22.09.20138,6%-3,3%3.755.699-1.400.234
Hessen22.09.20135,2%-0,2%161.488+22.414
Europäisches Parlament25.05.20147,4%-0,1%2.168.455+199.216
Sachsen31.08.201418,9%-1,7%309.581-60.778
Brandenburg14.09.201418,6%-8,6%183.178-193.934
Thüringen14.09.201428,2%+0,8%265.428-23.487
Hamburg215.02.20158,5%+2,1%300.567+80.139
Bremen310.05.20159,5%+3,9%111.485+37.716
Baden-Württemberg13.03.20162,9%+0,1%156.240+16.540
Sachsen-Anhalt13.03.201616,3%-7,3%183.290-51.721
Rheinland-Pfalz13.03.20162,8%-0,2%59.970+3.916
Mecklenburg-Vorpommern04.09.201613,2%-5,2%106.256-19.272
Berlin18.09.201615,6%+3,9%255.740+84.690

1Bayern: Gesamtstimmen (bis zu zwei Stimmen je Wähler)
2Hamburg: Landesstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)
3Bremen: Personen- und Listenstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)

Der Aufstieg der PDS zur ostdeutschen Volkspartei spiegelt sich in der veränderten Zusammensetzung ihrer Wähler (Zettl 2014). Waren Gutverdiener und Träger höherer Bildungsabschlüsse bis 1994 deutlich überrepräsentiert, so näherte sich die Wählerstruktur dem Bevölkerungsdurchschnitt danach an; die PDS blieb dabei die bevorzugte Partei der früheren DDR-Eliten. Erst mit dem Zusammenschluss zur gesamtdeutschen Linken trat auch in den neuen Ländern eine Verschiebung in Richtung der Arbeiter und der - nach Einkommen, Bildung und Schicht - schwächer Gestellten ein, die im Westen den Kern der neu hinzugekommenen Wähler ausmachten (Niedermayer 2006); diese Wähler drohen ihr jetzt durch die Erfolge der AfD zum Teil wieder abhanden zu kommen. Nach Geschlecht und Alter ist die Wählerschaft relativ ausgeglichen, allerdings auch hier mit Akzentunterschieden zwischen West und Ost: In den alten Bundesländern gibt es einen stärken Überhang männlicher, in den neuen einen Überhang älterer Wähler.

Über die Einstellungen der Linken-Wähler liegen nur wenige Daten vor. Nach diesen halten sich Protest bzw. Enttäuschung und Überzeugung als Wahlmotive in etwa die Waage, wobei in Ostdeutschland die Überzeugungswähler und in Westdeutschland die Protestwähler überwiegen. Trotz ihrer eher pragmatischen Ausrichtung und Bereitschaft zur Regierungsbeteiligung in den neuen Ländern setzen die Wähler geringe Hoffnungen in die Problemlösungsfähigkeit der Linken. Die größte Kompetenz wird der Partei im Bereich der sozialen Gerechtigkeit zugeschrieben; allerdings ist der Wert hier seit 2009 zurückgegangen. Zu SPD und Grünen stehen die Linken-Wähler in mentaler Distanz; dennoch befürworten drei Viertel unter ihnen eine rot-rot-grüne Koalition (Neugebauer / Stöss 2015: 164).

Literatur zur LINKEN

  • Decker, Frank (2013), Das Verhältnis der SPD gegenüber der LINKEN – Die offene Zukunft, in: Gerhard Hirscher/Eckhard Jesse (Hg.), Extremismus in Deutschland. Schwerpunkte, Vergleiche, Perspektiven, Baden-Baden, S. 549-563.
  • Jesse, Eckhard (2015), Auf dem Weg ins Establishment? Das Abschneiden der PDS/Die Linke bei den Wahlen seit 1990, in: Recht und Politik 50 (2), S. 98-106.
  • Jesse, Eckhard/Jürgen P. Lang (2012), DIE LINKE – eine gescheiterte Partei?, München.
  • Meuche-Mäker, Meinhard (2005), Die PDS im Westen 1990-2005. Schlussfolgerungen für eine neue Linke, Berlin.
  • Neu, Viola (2013), Die Linke, in: Frank Decker/dies. (Hg.), Handbuch der deutschen Parteien, 2. Aufl., S. 316-331.
  • Neugebauer, Gero/Richard Stöss (2015), Den Zenit überschritten. Die Linkspartei nach der Bundestagswahl 2013, in: Oskar Niedermayer (Hg.), Die Parteien nach der Bundestagswahl 2013, Wiesbaden, S. 159-173.
  • Niedermayer, Oskar (2006), Die Wählerschaft der Linkspartei.PDS 2005: sozialstruktureller Wandel bei gleichbleibender politischer Positionierung, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 37 (3), S. 523-538.
  • Oppelland, Torsten/Hendrik Träger (2014), Die Linke. Willensbildung in einer ideologisch zerstrittenen Partei, Baden-Baden.
  • Pfahl-Traughber, Armin (2013), Die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS)/DIE LINKE, in: Oskar Niedermayer (Hg), Handbuch Parteienforschung, Wiesbaden, S. 541-562.
  • Spier, Tim u.a., Hg. (2007), Die Linkspartei. Zeitgemäße Idee oder Bündnis ohne Zukunft?, Wiesbaden.
  • Vollmer, Andreas M. (2013), Arbeit & soziale Gerechtigkeit – die Wahlalternative (WASG). Entstehung, Geschichte und Bilanz, Baden-Baden.
  • Zettl, Christian (2014), Die Wähler der Linkspartei.PDS von 1994 bis 2009, Wiesbaden.


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