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16.7.2018 | Von:
Frank Decker

Wahlergebnisse und Wählerschaft der AfD

In Ostdeutschland erreicht die AfD im Schnitt doppelt do hohe Stimmanteile wie im Westen. In Sachsen war sie bei der Bundestagswahl 2017 stärkste Partei. Zwei Drittel der AfD-Wähler sind männlich, ihre Wähler weisen eine größere Nähe zu rechtsextremen Überzeugungen auf als Wähler anderer Parteien.

Anhänger der AfD während einer Demonstration in Rostock im April 2018.Anhänger der AfD während einer Demonstration in Rostock: In den ostdeutschen Ländern, unter Männern und in den mittleren Jahrgängen ist die AfD überdurchschnittlich erfolgreich. (© picture-alliance/dpa)

Die AfD ist die erste erfolgreiche Neugründung einer Partei im Mitte-Rechts-Lager des bundesdeutschen Parteiensystems. Gemessen am Ausmaß und an der Schnelligkeit ihrer Etablierung stellt sie auch die beiden linken Neuankömmlinge - die Grünen in den achtziger und die PDS/Linke seit den neunziger Jahren - klar in den Schatten. Bei allen 14 Landtagswahlen seit Mitte 2014 gelangte sie über die Fünfprozenthürde, auch in Bayern und Hessen gilt ihr Einzug im Oktober 2018 als sicher. Bei der Bundestagswahl 2017 übertraf sie das bis dahin beste Ergebnis einer Rechtsaußenpartei aus dem Jahre 1969 (NPD: 4,3 Prozent) auf Anhieb um fast das Dreifache.

In Ostdeutschland (einschließlich des früheren Ost-Berlins) erreicht die AfD im Schnitt doppelt so hohe Stimmanteile wie im Westen. In absoluten Zahlen entfielen bei der Bundestagswahl 2017 dennoch fast zwei Drittel ihrer Stimmen auf die alten Bundesländer - das ist fast derselbe Wert wie bei der Linken. In vier der fünf ostdeutschen Länder wurde die AfD mit Werten zwischen 18,6 und 22,7 Prozent zweitstärkste Kraft, in Sachsen landete sie mit 27,0 Prozent sogar knapp vor der CDU auf Platz eins. Hier konnte sie zugleich drei Direktmandate gewinnen. Im Westen erreichte die AfD ihre besten Landesergebnisse in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, am schlechtesten schnitt sie in Hamburg und Schleswig-Holstein ab. Ihre besten Einzelergebnisse erzielte sie in den an der Grenze zu Tschechien gelegenen Wahlkreisen in Niederbayern, in Heilbronn und Pforzheim sowie im Main-Taunus-Kreis.

Bei der Bundestagswahl 2017 wählten von den Männern 16,3 Prozent die AfD, von den Frauen nur 9,2 Prozent. Fast zwei Drittel der AfD-Wähler sind damit männlich, wobei es zwischen dem Osten und Westen in der Verteilung keine Unterschiede gibt. Bezogen auf die Altersgruppen ist die AfD am erfolgreichsten bei den mittleren Jahrgängen der zwischen 35- und 59-Jährigen, wo sie gut 15 Prozent erreicht. In der jüngsten (18 bis 24) und ältesten Gruppe (über 70 Jahre) schneidet sie dagegen mit jeweils 8 Prozent deutlich schlechter ab (Zahlen der repräsentativen Wahlstatistik).

Bezogen auf die Sozialstruktur der AfD-Wählerschaft kommen die vorliegenden Untersuchungen zu teilweise disparaten Befunden, was darauf hindeutet, dass monokausale Erklärungsversuche hier zu kurz greifen. So führen z.B. weder eine hohe Arbeitslosenquote noch ein höherer Ausländeranteil per se zu einer größeren Wahlbereitschaft der AfD. Im Westen scheint die AfD vor allen dort zu punkten, wo die Wähler ein unterdurchschnittliches Haushaltsaufkommen aufweisen und/oder einer Tätigkeit in der Industrie nachgehen. Im Osten ist sie in ländlichen Regionen stark, die unter Abwanderung leiden und ökonomisch abgehängt zu werden drohen. Arbeiter und Arbeitslose sind unter den Wählern zwar überdurchschnittlich vertreten, machen aber nur ein Viertel der AfD-Gesamtwählerschaft aus, während die übrigen drei Viertel auf Angestellte, Beamte und Selbständige entfallen. Auch bei den formalen Bildungsabschlüssen dominieren die mittleren Ränge (Niedermayer / Hofrichter 2016).

Ein klareres Profil ergibt sich, wenn man die Einstellungsmerkmale der Wählerschaft betrachtet. Die AfD-Wähler weisen hier zum einen im Vergleich zu den anderen Wählern ein wesentlich höheres Unzufriedenheitsniveau, zum anderen eine größere Nähe zu rechtsextremen Überzeugungen auf. Protest- und Einstellungswahl gehen bei der AfD insofern Hand in Hand und decken sich mit dem Selbstverständnis einer "Anti-Establishment-Partei". Am deutlichsten ablesbar sind die Unterschiede zur politischen Konkurrenz bei der Bewertung der Migrations- und Flüchtlingspolitik, wo die rigorose Ablehnungshaltung der AfD von ihren Wählern nahezu einhellig geteilt wird (Hambauer / Mays 2018). Wie die seit 2016 wieder angestiegene Wahlbeteiligung zeigt, konnte die AfD damit auch viele frühere Nichtwähler mobilisieren.

Aktuelle Wahlergebnisse

Wahlergebnisse bei den letzten Wahlen zu Landesparlamenten, dem Bundestag und dem Europäischen Parlament

WahlDatumProzentualer AnteilStimmenanzahl
AnteilGewinn
Verlust
StimmenGewinn
Verlust
Hessen22.09.20134,1%+4,1%126.906+126.906
Europäisches Parlament25.05.20147,1%+7,1%2.070.014+2.070.014
Sachsen31.08.20149,7%+9,7%159.611+159.611
Brandenburg14.09.201412,2%+12,2%120.077+120.077
Thüringen14.09.201410,6%+10,6%99.545+99.545
Hamburg115.02.20156,1%+6,1%214.833+214.833
Bremen210.05.20155,5%+5,5%64.368+64.368
Baden-Württemberg13.03.201615,1%+15,1%809.564+809.564
Sachsen-Anhalt13.03.201624,3%+24,3%272.496+272.496
Rheinland-Pfalz13.03.201612,6%+12,6%268.628+268.628
Mecklenburg-Vorpommern04.09.201620,8%+20,8%167.852+167.852
Berlin18.09.201614,2%+14,2%231.325+231.325
Saarland26.03.20176,2%+6,2%32.971+32.971
Schleswig-Holstein07.05.20175,9%+5,9%86.711+86.711
Nordrhein-Westfalen14.05.20177,4%+7,4%626.756+626.756
Bundestag24.09.201712,6%+7,9%5.878.115+3.821.130
Niedersachsen15.10.20176,2%+6,2%235.853+235.853

Bei nichtaufgeführten Wahlen ist die Partei nicht mit einer Landesliste o.ä. angetreten.
1Hamburg: Landesstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)
2Bremen: Personen- und Listenstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)



Literatur zur AfD

  • Bebnowski, David (2015), Die Alternative für Deutschland. Aufstieg und gesellschaftliche Repräsentanz einer rechten populistischen Partei, Wiesbaden.
  • Best, Volker (2018), Liberal-Konservative Reformer (LKR), in: Frank Decker / Viola Neu (Hg.), Handbuch der deutschen Parteien, 3. Aufl., Wiesbaden, S. 379-384.
  • Decker, Frank (2016), Die "Alternative für Deutschland" aus der vergleichenden Sicht der Parteienforschung, in: Alexander Häusler (Hg.), Die Alternative für Deutschland, Wiesbaden, S. 7-23.
  • Hafeneger, Benno u.a. (2018), AfD in Parlamenten. Themen, Strategien, Akteure, Frankfurt a.M.
  • Hambauer, Verena / Anja Mays (2018), Wer wählt die AfD? Ein Vergleich der Sozialstruktur, politischen Einstellungen und Einstellungen zu Flüchtlingen zwischen AfD-WählerInnen und der WählerInnen der anderen Parteien, in: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft 12 (1), S. 133-154.
  • Häusler, Alexander / Rainer Roeser (2015), Zwischen Euro-Kritik und rechtem Populismus: Merkmale und Dynamik des Rechtsrucks in der AfD, in: Andreas Zick / Beate Küpper, Wut, Verachtung, Abwertung. Rechtspopulismus in Deutschland, Bonn, S. 124-145.
  • Hensel, Alexander u.a. (2017), Die AfD vor der Bundestagswahl 2017. Vom Protest zur parlamentarischen Opposition, Frankfurt a.M. (Otto Brenner Stiftung, Arbeitsheft 91).
  • Kemper, Andreas (2014), Keimzelle der Nation? Familien- und geschlechterpolitische Positionen der AfD - eine Expertise, Berlin (Friedrich-Ebert-Stiftung).
  • Lewandowsky, Marcel (2018), Alternative für Deutschland (AfD), in: Frank Decker / Viola Neu (Hg.), Handbuch der deutschen Parteien, 3. Aufl., Wiesbaden, S. 161-170.
  • Niedermayer, Oskar (2015b), Eine neue Konkurrentin im Parteiensystem? Die Alternative für Deutschland, in: ders. (Hg.), Die Parteien nach der Bundestagswahl 2013, Wiesbaden, S. 175-207.
  • Niedermayer, Oskar / Jürgen Hofrichter (2016), Die Wählerschaft der AfD: wer ist sie, woher kommt sie und wie weit rechts steht sie?, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 47 (2), S. 267-284.
  • Schroeder, Wolfgang u.a. (2017), Parlamentarische Praxis der AfD in deutschen Landesparlamenten, Berlin (WZB Working Paper).

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Autor: Frank Decker für bpb.de
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