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16.7.2018 | Von:
Frank Decker

Kurz und bündig: Die CDU

Die CDU wurde 1950 als Sammlungspartei des christlich-bürgerlichen Lagers gegründet. Seitdem hat sie außen- und innenpolitischen Schlüsselentscheidungen der Bundesrepublik als Regierungspartei maßgeblich geprägt. Ihr Programm ist von konservativen, liberalen und christlich-sozialen Standpunkten geprägt, deren Modernisierung immer wieder auch an Kernbestandteilen der Parteiidentität rührt.

Der damalige Generalsekretär der CDU, Peter Tauber, posiert im Vorfeld des Bundesparteitags 2014 der CDU vor dem Logo der Partei.Der damalige CDU Generalsekretär Peter Tauber 2014 vor dem Logo der Partei. (© picture-alliance/dpa)

Gemessen an den Wahlerfolgen und der Dauer ihrer Regierungsbeteiligungen im Bund und in den Ländern ist die Christlich Demokratische Union (CDU) die erfolgreichste Partei in der Bundesrepublik. Im Verbund mit ihrer bayerischen Schwesterpartei CSU, mit der sie im Bundestag eine gemeinsame Fraktion bildet, hat sie die außen- und innenpolitischen Schlüsselentscheidungen des Landes als Regierungspartei maßgeblich geprägt.

Als überkonfessionell ausgerichtete Sammlungspartei des christlich-bürgerlichen Lagers stellt die CDU/CSU die wichtigste Neuerfindung des Parteiensystems der Bundesrepublik dar. Die Integration des protestantischen Teils wurde dabei einerseits durch die gemeinsame, antisozialistische Ausrichtung, andererseits durch die Erfolge der Regierungspolitik erleichtert. Die von Konrad Adenauer durchgesetzte Verankerung der Bundesrepublik im Westen und das Wirtschaftswunder garantierten der CDU bis Mitte der 1960er-Jahre stabile Wählermehrheiten. Organisatorisch blieb sie in dieser Phase eine Honoratiorenpartei, die bei der Wähleransprache auf ein noch weithin intaktes Vorfeldmilieu - also ihr nahestehende Gruppierungen und Organisationen - zurückgreifen konnte.

Der Verlust der Regierungsmacht 1969 leitete den Wandel zu einer modernen Programm- und Mitgliederpartei ein. Maßgeblich vorangetrieben wurde er durch Helmut Kohl, der 1973 den Vorsitz der Partei übernahm und sie nach dem vorzeitigen Ende der sozial-liberalen Koalition 1982 an die Regierung zurückführte. In die 16 Jahre währende Regierungszeit Kohls fielen die Wiedererlangung der deutschen Einheit und die Einführung des Euro. Die deutliche Wahlniederlage 1998 ging auf den mangelnden Reformwillen von Regierung und Partei in der Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik zurück. Von der Affäre um illegale Parteispenden erholte sich die CDU unter der seit 2000 amtierenden Vorsitzenden Angela Merkel rasch und schuf so die Grundlage für die Rückeroberung des Kanzleramtes im Jahre 2005, das sie auch bei den drei darauffolgenden Bundestagswahlen als mit Abstand stärkste Kraft im Parteiensystem verteidigte.

Hier finden Sie einen ausführlichen Text zu den Etappen der Parteigeschichte der CDU.

Der unbestrittenen Führungsrolle auf nationaler Ebene stehen seit der Rückkehr an die Regierung zum Teil erhebliche Stimmeneinbußen in den Bundesländern und Großstädten gegenüber. Wie andere Parteien leidet die CDU unter einer Ausdünnung ihrer natürlichen Kernklientel. Der Zuspruch bei den Senioren ist seit den neunziger Jahren rückläufig und die Gruppe der ihr traditionell zuneigenden kirchengebundenen Wähler fällt in der Bevölkerung kaum noch ins Gewicht. Ihren Vorsprung bei den weiblichen Wählern, der in der rot-grünen Regierungszeit verloren gegangen war, konnte die CDU/CSU seit Merkels Kanzlerschaft wieder herstellen. Aus den verschiedenen sozialen und Berufsgruppen erfährt sie relativ gleichmäßigen Zulauf und unterstreicht dadurch ihren Charakter als Volkspartei. Überdurchschnittlich unterstützt wird die CDU von Landwirten, Selbstständigen, Rentnern und Beamten, unterdurchschnittlich von Angestellten und Arbeitern. Allerdings gelangen ihr gerade in die letztgenannte Wählergruppe häufig so starke Zuwächse, dass sie dadurch ihre Mehrheitsfähigkeit gegenüber der Sozialdemokratie sichern konnte.

Hier finden Sie einen ausführlichen Text zu den Wahlergebnissen und der Wählerschaft der CDU.

Ihrem Selbstverständnis als "natürliche" Regierungspartei gemäß hat die Programmarbeit in der CDU niemals eine herausgehobene Rolle gespielt. Inhaltliche Impulse erfolgten weniger aus der Partei selbst heraus, als aus dem Regierungshandeln. Bis zur Verabschiedung ihres ersten Grundsatzprogramms (1978) ließ sich die CDU fast 30 Jahre Zeit. Ihre intensivsten Programmdebatten fanden in den beiden Oppositionsphasen statt (1969 bis 1982 und 1998 bis 2005).

Die Programmarbeit wird durch das breite Spektrum an Interessen und Werthaltungen erschwert, das die Partei vereint. Als bürgerliche Sammlungspartei speist sich die CDU gleichermaßen aus konservativen, liberalen und christlich-sozialen Wurzeln. Die Bezugnahme auf das christliche Wertefundament und Menschenbild bildet deren gemeinsame Klammer. Das "C" bleibt für die Identität der Partei wichtig, auch wenn es im Zuge der fortschreitenden Entkirchlichung der Gesellschaft an praktischer Bedeutung eingebüßt hat.

In der von der CDU entscheidend mitgeprägten Sozialen Marktwirtschaft treffen sich liberale Vorstellungen einer wettbewerbssichernden Ordnungspolitik mit den bestehenden Traditionen des Sozialstaates, an dessen Aufbau bereits die Zentrumspartei im Kaiserreich großen Anteil hatte. In der Gesellschafts- und Familienpolitik überwog in den 1950er-und 1960er-Jahren das konservative Element. Hier zeichnete sich erst nach dem Gang in die Opposition eine vorsichtige Liberalisierung ab, mit der die CDU an den gesellschaftlichen Wandel Anschluss zu halten suchte.

Unter Angela Merkels Führung wurde der Modernisierungsprozess weiter forciert. Parallel dazu kam es im Regierungshandeln zu wiederholten, spektakulären Kurswechseln, die an Kernbestandteilen der christdemokratischen Identität rührten. Keinen Erfolg hatte Merkel mit ihrem Versuch, das liberale Element in der Wirtschaftspolitik zu stärken, der die CDU auf einen umfassenden Umbau des Sozialstaats verpflichten sollte. Weil die Wähler diesem Vorhaben 2005 eine Absage erteilten, scheut die Partei seither vor grundlegenden Reformen in der Sozial-, Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik zurück. Damit hat sie auch in diesem Bereich die Angriffsflächen für die sozialdemokratische Konkurrenz vermindert.

Die Kehrseite der Mitte-Orientierung war, dass sie die Integrationsfähigkeit der CDU nach rechts schwächte. Die seit den 2000er-Jahren voranschreitende kulturelle Liberalisierung der Partei ließ ein Vakuum entstehen, das die 2013 entstandene rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) füllen konnte. Die von Merkel vertretene humanitäre Flüchtlingspolitik, die 2015 und 2016 fast eine Million Zuwanderer ins Land brachte, katapultierte die AfD in den Umfragewerten und Wahlergebnissen nach oben. Gleichzeitig führte sie zu schweren Auseinandersetzungen mit der Schwesterpartei CSU.

Hier finden Sie einen ausführlichen Text zur Programmatik der CDU.

Organisatorisch zeichnet sich die CDU durch ihre stark föderale und pluralistische Prägung aus, zugleich pflegt sie die Bedürfnisse einer straffen Führung und Konzentration auf die Regierungspolitik. Kam sie bis Ende der 1960er-Jahre noch ohne größeren, professionellen Parteiapparat und breiten Mitgliederstamm aus, wurde deren Aufbau in den 1970er-Jahren zügig nachgeholt. Zusammen mit der CSU verfügen die Christdemokraten heute über deutlich mehr Mitglieder als die SPD, auch wenn die Zahl seit der Vereinigung mit der Ost-CDU rückläufig ist. Unter Merkels Kanzlerschaft wurden seit 2005 einerseits die Tendenzen einer kommunikativen Einbindung und Steuerung der Basis "von oben" verstärkt. Andererseits bleibt die Partei bestrebt, ihre Mobilisierungs- und Rekrutierungsfähigkeit durch eine Öffnung der Organisation und Stärkung der Mitgliederechte zu verbessern.

Hier finden Sie einen ausführlichen Text zur Organisation der CDU.

Literatur

  • Bösch, Frank (2001), Die Adenauer-CDU. Gründung, Aufstieg und Krise einer Volkspartei 1945-1969, Stuttgart/München.
  • Bösch, Frank (2002), Macht und Machtverlust. Die Geschichte der CDU, Stuttgart/München.
  • Bösch, Frank (2018), Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU), in: Frank Decker/Viola Neu (Hg.), Handbuch der deutschen Parteien, 3. Aufl., Wiesbaden, S. 242-261.
  • Decker, Frank (2008), Wo wir sind, ist die Mitte. Zum Standort der CDU im deutschen Parteiensystem, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 55 (1/2), S. 12-15.
  • Dümig, Kathrin/Matthias Trefs/Reimut Zohlnhöfer (2006), Die Faktionen der CDU. Bändigung durch institutionalisierte Einbindung, in: Patrick Köllner/Matthias Basedau/Gero Erdmann (Hg.), Innerparteiliche Machtgruppen, Frankfurt a.M., S. 99-129.
  • Kleinmann, Hans-Otto (1993), Geschichte der CDU 1945-1982, Stuttgart.
  • Lau, Mariam (2009), Die letzte Volkspartei. Angela Merkel und die Modernisierung der CDU, München.
  • Resing, Volker (2013), Die Kanzlermaschine. Wie die CDU funktioniert, Freiburg i. Br.
  • Schmid, Josef (1990), Die CDU. Organisationsstrukturen, Politiken und Funktionsweisen einer Partei im Föderalismus, Opladen.
  • Schwarz, Hans-Peter, Hg. (2009), Die Fraktion als Machtfaktor. CDU/CSU im Deutschen Bundestag 1949 bis heute, München.
  • Walter, Franz/Christian Werwath/Oliver D'Antonio (2014), Die CDU. Entstehung und Verfall christdemokratischer Geschlossenheit, 2. Aufl., Baden-Baden.
  • Zolleis, Udo /Josef Schmid (2013), Die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU), in: Oskar Niedermayer (Hg.), Handbuch Parteienforschung, Wiesbaden, S. 415-437.

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Autor: Frank Decker für bpb.de
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