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16.7.2018 | Von:
Frank Decker

Wahlergebnisse und Wählerschaft der CDU

Auf nationaler Ebene kann die CDU meist den größten Anteil der Wähler für sich gewinnen, auf Landesebene und in den Kommunen muss sie dagegen immer wieder kräftige Stimmenverluste hinnehmen. Ihre Wähler sind überdurchschnittlich alt, praktizierende Christen sind ihre treueste Wählergruppe.

Angela Merkel im Gespräch mit einem älteren Herren.Angela Merkel im Gespräch mit einem älteren Herren. Der überdurchschnittliche Zuspruch zur CDU in der Gruppe der über 60-jährigen Wähler fällt ins Auge. (© picture-alliance/dpa)

Aus den 27 nationalen Wahlen seit 1949 (19 Bundestags- und 8 Europawahlen) ist die CDU/CSU 24 Mal als stärkste Partei hervorgegangen. Nur zweimal (1972 und 1998) fiel sie bei einer Bundestagswahl hinter die SPD, 2002 lagen beide Volksparteien gleichauf. Bei den Bundestagswahlen 2009, 2013 und 2017 gelang es der Union, die SPD klar zu distanzieren. Damit knüpfte sie an ihre Vormachtstellung in den 1950er- und 1980er-Jahren an. Auf der Landesebene ist das Bild gemischter: Bedingt durch den Zwischenwahleffekt, nach dem die Parteien, die auf Bundesebene die Regierung stellen, bei Landtagswahlen häufig abgestraft werden, musste die CDU bei den zurückliegenden Wahlen hier zum Teil kräftige Stimmenverluste hinnehmen, sodass sie Mitte 2016 in nur noch vier von 16 Bundesländern den Ministerpräsidenten stellte. Besonders schmerzlich geriet der Verlust ihres Stammlandes Baden-Württemberg im Jahre 2011, das sie zuvor fast sechs Jahrzehnte ununterbrochen regiert hatte. 2017 konnte die Partei von der SPD zwei Bundesländer zurückzuerobern - Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen -, sodass sich das Machtverhältnis mit sechs CDU- gegenüber acht SPD-geführten Landesregierungen seither wieder etwas ausgeglichener darstellt. Von den 15 größten deutschen Städten wurde Mitte 2018 nur eine (Essen) von einem CDU-Bürgermeister angeführt.

Betrachtet man das Wahlverhalten nach sozialen Gruppen, so fällt zunächst der überdurchschnittliche Zuspruch zur CDU/CSU in der Gruppe der älteren (über 60-jährigen) Wähler ins Auge. Dieser hat sich zwar seit den neunziger Jahren abgeschwächt, doch wird das durch die wachsende zahlenmäßige Stärke der Über 60-Jährigen aufgewogen. Umgekehrt verhält es sich bei der Kirchenbindung. Mit Stimmenanteilen von bis zu 70 Prozent bilden die praktizierenden Christen bis heute die treueste Wählergruppe der Union, was der Partei aber wenig nutzt, weil diese Gruppe stark geschrumpft ist und nur noch gut 5 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Fragt man nach der Konfessionszugehörigkeit, lässt sich nach wie vor eine Spanne zwischen katholischen und protestantischen Unionswählern ausmachen, allerdings mit abnehmender Tendenz (Walter / Werwath / D'Antonio 2014: 174 ff.). Am schwächsten schneidet die Union bei den konfessionslosen Wählern ab.

Eine interessante Entwicklung zeigt das Stimmverhalten der Geschlechter. Bis in die 1990er-Jahre hinein war der weibliche Anteil unter den Unionswählern stets höher als der männliche, was unter anderem mit der stärkeren Religiosität der Frauen erklärt wird. 2002 kehrte sich das Verhältnis erstmals um, weil vor allem jüngere Frauen wegen der als rückständig empfundenen Positionen in der Familien- und Geschlechterpolitik CDU und CSU ihre Unterstützung versagten. Dass die Partei diesen Kompetenzverlust wettmachen konnte und bei den Frauen 2009 und 2013 wieder deutlich vorne lag, verdankte sie unter anderem ihren weiblichen Zugpferden Angela Merkel und Ursula von der Leyen. Gleichzeitig dürfte sich die im Wahlkampf 2013 versprochene Aufstockung der Mütterrente auf die Unterstützungsbereitschaft weiblicher Wähler positiv ausgewirkt haben. Bei der Bundestagswahl 2017 ist der Frauenüberhang nochmals größer geworden, weil vor allem männliche Wähler in den mittleren Altersgruppen zur AfD und zur FDP abwanderten.

Bei den Berufsgruppen kann sich die Union allein auf die Loyalität der zahlenmäßig kleinen Gruppe der Landwirte sicher verlassen, die sie bei den vergangenen Bundestagswahlen mit Stimmenanteilen von zumeist über 60 Prozent unterstützten. Auch bei den Selbstständigen schneiden die Christdemokraten überdurchschnittlich ab, allerdings rivalisieren sie hier - wie ein Vergleich der Wahlergebnisse seit 2009 zeigt - stark mit der bürgerlichen Konkurrenzpartei FDP. Rentner und Beamte sind in der Wählerschaft leicht über-, die Angestellten leicht unterrepräsentiert. Letzteres gilt seit den 1980er-Jahren auch für die Arbeiter, was den Charakter der CDU/CSU als einer schichtübergreifenden Volkspartei unterstreicht. Größere Einbrüche in dieser Gruppe hatte die Union seit der Wiedervereinigung nur bei den Bundestagswahlen 1994 und 1998 zu verzeichnen. Seit 2009 liegt sie bei den Arbeitern in absoluten Zahlen sogar vor der SPD. Betrachtet man das Bildungsniveau, haben die mittleren oder niedrigeren Abschlüsse in der Unionswählerschaft ein leichtes Übergewicht, während die Hochschulabsolventen unterdurchschnittlich vertreten sind (Daten der Forschungsgruppe Wahlen).

Aktuelle Wahlergebnisse

Wahlergebnisse bei den letzten Wahlen zu Landesparlamenten, dem Bundestag und dem Europäischen Parlament

WahlDatumProzentualer AnteilStimmenanzahl
AnteilGewinn
Verlust
StimmenGewinn
Verlust
Hessen22.09.201338,3%+1,1%1.199.633+235.870
Europäisches Parlament25.05.201430,0%-0,6%8.812.653+741.262
Sachsen31.08.201439,4%-0,8%645.414-77.569
Brandenburg14.09.201423,0%+3,2%226.835-47.990
Thüringen14.09.201433,5%+2,2%315.104-14.198
Hamburg115.02.201515,9%-6,0%561.377-192.428
Bremen210.05.201522,4%+2,1%261.929-4.554
Baden-Württemberg13.03.201627,0%-12,0%1.447.462-496.450
Sachsen-Anhalt13.03.201629,8%-2,8%334.139+11.120
Rheinland-Pfalz13.03.201631,8%-3,4%677.507+19.033
Mecklenburg-Vorpommern04.09.201619,0%-4,1%153.115-3.854
Berlin18.09.201617,6%-5,7%288.002-53.156
Saarland26.03.201740,7%+5,5%217.263+47.646
Schleswig-Holstein07.05.201732,0%+1,3%471.460+63.412
Nordrhein-Westfalen14.05.201733,0%+6,6%2.796.683+746.362
Bundestag24.09.201726,8%-7,4%12.447.656-2.474.221
Niedersachsen15.10.201733,6%-2,4%1.287.191-358

Bei nichtaufgeführten Wahlen ist die Partei nicht mit einer Landesliste o.ä. angetreten.
1Hamburg: Landesstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)
2Bremen: Personen- und Listenstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)

Literatur zur CDU

  • Bösch, Frank (2001), Die Adenauer-CDU. Gründung, Aufstieg und Krise einer Volkspartei 1945-1969, Stuttgart/München.
  • Bösch, Frank (2002), Macht und Machtverlust. Die Geschichte der CDU, Stuttgart/München.
  • Bösch, Frank (2018), Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU), in: Frank Decker/Viola Neu (Hg.), Handbuch der deutschen Parteien, 3. Aufl., Wiesbaden, S. 242-261.
  • Decker, Frank (2008), Wo wir sind, ist die Mitte. Zum Standort der CDU im deutschen Parteiensystem, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 55 (1/2), S. 12-15.
  • Dümig, Kathrin/Matthias Trefs/Reimut Zohlnhöfer (2006), Die Faktionen der CDU. Bändigung durch institutionalisierte Einbindung, in: Patrick Köllner/Matthias Basedau/Gero Erdmann (Hg.), Innerparteiliche Machtgruppen, Frankfurt a.M., S. 99-129.
  • Kleinmann, Hans-Otto (1993), Geschichte der CDU 1945-1982, Stuttgart.
  • Lau, Mariam (2009), Die letzte Volkspartei. Angela Merkel und die Modernisierung der CDU, München.
  • Resing, Volker (2013), Die Kanzlermaschine. Wie die CDU funktioniert, Freiburg i. Br.
  • Schmid, Josef (1990), Die CDU. Organisationsstrukturen, Politiken und Funktionsweisen einer Partei im Föderalismus, Opladen.
  • Schwarz, Hans-Peter, Hg. (2009), Die Fraktion als Machtfaktor. CDU/CSU im Deutschen Bundestag 1949 bis heute, München.
  • Walter, Franz/Christian Werwath/Oliver D'Antonio (2014), Die CDU. Entstehung und Verfall christdemokratischer Geschlossenheit, 2. Aufl., Baden-Baden.
  • Zolleis, Udo /Josef Schmid (2013), Die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU), in: Oskar Niedermayer (Hg.), Handbuch Parteienforschung, Wiesbaden, S. 415-437.

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Autor: Frank Decker für bpb.de
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