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16.7.2018 | Von:
Frank Decker

Wahlergebnisse und Wählerschaft der CSU

Durch ihre Stärke in Bayern trägt die CSU etwa 20 Prozent zum Gesamtergebnis der Union bei Bundestags- und Europawahlen bei. Ihre Hochburgen liegen in den altbayerischen Bezirken, Schwaben sowie den katholisch geprägten Gebieten Frankens. Typische CSU-Wähler sind älter als der Bevölkerungsdurchschnitt, weisen eine größere Nähe zur Kirche auf und leben häufiger auf dem Land.

Horst Seehofer während eines Gedenkgottesdienst zur "Sendlinger Mordweihnacht" in Waakirchen (Oberbayern). Die Gedenkfeier erinnert an den Aufstand der bayerischen Bevölkerung gegen die Habsburgische Besatzung, die am Weihnachtstag 1705 blutig niedergeschlagen wurde.Horst Seehofer während eines Gedenkgottesdienst zur "Sendlinger Mordweihnacht" in Waakirchen.Typische CSU-Wähler weisen eine größere Nähe zur Kirche auf und leben häufiger auf dem Land. (© picture-alliance/dpa)

Weil sie bei Wahlen nur in Bayern antritt und ihr politisch-programmatisches Selbstverständnis mit dem Freistaat eng verknüpft ist, handelt es sich bei der CSU aus elektoraler Sicht um eine (bayerische) Regionalpartei. Gleichzeitig kann sie in Bayern als einzige Partei den Charakter einer Volkspartei für sich beanspruchen. Ihre hegemoniale Stellung beruht darauf, dass sie nach der Verdrängung der Bayernpartei und dem Niedergang des GB/BHE auch Teile der liberalen und sozialdemokratischen Wählerschichten vereinnahmt hat. Während die bayerische FDP nur noch über ein geringes Stammwählerpotenzial verfügt und ihr Abschneiden deshalb stark vom Bundestrend abhängt, ist die SPD in Bayern inzwischen auf das Niveau einer 20-Prozent-Partei zurückgefallen; selbst 2008, als die CSU einen Rekordverlust von 17,3 Prozentpunkten gegenüber 2003 zu verkraften hatte, betrug ihr Vorsprung vor der SPD als zweitstärkster Kraft 24,8 Prozentpunkte.

Durch ihre Stärke in Bayern trägt die CSU in erheblichem Maße zum Gesamtergebnis der Union bei den Bundestags- und Europawahlen bei. Ihr Anteil an den Gesamtstimmen von CDU und CSU bewegte sich auch nach der deutschen Einheit im Bereich von etwa 20 Prozent. Am höchsten lag er 1980 und 2002, als die CSU den Kanzlerkandidaten stellte (23,1 bzw. 23,4 Prozent), am niedrigsten bei der ersten gesamtdeutschen Wahl 1990 (16,2 Prozent). Erreichte die CSU in den 1950er- und 1960er-Jahren im Bund durchweg bessere Ergebnisse als im Land, so kehrte sich dieser Trend seit den 1970er-Jahren um. Am größten war der Abstand 1998, als sie bei der Bundestagswahl um 5,3 Prozentpunkte schlechter abschnitt als zwei Wochen zuvor bei der Landtagswahl (Hirscher 2012).

Dass die Wahlerfolge der CSU inzwischen deutlich labiler geworden sind, zeigt ein Vergleich der Landtags- und Bundestagswahlen 2013 mit den Kommunal- und Europawahlen im Frühjahr 2014, bei denen sie mit Werten um die 40 Prozent sogar noch hinter die schlechten Ergebnisse der Landtagswahl 2008 und Bundestagswahl 2009 zurückfiel. Dabei zeigen sich neben ihrer relativen Schwäche in den Städten vor allem die zunehmenden Mobilisierungsprobleme der CSU im ländlichen Raum gegen die aufstrebende Konkurrenz der Freien Wähler.

Bei der Bundestagswahl 2017 verlor die CSU in erheblichen Maße Stimmen an die AfD, die in Bayern mit 12,4 Prozent ihr bestes Ergebnis in den westlichen Bundesländern und den stärksten Stimmenzuwachs im Vergleich zur vorangegangenen Wahl verzeichnete. Besonders groß war die Stimmenwanderung dabei in den grenznahen Wahlkreisen in Niederbayern, die von den Flüchtlingsbewegungen 2015 und 2016 am unmittelbarsten betroffen waren. Bezogen auf das Geschlecht verteilten sich die CSU-Verluste gegenüber 2017 nahezu gleichförmig, bezogen auf die Altersstruktur waren sie am geringsten in der Gruppe der über 70-jährigen Wähler.

Die geografischen Hochburgen der CSU liegen in den altbayerischen Bezirken, Schwaben sowie den katholisch geprägten Gebieten Frankens; in den protestantischen Gebieten Frankens bleibt sie eher schwach. Dass dieses Muster durchaus durchbrochen werden kann, hat die Landtagswahl 2008 gezeigt. Mit dem evangelischen Franken Günther Beckstein als Ministerpräsident schnitt die CSU hier außerhalb Altbayerns überdurchschnittlich gut ab, während ihr die Wähler im Kernbezirk Oberbayern scharenweise davonliefen. Daran wird deutlich, dass die regionalen Trennlinien in Bayern nach wie vor beträchtlichen Einfluss ausüben (Mintzel 1975: 58 ff.).

Hinsichtlich ihrer Sozialmerkmale sind die typischen CSU-Wähler älter als der Bevölkerungsdurchschnitt, weisen eine größere Nähe zur Kirche auf und leben häufiger auf dem Land (Sebaldt 2018: 269). Weibliche und männliche Wähler halten sich in etwa die Waage; allerdings ist der Unterschied zwischen den Altersgruppen bei den weiblichen Wählern noch stärker ausgeprägt als bei den Männern. Unter den Berufsgruppen ist das Verhältnis ebenfalls relativ ausgeglichen. Dies gilt neuerdings sogar für die Landwirte, deren Unterstützung bei der Landtagswahl 2013 auf knapp 60 Prozent zurückgegangen ist, nachdem sie 2003 noch zu über 90 Prozent für die CSU gestimmt hatten.

Aktuelle Wahlergebnisse

Wahlergebnisse bei den letzten Wahlen zu Landesparlamenten, dem Bundestag und dem Europäischen Parlament

WahlDatumProzentualer AnteilStimmenanzahl
AnteilGewinn
Verlust
StimmenGewinn
Verlust
Bayern115.09.201347,7%+4,3%5.636.425+1.032.465
Europäisches Parlament25.05.20145,3%-1,9%1.567.448-329.314
Bundestag24.09.20176,2%-1,2%2.869.688-373.881

Bei nichtaufgeführten Wahlen ist die Partei nicht mit einer Landesliste o.ä. angetreten.
1Bayern: Gesamtstimmen (bis zu zwei Stimmen je Wähler)

Literatur zur CSU

  • Buchstab, Günter (2009), Ein parlamentarisches Unikum: die CDU/CSU-Fraktionsgemeinschaft, in: Hans-Peter Schwarz (Hg.), Die Fraktion als Machtfaktor, Bonn, S. 255-274.
  • Hirscher, Gerhard (2012), Die Wahlergebnisse der CSU. Analysen und Interpretationen, München.
  • Hopp, Gerhard (2012), Die Volkspartei CSU in Bayern. Rahmenbedingungen, Strukturmerkmale und aktuelle Zukunftsperspektiven eines Erfolgsmodells auf dem Prüfstand, in: Ralf Thomas Baus (Hg.), Parteiensystem im Wandel, Sankt Augustin/Berlin, S. 73-98.
  • Jäger, Wolfgang (2009), Helmut Kohl setzt sich durch, 1976-1982, in: Hans-Peter Schwarz (Hg.), Die Fraktion als Machtfaktor, Bonn, S. 141-159.
  • Kießling, Andreas (2004), Die CSU. Macherhalt und Machterneuerung, Wiesbaden.
  • Mintzel, Alf (1975), Die CSU. Anatomie einer konservativen Partei 1945-1972, Opladen.
  • Oberreuter, Heinrich (2008), Stoibers Sturz. Ein Beispiel für die Selbstgefährdung politischer Macht, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 39 (1), S. 112-118.
  • Schäfer, Susanne (2010), Konstanz und Wandel: Die CSU-Programme im dokumentarischen Vergleich, in: Gerhard Hopp/Martin Sebaldt/Benjamin Zeitler (Hg.), Die CSU, Wiesbaden, S. 173-193.
  • Sebaldt, Martin (2018), Christlich-Soziale Union in Bayern e.V. (CSU), in: Frank Decker/Viola Neu (Hg.), Handbuch der deutschen Parteien, 3. Aufl., Wiesbaden, S. 264-276.
  • Strauß, Franz Josef (1989), Die Erinnerungen, Berlin.
  • Weigl, Michael (2013), Die Christlich-Soziale Union in Bayern e.V. (CSU), in: Oskar Niedermayer (Hg.), Handbuch Parteienforschung, Wiesbaden, S. 469-495.

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