Die Logos deutscher Parteien: CDU, SPD, DIE LINKE, GRÜNE, CSU, AfD, BIW, Die PARTEI, Die Tierschutzpartei, FAMILIE, FDP, FREIE WÄHLER, NPD, ÖDP, PIRATEN und SSW.

Mitgliederentwicklung der Parteien


7.10.2017
Nach Hochzeiten der Mitgliedergewinnung in den ersten Nachkriegsjahren und in der Zeit von Ende der 1960er- bis zur Mitte der 1970er-Jahre entwickelten sich die Mitgliederzahlen der einzelnen Parteien bis zum Ende der alten Bundesrepublik unterschiedlich. Nach der Wiedervereinigung verloren alle Parteien mit Ausnahme der Grünen mehr oder minder stark an Mitgliedern.

Die Hochzeiten der Gewinnung neuer Mitglieder durch die Parteien in der alten Bundesrepublik lagen zum einen in den ersten Nachkriegsjahren und zum anderen in der Zeit von Ende der 1960er bis zur Mitte der 1970er-Jahre.

Die CDU hatte 1948 etwa 360.000 Mitglieder. Danach setzte ein Abschwung ein und erst in den 1960er-Jahren begann ein kontinuierlicher Aufschwung, der Ende der 1960er-Jahre in einen regelrechten Mitgliederboom überging. Von Ende 1968 bis Ende 1976 konnte die CDU ihre Mitgliederzahl um 128 Prozent steigern. Danach verlangsamte sich der Zuwachs und 1983 wurde mit 734.555 Mitgliedern der Höhepunkt erreicht. Danach ging der Bestand bis auf 662.598 im Jahr 1989 zurück.

Die SPD hatte ihre erste Mitgliederhochphase 1947 mit 875.479 Mitgliedern. Im nächsten Jahrzehnt gingen die Zahlen zurück und erreichten 1954 mit 586.143 Mitgliedern ihren Tiefststand. Danach folgte ein mehr oder minder kontinuierlicher Aufschwung, der sich ab Ende der 1960er-Jahre deutlich beschleunigte. Von Ende 1968 bis Ende 1976 gewann die SPD 40 Prozent neue Mitglieder hinzu. Ihren Höhepunkt erreichte sie 1976 mit 1.022.191 Mitgliedern. Danach ging der Bestand mit Ausnahme von 1980 und 1988/89 bis zur Wiedervereinigung jedes Jahr weiter zurück; 1989 gab es noch 921.430 Mitglieder.

Die anfängliche Mitgliederentwicklung von CSU und FDP lässt sich aufgrund der schlechten Datenlage für die Zeit bis Mitte der 1960er-Jahre schwerer nachvollziehen. Auch hier gab es jedoch in den ersten Nachkriegsjahren eine Hochzeit der Mitgliedergewinnung. Die CSU erreichte 1948 mit 85.247 Mitgliedern ihren ersten Höhepunkt, danach gingen die Zahlen bis 1953 auf unter 33.000 zurück. Nach einem Aufschwung in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre kehrte sich die Mitgliederentwicklung in der zweiten Hälfte wieder um. Auch in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre erlebte die CSU einen Mitgliederboom, der danach zwar abebbte, jedoch nicht in einen Abschwung überging. 1989 erreichte die CSU daher mit 185.703 ihren Mitgliederhöchststand in der alten Bundesrepublik.

Die FDP hatte 1952 über 66.000 Mitglieder, 1971 waren es nur noch 53.986. Danach begann ein Mitgliederaufschwung, der in abgeschwächter Form auch noch in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre anhielt und 1981 zum Höchststand von 86.073 Mitgliedern führte. Danach gingen die Mitgliederzahlen bis 1989 auf 65.150 zurück.

Die Grünen hatten nach ihrer Gründung 1980 einen Mitgliederstand von 20.520. Im Folgejahr mussten sie einen deutlichen Mitgliederrückgang auf knapp 18.200 hinnehmen, danach stieg die Mitgliedschaft jedoch kontinuierlich bis zum Höchststand 1987 (42.419) und fiel bis 1989 (41.171) nur leicht zurück.

Die Wiedervereinigung 1990 bescherte den Parteien in unterschiedlichem Ausmaß neue Mitglieder. Die CDU konnte durch den Beitritt der CDU der ehemaligen DDR, der sich kurz zuvor noch der Demokratische Aufbruch (DA) und die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) angeschlossen hatten, ihre Mitgliederschaft um gut 20 Prozent auf 789.609 steigern. Seither gehen die Mitgliederzahlen jedoch - mit Ausnahme von 1999 - kontinuierlich zurück. Ende 2016 hatte die CDU nur noch 431.920 Mitglieder, d.h. sie musste seit 1990 einen Mitgliederverlust von über 45 Prozent hinnehmen.

Die SPD gewann durch ihr im Rahmen der Wende in der DDR neu gegründetes Pendant nur 2,5 Prozent Mitglieder hinzu, sodass sie 1990 auf 943.402 Mitglieder anwuchs. Seitdem gehen die Mitgliederzahlen der SPD Jahr für Jahr zurück, und seit gut einem Jahrzehnt liefert sie sich mit der CDU einen Kampf um Platz 1 beim Mitgliederstand. Ende 2016 lag sie mit 432.706 Mitgliedern knapp vor der CDU. Seit 1990 hat sie allerdings 54 Prozent ihrer Mitglieder verloren.

Auch die kleineren Parteien haben - mit Ausnahme der Grünen - seit 1990 Mitglieder verloren, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Die CSU konnte, da sie nur in Bayern verankert ist, als einzige von der Wiedervereinigung nicht profitieren. Im vereinten Deutschland ging ihre Mitgliedschaft fast kontinuierlich von 186.198 (1990) auf 142.412 (2016) zurück. Sie verlor in diesem Zeitraum daher 23,5 Prozent ihrer Mitglieder.

Der Mitgliederbestand der FDP wuchs 1990 durch den Beitritt mehrerer Parteien der ehemaligen DDR um fast 160 Prozent auf 168.217. Vor allem durch einen dramatischen Mitgliederrückgang in den neuen Bundesländern war der enorme Zuwachs jedoch bald wieder aufgezehrt: Bis Ende 2016 (Stand: 53.896) verlor die FDP 68 Prozent ihrer Mitglieder.

Im Rahmen der Wiedervereinigung blieben die westdeutschen Grünen als einzige Partei von ihrem ostdeutschen Pendant, der Listenvereinigung Bündnis 90/Grüne-BürgerInnenbewegung, zunächst noch getrennt und vereinigten sich erst im Jahre 1993 mit dem zur Partei umgewandelten, mitgliederschwachen Bündnis 90. Die Mitgliederentwicklung von Bündnis 90/Die Grünen war in der Folgezeit durch Auf- und Abschwungphasen gekennzeichnet. Insgesamt gingen die Zahlen jedoch nach oben und die Partei erreichte 2016 mit 61.596 ihren bisherigen absoluten Höchststand. Insgesamt konnten die Grünen von 1990 bis Ende 2016 ihre Mitgliederschaft um 49 Prozent steigern.

Die PDS als Nachfolgerin der DDR-Staatspartei SED, die 1989 noch ca. 2,3 Mio. Mitglieder hatte, startete Ende 1990 mit etwa 281.000 und verlor bis Ende 2006 fast vier Fünftel ihrer Mitgliederschaft. Nach der Vereinigung mit der WASG zur Partei DIE LINKE 2007 hatte sie 71.711 Mitglieder, Ende 2016 stand sie bei 58.910. Dies bedeutet im Vergleich zu 1990 einen Mitgliederverlust von 79 Prozent.

Die erst im Februar 2013 gegründete AfD hatte Ende 2014 schon 20.728 Mitglieder, verlor 2015 durch die Abspaltung des Flügels um den Bernd Lucke etwa ein Fünftel ihrer Mitgliederschaft und steigerte sich bis Mitte April 2017 auf über 26.000 Mitglieder.

Die Mitgliederentwicklung bei den nicht im Bundestag vertretenen Parteien ist seit 1990 sehr unterschiedlich verlaufen.

Die seit Ende 2006 existierende Piratenpartei konnte im Rahmen ihrer Erfolge bei den verschiedenen Wahlen 2009 bis 2012 ihre Mitgliederzahl deutlich steigern. Den Höhepunkt erreichte sie 2012 mit 25.548 Mitgliedern. Danach setzte jedoch eine Marginalisierung der Partei in den Umfragen ein, was sich auch negativ auf die Mitgliederzahlen auswirkte. Ende 2015 gehörten ihr nur noch gut 15.000 Mitglieder an, davon waren nur etwa 8.000 stimmberechtigt. Die Mitgliederschaft der FREIEN WÄHLER erhöhte sich 2011 durch die Verschmelzung mit den FW Bayern und Schleswig-Holstein drastisch und Ende 2014 hatten sie knapp 4.700 Mitglieder. Die NPD musste in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre deutliche Mitgliederverluste hinnehmen, erholte sich bis 2007 und fiel danach wieder bis auf knapp 5.000 Mitglieder 2015 zurück.

Datenquelle



Mitgliederdatenbank des Verfassers. Exakte Zahlen ab 1990 und Grafiken zur Entwicklung bis 1989 sind enthalten in: Niedermayer, Oskar, 2017: "Parteimitglieder in Deutschland: Version 2017, Arbeitshefte aus dem Otto-Stammer-Zentrum, Nr. 27, Berlin". PIRATEN, NPD und FREIE WÄHLER: auf der Webseite des Deutschen Bundestags einsehbare Rechenschaftsberichte der Parteien.

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



In den Grafiken werden die Mitgliederzahlen jeweils zum 31.12. eines Jahres wiedergegeben. Die Daten für die CDU sind bis zum Beginn der 1960er-Jahre lückenhaft und beruhen zum Teil auf Schätzungen. Bei der SPD sind durch eine EDV-Umstellung Anfang 1998 insgesamt 5.240 Mitglieder verlorengegangen. Für die CSU liegen von 1954 bis 1959 und für 1962 keine Daten vor, Daten für die FDP gibt es - mit Ausnahme von 1951 und 1952 - erst ab 1967. Bei der Linkspartei (PDS) bestanden 1990 noch keine westdeutschen Landesverbände, daher Schätzung der westdeutschen Mitgliederzahl (etwa 600).


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Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autor: Oskar Niedermayer für bpb.de

 

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