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Rekrutierungsfähigkeit der Parteien


7.7.2017
Die Parteien beziehen sich bei der Rekrutierung ihrer Mitglieder auf unterschiedliche Teile der Bevölkerung. Der CSU gelingt es dabei am besten, Mitglieder aus dem aus dem Kreis derjenigen zu gewinnen, die zum Beitritt in die Partei berechtigt sind. Auch zwischen den Bundesländern unterscheidet sich die Rekrutierungsfähigkeit der Parteien beträchtlich.

Will man die Parteien im Hinblick auf ihre Fähigkeit zur Mitgliedergewinnung vergleichen, dann helfen die absoluten Mitgliederzahlen nicht weiter. Dies liegt daran, dass die einzelnen Parteien ihre Mitglieder aus einer unterschiedlich großen Zahl von Personen rekrutieren, die zum Parteibeitritt berechtigt sind.

Die SPD kann ihre Mitglieder in ganz Deutschland aus der Bevölkerung ab 14 Jahren rekrutieren. Bei CDU und CSU liegt die Altersgrenze jedoch bei 16 Jahren und zudem kann die CDU nur außerhalb Bayerns und die CSU nur in Bayern Mitglieder gewinnen. Damit ist die Zahl der Parteibeitrittsberechtigten bei der CDU und vor allem der CSU geringer und damit ihre Rekrutierungsfähigkeit bei gleicher absoluter Mitgliederzahl höher als bei der SPD.

SPD und CDU haben in den letzten zehn Jahren um Platz 1 bei den absoluten Mitgliederzahlen gekämpft, wobei mal die eine, mal die andere Partei vorne lag. In Bezug auf die Fähigkeit zur Mitgliederrekrutierung wurde die SPD aber schon 1999 von der CDU überholt und seither hat die CDU ihren Vorsprung auch aufrechterhalten. Ende 2015 waren knapp 0,8 Prozent der Bevölkerung außerhalb Bayerns ab 16 Jahren CDU-Mitglied, während 0,6 Prozent derer, die die SPD ansprechen konnte - also der gesamten Bevölkerung ab 14 Jahren - den Weg in die SPD fanden. Beide Parteien wiederum liegen weit hinter der CSU zurück, in der Ende 2015 1,3 Prozent der bayerischen Bevölkerung ab 16 Jahren organisiert waren.

Betrachtet man das Parteiensystem insgesamt, so waren 1980, nach dem Hinzukommen der Grünen, in der Bundesrepublik insgesamt fast vier Prozent der beitrittsberechtigten Bevölkerung in einer der Bundestagsparteien organisiert. Ende 1989 waren es in der alten Bundesrepublik noch knapp 3,6 Prozent. Nach der Vereinigung 1990 und dem Hinzukommen der PDS konnten die Bundestagsparteien im gesamten Deutschland knapp 3,7 Prozent der Bürgerinnen und Bürger rekrutieren. Ende 2015 waren nur noch 1,6 Prozent der beitrittsberechtigten Bevölkerung in einer der Bundestagsparteien Mitglied. Nimmt man die FDP und die AfD hinzu, waren es 1,7 Prozent.

Die Rekrutierungsfähigkeit der einzelnen Parteien unterscheidet sich regional, d.h. zwischen den Bundesländern, beträchtlich. Alle Parteien haben bezüglich ihrer Mitgliederzahlen Hochburgen und Regionen, in denen sie schwach vertreten sind. Im Jahr 2015 zeigt sich ein Muster, das schon seit längerer Zeit besteht: Bei der SPD und den Grünen bilden die fünf ostdeutschen Bundesländer mit deutlichem Abstand zu allen westdeutschen Ländern das Schlusslicht. In den ostdeutschen Bundesländern rekrutiert die SPD nur zwischen 0,1 Prozent (Sachsen) und knapp 0,3 Prozent (Brandenburg) der jeweils beitrittsberechtigten Bevölkerung. Im Saarland hingegen sind 2,1 Prozent, in Rheinland-Pfalz und Hessen etwa 1 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren Mitglied der SPD. Zu den Grünen fanden Ende 2015 in allen ostdeutschen Bundesländern nur jeweils 0,04 Prozent der Beitrittsberechtigten. In Berlin hingegen rekrutierte die Partei immerhin fast 0,2 Prozent der Beitrittsberechtigten, und auch in den anderen beiden Stadtstaaten ist ihre Fähigkeit zur Mitgliedergewinnung vergleichsweise hoch.

Auch bei der CDU bilden - mit Ausnahme von Thüringen - die ostdeutschen Bundesländer das Schlusslicht, wobei hier die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg ähnlich niedrige Rekrutierungsgrade aufweisen. Am geringsten ist die Rekrutierungsfähigkeit in Brandenburg ausgeprägt, wo die CDU nur knapp 0,3 Prozent der Beitrittsberechtigten gewinnen kann, während in den Mitgliederhochburgen Saarland und Rheinland-Pfalz 2 Prozent bzw. 1,3 Prozent der Bevölkerung über 16 Jahre Mitglied der CDU sind. In Bayern ist die Rekrutierungsfähigkeit der CSU mit 1,3 Prozent etwas stärker ausgeprägt als die der CDU in Rheinland-Pfalz.

Die Linke bleibt auch 2015 von ihrer Mitgliederverankerung her noch eine ostdeutsche Regionalpartei, die im Westen - mit Ausnahme des Saarlands, der Heimat von Oskar Lafontaine - eine deutlich geringere Organisationsbasis aufweist. Sie erreicht aber auch im Osten der Republik - mit bis zu 0,3 Prozent der Beitrittsberechtigten in der Hochburg Brandenburg - nirgendwo auch nur annähernd die Rekrutierungsfähigkeit der CDU, SPD und CSU in ihren westdeutschen Hochburgen.

Datenquelle



Mitgliederdatenbank des Verfassers. Die neuesten Zahlen sind enthalten in: Niedermayer, Oskar, 2015: "Parteimitglieder in Deutschland: Version 2017, Arbeitshefte aus dem Otto-Stammer-Zentrum, Nr. 27, Berlin"

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen



Unter der Rekrutierungsfähigkeit wird der Anteil der Parteimitglieder an den Parteibeitrittsberechtigten verstanden. Für die Grafiken wurde daher für das gesamte Bundesgebiet sowie für jedes Bundesland und für jede Partei die Anzahl der Beitrittsberechtigten ermittelt und zur Anzahl der Parteimitglieder in Beziehung gesetzt. Ende 2015 lebten z.B. in Bremen 578.496 Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren und die CDU hatte dort zu dieser Zeit 2.341 Mitglieder. Da man ab 16 Jahren Mitglied der CDU werden kann, waren damit 0,4 Prozent der Beitrittsberechtigten CDU-Mitglied, d.h. die Rekrutierungsfähigkeit der CDU betrug 0,4 Prozent.


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Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/
Autor: Oskar Niedermayer für bpb.de
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