Grundrechte - Einfach politik

Die Würde des Menschen ist unantastbar

5.11.2016
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    Artikel 1

    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
    (2) Das deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
    (3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

    Zeichnung: Verschiedene Menschen, die alle eine Krone tragen, die sinnbildlich dafür steht, dass sie alle vor dem Gesetz gleich und gleich wertvoll sind. Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert. (© bpb)

    Artikel 1 sagt: Jeder Mensch ist wertvoll.
    Artikel 1 schützt den Menschen in seiner Würde.
    Würde bedeutet: Alle Menschen haben einen Wert.

    Zeichnung des Philosophen Immanuel Kant. Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert. (© bpb)
    So erklärt der Philosoph Immanuel Kant die Menschenwürde:
    Dinge sind wertvoll,
    wenn wir sie brauchen können.
    Ein Schuh ist zum Beispiel wertvoll,
    wenn er passt und man mit ihm gut laufen kann.
    Wenn der Schuh kaputt ist und
    niemand mehr in ihm laufen kann,
    hat er keinen Wert mehr.
    Bei Menschen ist das anders:
    Der Mensch hat immer einen Wert.
    Auch wenn er krank ist.
    Auch wenn er nicht arbeiten kann.

    Wenn etwas immer einen Wert hat, sagt man:
    Es hat eine Würde.
    Jeder Mensch ist deshalb wertvoll,
    weil er ein Mensch ist.

    In Artikel 1 steht:
    Die Würde eines Menschen ist unantastbar.
    Das heißt:
    Die Würde darf auf keinen Fall verletzt werden.
    Alle Menschen sind gleich wertvoll.

    Es ist egal,
  • welche Religion sie haben,
  • aus welchem Land sie kommen,
  • ob sie Frauen oder Männer sind oder
  • wie alt sie sind.

  • Das Leben und die Gesundheit aller Menschen sind wichtig.
    Alle Menschen müssen vom Staat geschützt werden.
    Die Menschenwürde ist die wichtigste Regel im deutschen Grundgesetz.
    Niemand darf die Würde eines Menschen verletzen.

    Ein Leben ohne Menschenwürde ist ein Leben in Angst,
    Unterdrückung und Zwang.
    Das heißt:
    Kein Mensch hat das Recht,
    einem anderen Menschen Gewalt anzutun.
    Zum Beispiel wurden in der Nazi-Zeit
    behinderte Menschen festgehalten und umgebracht,
    weil sie eine Behinderung hatten.
    Das nennt man "Euthanasie"-Morde.
    So etwas verbietet die Menschenwürde.
    Kein Mensch darf gefoltert oder getötet werden.

    Alle Menschen müssen mit Würde behandelt werden.
    Kein Mensch, der wirklich Hilfe braucht,
    darf allein gelassen werden.
    Das gilt zum Beispiel auch
    • für alle Menschen, die krank sind.
    • für alle Kinder, die ohne Eltern sind.
    • für alle Menschen, die nach Deutschland geflohen sind.
    Auch die Würde von Menschen,
    die ein Gesetz gebrochen haben,
    muss beachtet werden.
    Das hat das Bundesverfassungsgericht bestätigt.
    Das Bundesverfassungsgericht ist
    das höchste Gericht in Deutschland.

    Es hat zum Beispiel entschieden:
    Auch Menschen im Gefängnis müssen die Hoffnung haben,
    dass sie das Gefängnis irgendwann wieder verlassen dürfen.
    Auch jemand, der einen anderen Menschen ermordet hat.
    Ein Leben ohne Hoffnung ist nicht menschenwürdig.
    Ein Gericht muss deshalb nach 15 Jahren prüfen:
    Kann ein Mensch das Gefängnis wieder verlassen?

    Die Grundrechte sollen die Menschen vor dem Staat schützen.
    Deshalb müssen alle, die im Staat arbeiten,
    die Grundrechte beachten.
    In Artikel 1 steht dazu:
    • Die Menschen, die Gesetze machen,
      müssen die Grundrechte beachten.
      Kein Gesetz darf die Grundrechte verletzen.
      Kein Gesetz darf etwas erlauben,
      das im Grundgesetz verboten ist.
    • Die Regierung und alle, die für sie arbeiten,
      müssen sich bei ihrer Arbeit an die Grundrechte halten.
    • Auch die Richter müssen sich an die Grundrechte halten.
    Zeichnung: Rechtswegegarantie. Durch Klick auf das Bild wird das Bild vergrößert. (© bpb)
    Der Staat darf niemanden in seinen Grundrechten verletzen.
    Wenn eine Person denkt:
    Der Staat verletzt meine Grundrechte,
    kann die Person bei einem Gericht klagen.
    Sie kann so den Schutz ihrer Grundrechte fordern.
    Ein Richter muss dann prüfen,
    ob der Staat die Grundrechte verletzt hat.
    Alle Menschen in Deutschland
    haben ein Recht auf die Einhaltung der Grundrechte.



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