One Billion Rising Tanz-Flashmob gegen Gewalt gegen Frauen vor dem Brandenburger Tor

27.11.2017

Demokratie braucht Einmischung

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    In manchen Ländern entscheiden nur bestimmte Menschen.
    Das kann ein König, eine Partei, eine Familie
    oder eine Gruppe von Offizieren sein.
    Diese sind nicht demokratisch gewählt
    und bestimmen trotzdem alles.

    Das heißt Diktatur.
    In einer Diktatur können die Herrschenden sagen:
    "Wir entscheiden! Die Bürger müssen machen, was wir wollen."

    In einer Demokratie wie in Deutschland heißt es aber:
    "Mischen Sie sich ein. Politik geht Sie etwas an!
    Ihre Meinung ist wichtig."

    Für die Demokratie gibt es Gefahren:
    • Wenn nur wenige Menschen wählen,
      dann entscheiden nur wenige Menschen.
    • Wenn sich nur wenige Menschen einmischen,
      werden nur wenige gehört.
    Dann gibt es eine große Gruppe von Menschen,
    die sich nicht einmischt und nicht mitentscheidet.
    Einige dieser Menschen denken vielleicht:
    "Keiner hört auf uns, weil wir arm sind.
    Deswegen mischen wir uns nicht ein und wählen nicht."

    Dann ist folgendes möglich:
    Weil sich diese Menschen nicht einmischen und nicht wählen,
    wird wirklich weniger auf sie geachtet.
    Und es wird weniger für diese Menschen getan.

    Demokratie braucht viele Menschen, die mitreden,
    sich einmischen und mitentscheiden.


    Vielleicht denken Sie: "Allein kann ich nichts verändern."
    Sie können sich aber mit anderen Menschen zusammentun.
    Vielleicht ändert sich dann etwas.

    Die "Ehe für alle"

    2017 wurde im Bundestag über die
    "Ehe für alle" abgestimmt.
    Vorher konnte eine Frau nur einen Mann heiraten.
    Und ein Mann nur eine Frau.
    "Ehe für alle" bedeutet:
    • Auch zwei Frauen können heiraten.
    • Auch zwei Männer können heiraten.
    Hochzeit

    Wenn ein Mann einen Mann liebt
    oder eine Frau eine Frau,
    dann nennt man das: Homosexualität.

    Die meisten Menschen in Deutschland haben lange gedacht:
    Nur ein Mann und eine Frau dürfen heiraten.
    Dass homosexuelle Menschen heiraten, war undenkbar.

    Homosexualität war bis 1969 eine Straftat.
    Homosexuelle Männer bekamen eine Gefängnisstrafe.
    Über homosexuelle Frauen stand nichts im Strafgesetzbuch.

    Manche Menschen dachten: Homosexualität ist eine Krankheit.
    Heute weiß man: Homosexualität ist keine Krankheit.

    Es ist einfach so,
    dass sich manche Männer in Männer verlieben
    und manche Frauen in Frauen.

    Und im Grundgesetz steht: "Alle Menschen sind gleich."
    Das bedeutet auch: Niemand darf benachteiligt sein,
    weil er oder sie homosexuell ist.

    Irgendwann haben sich Menschen
    für die "Ehe für alle" eingesetzt.
    Es waren zuerst nur sehr wenige.
    Der Weg zur Entscheidung im Bundestag 2017
    über die "Ehe für alle" hat etwa 35 Jahre lang gedauert.

    Die Entscheidung zeigt:
    Manchmal denkt man, etwas ändert sich nie.
    Aber man kann versuchen, es zu ändern.

    Die "Ehe für alle" ist ein Beispiel, dass Gesetze geändert werden können.
    Dazu braucht es Einmischung und viel Geduld.
    • Ende der 1980er Jahre wurde die Diskriminierung
      Homosexueller stärker Thema in der Öffentlichkeit.
      Diskriminierung bedeutet die
      Benachteiligung oder Ausgrenzung
      von einzelnen Personen oder Gruppen.

    • Homosexuelle Menschen haben in der Öffentlichkeit gesagt:
      "Ich liebe als Frau eine Frau" oder "ich liebe als Mann einen Mann."
      Auch Politiker, Schauspieler oder Fernsehmoderatorinnen haben
      öffentlich gesagt: "Ich bin homosexuell."

    • Das Zeichen für Homosexualität ist eine Regenbogenfahne.
      Viele haben sie deshalb an die Kleidung gesteckt.

    • Es gibt einen Verband, der sich für
      homosexuelle Paare einsetzt.
      Er heißt Lesben- und Schwulenverband
      in Deutschland. Oder kurz gesagt: LSVD.
      Der LSVD hat zum Beispiel Postkarten
      an den Bundestag geschrieben.
      Darauf stand: Homosexuelle sollen nicht diskriminiert werden.

    • In Zeitungen, Fernseh- oder Radiosendungen
      wurde viel über das Thema Ehe geschrieben oder gesprochen.
      Zum Beispiel sprach sich 1984 eine Redakteurin
      der Zeitschrift "Emma" für die "Ehe für alle" aus.

    • Viele Menschen haben mit ihren Freunden
      über Homosexualität gesprochen.
      Und sie haben über die "Ehe für alle" diskutiert.
      Manche sind dafür, manche aber auch dagegen.

    • Unterschiedliche Personen haben
      für die "Ehe für alle" demonstriert:
      Zum Beispiel auf dem Christopher Street Day

    • Manche demonstrieren auch gegen die "Ehe für alle".
      Im Internet sammeln manche zum Beispiel Unterschriften.
      Diese Menschen sagen:
      "Die Ehe soll weiterhin nur zwischen
      Mann und Frau möglich sein."

    • Manche Parteien haben in ihren Parteiprogrammen
      die "Ehe für alle" gefordert.
      Andere Parteien haben in ihren Parteiprogrammen
      gefordert, dass nur Mann und Frau heiraten sollen.

    • 2013 gab es einen ersten Gesetzentwurf zur "Ehe für alle".
    Es haben sich viele Personen eingesetzt.
    Dadurch änderte sich die Meinung Schritt für Schritt. Manche Menschen sind immer
    noch gegen die "Ehe für alle." 2017 wurde dann die "Ehe für alle" im Bundestag
    abgestimmt. Die meisten Abgeordneten stimmten dafür.
    So gibt es jetzt die "Ehe für alle".

    Was bedeutet …
    • Christopher Street Day?
      Der Christopher Street Day
      Ist ein Straßenumzug.
      Die größten deutschen Umzüge
      Sind in Köln und Berlin.

      Homosexuelle Paare
      demonstrieren für gleiche Rechte.
      Sie sagen: "Wir sind stolz, homosexuell zu sein."


    Liebe ist für alle daLiebe ist für alle da