Erde

Welternährungstag: Jeder Achte leidet an Hunger

11.10.2012
Zum diesjährigen Welternährungstag am 16. Oktober gibt es eine positive Meldung. Die Zahl der hungernden Menschen ist in den vergangenen Jahren leicht gesunken. Dennoch ist jeder achte Mensch chronisch unterernährt, warnt die UN-Welternährungsorganisation FAO in ihrem aktuellen Bericht.

Blick auf ein Feld in Kwemazandu (Korogwe), auf dem Reis, Mais und Mangold abgebaut werden. Unter Anleitung der Hilfsorganisation wurde dort ein Kanalsystem zur Bewässerung angelegt, damit die Ernte unabhängiger vom Regen wird. Foto: picture alliance/Kai-Uwe Wärner im Auftrag von World VisionNordkoreaner arbeiten auf einem Feld in der Nähe von Pjöngjang. Im Gegensatz zum Nachbarn Südkorea leiden die Menschen hier an Hunger. (© picture-alliance)

Weltweit leiden knapp 870 Millionen Menschen an Hunger. Ein überwiegender Teil der von Hunger betroffenen Menschen - 852 Millionen - lebt in Entwicklungsländern. Das sind durchschnittlich 15 Prozent der dortigen Bevölkerung. In entwickelten Ländern sind etwa 16 Millionen Menschen ohne ausreichende Ernährung. Das geht aus dem aktuellen Bericht der Ernährungsorganisation der UN (Food and Agriculture Organization, FAO) hervor, der jedes Jahr im Vorfeld des Welternährungstages veröffentlicht wird.

FAO: Situation noch immer inakzeptabel



Damit ist die Zahl der Hungernden in den vergangenen Jahren gesunken. 2010 lagen die Schätzungen der FAO bei 925 Millionen Hungernden, im Jahr zuvor vermeldete die Organisation gar über eine Milliarde Menschen. Auch auf lange Sicht sind die Zahlen rückläufig: Seit Anfang der 1990er Jahre sind 132 Millionen Menschen weniger von Hunger betroffen ? ein Rückgang um knapp sechs Prozent. Trotz der positiven Entwicklung mahnt FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva, dass noch immer mehr als 100 Millionen Kinder unter fünf Jahren untergewichtig sind. Das sei für die FAO inakzeptabel. Die Weltgemeinschaft habe das Wissen und die Fähigkeit, alle Formen von Nahrungsmittelknappheit und Unterernährung zu beseitigen, so da Silva.

Die größten Erfolge im Kampf gegen den Hunger wurden bis 2007 erzielt. Seither hat sich der positive Trend abgeschwächt. Grund sind insbesondere die globale Wirtschaftskrise sowie die gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel, so der Bericht. Anfang Oktober vermeldete die FAO, dass die Lebensmittelpreise erneut in die Höhe geklettert sind.

Infobox

Wie misst man Hunger?

Nach Definition der (FAO) leidet ein Mensch an Hunger, wenn die tägliche Energiezufuhr für einen längeren Zeitraum unter dem Bedarf liegt, der für einen gesunden Körper benötigt wird. Als Schwellenwert gibt die FAO 1.800 Kilokalorien täglich an. Als weiteren Faktor nennt die Organisation eine ausgewogene Ernährung, die eine ausreichende Vitamin- und Mineralstoffzufuhr ermöglicht.



Erfüllung des UN-Millennium-Entwicklungsziels wieder möglich



Der Rückgang der Zahl der Hungerleidenden ist allerdings auch einer neuen Berechnungsgrundlage der FAO geschuldet. Die UN-Organisation hatte die eigene Statistik und Methodik überprüft und daraufhin ihre Schätzungen nach unten korrigiert. Sollte sich diese Tendenz fortsetzen, scheint auch eines der UN-Millennium-Entwicklungsziele aus dem Jahr 2000 erstmals wieder in erreichbarer Nähe. Demnach soll die Zahl der Hungernden bis 2015 auf 11,6 Prozent reduziert werden. Aktuell liegt die Zahl bei 12,5 Prozent. Noch vor einem Jahr hatten UN-Organisationen bezweifelt, dass mit Blick auf die Wirtschafts- und Nahrungsmittelkrise dieses Ziel zu erreichen sei.

Weniger Hunger in Asien, mehr Hungernde in Afrika



Allerdings ist die Situation weltweit sehr unterschiedlich. So konnten in Asien in den vergangenen zwei Jahrzehnten große Fortschritte erzielt werden. Trotz eines Bevölkerungswachstums um 30 Prozent sank die Zahl der Hungernden von 739 auf 563 Millionen Menschen. Auch in Lateinamerika und im karibischen Raum sind weniger Menschen von Hunger betroffen als noch zu Beginn der 1990er Jahre.

Anders hingegen die Situation in Afrika, insbesondere südlich der Sahara. Der Kontinent ist die einzige Region, in der die Zahl der Hungernden kontinuierlich gestiegen ist: Allein in den vergangenen vier Jahren um 20 Millionen auf insgesamt 239 Millionen Menschen. Dies ist vor allem auf gestiegene Preise für Grundnahrungsmittel zurückzuführen.

Als Voraussetzung im Kampf gegen den Hunger nennt die FAO neben wirtschaftlichem Wachstum vor allem das Vorhandensein sozialer Sicherungssysteme und eine flächendeckende Gesundheitsversorgung, um arme Bevölkerungsschichten vor einem Leben in Armut zu bewahren.

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