Erde

50 Jahre Élysée-Vertrag

21.1.2013
Am 22. Januar 1963 unterzeichnen der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer im Pariser Élysée-Palast den Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit. Der Vertrag wird zu einem der bedeutendsten Schritte auf dem Weg zur Aussöhnung der früheren "Erbfeinde". Heute gelten Frankreich und Deutschland Vielen als die wichtigsten Partner in Europa.

German Chancellor Konrad Adenauer, left, hugs France President Charles de Gaulle, right, after signing the Elysee friendship treaty in the Elysee palace in Paris, France on Jan. 22, 1963. France and Germany kicked off celebrations Wednesday, Jan. 22, 2003 to mark the 40th anniversary of the treaty with a raft of events intended to inject new vitality into their relationship, which is pivotal in efforts to expand and integrate the European Union. (ddp images/AP Photo) --- Bundeskanzler Konrad Adenauer (li) und Staatspraesident Charles de Gaulle umarmen sich nach der Unterzeichnung des Deutsch-Franzoesischen Vertrages am 22. Januar 1963 im Salon Murat im Pariser Elysee-Palast. Rechts neben de Gaulle steht M. Christian Fouchet. (ddp images/AP Photo)Konrad Adenauer und Charles de Gaulle nach der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags am 22. Januar 1963 in Paris. (© AP)

Der Élysée-Vertrag



Der "Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik über die deutsch-französische Zusammenarbeit" ging als "Élysée-Vertrag" in die Geschichte ein und ist ein Meilenstein in der Entwicklung der deutsch-französischen Beziehung: Nur 18 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der von Deutschen begangenen Verbrechen, verpflichteten sich die einstigen Kriegsgegner zu Freundschaft und zu umfassender politischer Zusammenarbeit.

Drei Kernbereiche prägten das Papier: Die Vertragspartner schrieben einen verbindlichen Konsultationsmechanismus fest, wonach sich Regierungsvertreter beider Staaten in regelmäßigen Abständen treffen sollten - auf höchster Ebene zwischen Präsident und Kanzler wie auch auf der Ebene der Minister und leitender Ministerialbeamter. Zudem wurden Absprachen zur Außen-, Europa- und Verteidigungspolitik vereinbart und eine enge Zusammenarbeit in der Kultur- und Jugendpolitik beschlossen. Ein konkretes Resultat dieses Beschlusses war die Gründung des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) am 5. Juli 1963.

Von Beginn an stand die Begegnung von Deutschen und Franzosen im Fokus der Bemühungen: 180 akademische Austauschprogramme, ein deutsch-französischer Fernsehsender, 2.200 Städtepartnerschaften, eine gemeinsame Hochschule, bilinguale Kindergärten und über acht Millionen junge Deutsche und Franzosen, die an gemeinsamen Austauschprogrammen teilgenommen haben, belegen, dass das Ziel der engen Kooperation geglückt ist.

Der Élysée-Vertrag besiegelte die Partnerschaft zwischen zwei Ländern, die sich im Laufe der Geschichte wiederholt unerbittlich bekämpft hatten. Allein in den vergangenen 150 Jahren standen sich deutsche und französische Soldaten dreimal gegenüber: auf den deutsch-französischen Krieg 1870/71 folgte der Erste, auf den Ersten folgte der Zweite Weltkrieg. Immer handelte es sich dabei um Auseinandersetzungen, die die Vormachtstellung in Europa klären sollten. Deshalb markierte der Vertrag nicht nur einen tiefgreifenden Einschnitt in der bisherigen Beziehung beider Länder, die Annäherung trug auch dazu bei, dass aus den früheren "Erbfeinden" die wichtigsten Partner in Europa wurden und diese gemeinsam die Grundlagen eines dauerhaft friedlichen Europas gestalten.

Vorläufer und Entwicklung



Dem Vertrag gingen wichtige Schritte zur Annäherung voraus: Nach 1950 wurde kontinuierlich die Basis für eine Zusammenarbeit gelegt, wie etwa mit dem Schuman-Plan, der 1951 in die Gründung der Montanunion mündete. Auch gehörten beide Länder 1957 zu den Gründungsmitgliedern der EWG, der Wirtschaftsgemeinschaft, aus der 1992 die EU hervorging.

Nicht zuletzt entsprang der Élysée-Vertrag dem gemeinsamen Willen und dem persönlichen Engagement von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle. Beide hatten die Schrecken des Krieges ganz persönlich miterlebt und waren der Überzeugung, dass eine Aussöhnung ihrer Länder die notwendige Bedingung für nachhaltigen Frieden in Europa darstellte.

1988 erweiterten Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Präsident François Mitterrand den Élysée-Vertrag um Zusatzprotokolle. Diese sorgten u.a. für die Gründung eines gemeinsamen Finanz- und Wirtschaftsrats, eines Umwelt- und Kulturrats sowie eines Verteidigungs- und Sicherheitsrats, aus dem 1993 das Eurokorps hervorging.

Zum 40-jährigen Jubiläum der Unterzeichnung des Vertrags fand 2003 das erste Treffen des "Deutsch-Französischen Ministerrates" statt. Zudem wurde eine erste gemeinsame Sitzung der Assemblée nationale und des Deutschen Bundestags in Versailles abgehalten.

Deutsch-Französisches Jahr



Der Élysée-Vertrag hat die politische, rechtliche und symbolische Grundlage für eine herausragende Kooperation zwischen zwei Staaten gelegt und zu einem intensiven bilateralen Austausch geführt. So gelten die Neuordnung der deutsch-französischen Beziehungen und die Versöhnung der beiden Länder durch den Élysée-Vertrag heute als Voraussetzung für die politische Einigung Europas. In diesem Sinne betonte auch das norwegische Nobelkomitee in seiner Begründung für die Verleihung des Preises an die Europäische Union, die deutsch-französische Aussöhnung nachdrücklich.

Um das 50. Jubiläum des Élysée-Vertrags zu feiern, haben Paris und Berlin ein Deutsch-Französisches Jahr ausgerufen: Von September 2012 bis Juli 2013 finden zahlreiche Veranstaltungen statt - sowohl auf staatlicher als auch auf zivilgesellschaftlicher Ebene.

Gemeinsame Erinnerung im Bundestag



Am Dienstag (22. Januar 2013) jährt sich die Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages zum 50. Mal. Anlässlich des Jubiläums werden die 577 Abgeordneten der französischen Nationalversammlung - die Assemblée nationale - und die 620 Abgeordneten des Deutschen Bundestags sowie die Regierungen beider Staaten im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes gemeinsam an das Ereignis erinnern. Im Anschluss soll eine gemeinsame Erklärung beider Parlamente verabschiedet werden.

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