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PISA-Studie: Deutsche Schüler über dem Durchschnitt

3.12.2013
Die OECD hat am Dienstag (3. Dezember) die Ergebnisse der neuen PISA-Studie veröffentlicht. Im internationalen Vergleich der Bildungssysteme liegt Deutschland weiterhin im oberen Mittelfeld. An der Spitze stehen wie schon 2009 vor allem Länder aus Südostasien.

Fünftklässler beim Unterricht in einer Schule in Karlsruhe.Deutsche Schülerinnen und Schüler haben sich im internationalen Vergleich verbessert. Trotzdem ist der Lernerfolg in Deutschland immer noch stark von sozioökonomischen Faktoren abhängig. (© picture-alliance/dpa)

Laut der aktuellen PISA-Studie haben sich deutsche Schülerinnen und Schüler im Vergleich zur letzten PISA-Studie 2009 in allen drei untersuchten Lernbereichen verbessert: Sowohl in den Bereichen Lesekompetenz (508 Punkte), Mathematik (514) und Naturwissenschaften (524) liegt Deutschland damit im internationalen Vergleich im oberen Mittelfeld (siehe Grafik).

PISA-Ergebnisse 2012 (© picture-alliance/ dpa-Grafik )
Asiatische Länder haben bei der neusten PISA-Studie insgesamt am besten abgeschnitten. Schüler aus Schanghai und Hongkong (beide China) sowie Singapur liegen in allen drei Bereichen an der Spitze. Unter den europäischen Ländern schnitten Liechtenstein, die Schweiz und die Niederlande besonders gut ab.

Seit dem Jahr 2000 führt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development, OECD) die PISA-Studie alle drei Jahre durch. PISA steht für das Programme for International Student Assessment. Im Jahr 2012, dem aktuellen Testjahr, wurden in 65 Staaten weltweit über 500.000 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 15 und 16 Jahren auf ihre schulischen und Lernfähigkeiten hin überprüft. Aus Deutschland haben 5.001 Jugendliche an etwa 230 Schulen teilgenommen.

Schwerpunkt Mathematik



Schwerpunkt der aktuellen Studie war Mathematik. In diesem Bereich liegt Deutschland 20 Punkte über dem internationalen Durchschnitt. Nach Angaben der OECD entspricht dies einem Lernfortschritt von rund einem halben Schuljahr. Deutschland konnte hier im Vergleich zu 2009 um einen Punkt zulegen, zwischen 2006 und 2009 hatte es sich noch um neun Punkte verbessert (von 504 auf 513 Punkte). Auch die Zahl der leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler, die nur einfache Mathematik-Aufgaben bewältigen können, ist gesunken. Trotzdem liegt ihr Anteil 2012 noch bei rund 18 Prozent.



Bildungsgerechtigkeit und Geschlechterunterschiede



Auffällig ist das unterschiedliche Abschneiden von Jungen und Mädchen: In 37 von 65 Staaten, darunter Deutschland, schnitten die getesteten Schüler im Bereich Mathematik besser ab als die Schülerinnen. In Deutschland ist der Unterschied jedoch größer als im OECD-Durchschnitt (14 zu 11 Punkten). Bei der Lesekompetenz schnitten dagegen die Mädchen besser ab als die Jungen. Auch hier war der Unterschied in Deutschland größer als im internationalen Vergleich (44 zu 38 Punkte). In den Naturwissenschaften konnte die Studie keinen Leistungsunterschied feststellen.

Entwicklung der Pisa-Ergebnisse Deutschlands seit 2000Entwicklung der Pisa-Ergebnisse Deutschlands seit 2000 (© picture-alliance/ dpa-Grafik )
Auch die soziale Herkunft spielt nach wie vor eine große Rolle: So schnitten Schülerinnen und Schüler aus wohlhabenderen Familien in Mathematik deutlich besser ab als ihre Klassenkameraden aus ärmeren Familien (43 Punkte Differenz). Das entspricht laut OECD einem Lernvorsprung von fast eineinhalb Schuljahren. Zwar hat Deutschland seine Ergebnisse in diesem Bereich verbessert, liegt jedoch immer noch im internationalen Vergleich zurück (OECD-Durchschnitt: 38 Punkte). Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund: Auch dort hat sich der Leistungsabstand im Bereich Mathematik zu Schülern ohne Migrationshintergrund verringert, beträgt aber immer noch fast zwei Schuljahre (54 Punkte).

Ergebnisse der ersten Studie: Der "PISA-Schock"



Bei der ersten PISA-Studie im Jahr 2000 hatten deutsche Schülerinnen und Schüler unterdurchschnittlich abgeschlossen. Bereits damals hatten die PISA-Tester einen engen Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und Defiziten bei der Chancengleichheit in Deutschland festgestellt: Kinder aus sozial schlechter gestellten Familien lagen deutlich unter den Ergebnissen ihrer besser gestellten Mitschüler.

Das unterdurchschnittliche Abschneiden bei der ersten PISA-Studie stieß in Deutschland eine Diskussion über die Qualität des deutschen Bildungssystems an. Der sogenannte "PISA-Schock" führte zu mehreren Schulreformen, mit denen unter anderem die Bildungsstandards in den Bundesländern vereinheitlicht werden sollten.

Wie funktioniert das Testsystem?

Nicht hauptsächlich erlerntes Wissen wird bei den PISA-Tests abgefragt, sondern die Fähigkeiten der Schüler, Probleme zu lösen, werden auf die Probe gestellt. Die Aufgaben beziehen sich auf reale Lebenssituationen und sollen überprüfen, inwiefern die Schüler ihr Wissen anwenden können. Schulen und Schüler werden zufällig bestimmt. Der Test ist etwa zwei Stunden lang und besteht sowohl aus Multiple-Choice-Fragen wie auch aus Aufgaben, deren Antworten die Schüler selbst formulieren müssen.

Mithilfe eines Hintergrund-Fragebogens werden auch der familiäre Hintergrund und die Lerngewohnheiten der getesteten Schüler erfasst. Die Forscher möchten so den Zusammenhang zwischen Fähigkeiten und sozialer Herkunft ermitteln. 15- bis 16-Jährige sind die TestkandidatInnen, weil mit 15 Jahren in fast allen Ländern das Ende der Pflichtschulzeit erreicht ist.

Die Macher der PISA-Studie wollen mit ihren Untersuchungen Erkenntnisse für die Bildungspolitik und –praxis in den teilnehmenden Ländern liefern. Stärken und Schwächen nationaler Bildungssysteme sollen ermittelt werden.



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