Erde

Präsidentschaftswahlen in Brasilien

27.10.2014
Die Wähler des fünftgrößten Landes der Erde haben entschieden: Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei (PT) bleibt Präsidentin Brasiliens. Sie gewann die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen am 26. Oktober gegen Aécio Neves von der konservativen PSDB.

Brasilien, Brasilia: Frontansicht des Präsidentenpalastes Palacio da Alvorada mit den Skulpturen "As Laras" davorBrasilien, Brasilia: Frontansicht des Präsidentenpalastes Palacio da Alvorada mit den Skulpturen "As Laras" davor (© picture-alliance)

Für die amtierende Präsidentin Dilma Rousseff stimmten bei der Stichwahl am Sonntag (26. Oktober) nach Angaben der Wahlbehörde 54,5 Millionen Brasilianer. Herausforderer Aécio Neves konnte etwas mehr als 51 Millionen Stimmen auf sich vereinen. Rousseff setzte sich also mit 51,6 Prozent der Stimmen knapp gegen Neves (48,4 Prozent) durch.

Harter Wahlkampf



Die zweite Runde war nötig geworden, weil in der ersten Runde am 5. Oktober keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrhheit erringen konnte. Rousseff war dabei auf rund 42 Prozent der Stimmen gekommen, Neves auf knapp 34 Prozent. Überraschend nur die drittmeisten Stimmen hatte Marina Silva von der Sozialistischen Partei Brasiliens (PSB) erhalten; mit ihr hätte erstmalig eine Nachfahrin schwarzer Sklaven Präsidentin von Brasilien werden können. Silva hatte bei den Präsidentschaftswahlen 2010 für die Grünen 19 Prozent der Stimmen geholt. Gewonnen hatte damals Dilma Rousseff, die so erstmals Präsidentin und Nachfolgerin Lula da Silvas geworden war.

In den Wochen vor der diesjährigen Stichwahl am 26. Oktober lieferten sich Rousseff und Herausforderer Neves einen harten Wahlkampf. Inhaltlich setzte Rousseff auf eine Fortsetzung der erfolgreichen Sozialprogramme zugunsten der armen Bevölkerung, der Ökonom Neves warb unter anderem für einen geringeren Einfluss des Staates auf die Wirtschaft. Neves erkannte nach Verkündung der Ergebnisse seine Niederlage an und wünschte Rousseff eine erfolgreiche Fortsetzung ihrer Präsidentschaft.

Wahlpflicht für 18- bis 70-Jährige



Die Brasilianerinnen und Brasilianer wählen alle vier Jahre ihr Staatsoberhaupt; erreicht kein Kandidat die absolute Mehrheit, gibt es eine Stichwahl. Den Präsidenten oder die Präsidentin wählen können alle ab 16 Jahren, für 18- bis 70-Jährige besteht sogar eine Wahlpflicht. Wer dieser wiederholt nicht nachkommt, muss mit Sanktionen rechnen. Knapp 143 Millionen Brasilianer waren bei den diesjährigen Abstimmungen wahlberechtigt, davon 1,6 Millionen Jungwähler unter 18 Jahren.

Viele Brasilianer protestieren



Im vergangenen Jahrzehnt hat sich Brasilien stark verändert. Im Januar 2003 wurde Lula da Silva als Präsident vereidigt. Seit dieser Zeit ist Brasiliens Wirtschaft gewachsen, die Investitionen sind gestiegen und die Armut wurde zurückgedrängt. Für die Fortsetzung dieser Politik steht Nachfolgerin Rousseff. Sie sieht sich aber nun damit konfrontiert, dass Brasilien in eine Rezession gerutscht ist und an einer hohen Inflation leidet. Die sozialen Unterschiede im Land sind nach wie vor enorm.

Im Juni 2013 erlebte Brasilien die größten Massenproteste der vergangenen Jahrzehnte. Brasilien war Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer. Viele Brasilianer stellten den Mehrwert der WM und von Olympia 2016 in Frage. Die sozialen Bewegungen protestieren gegen die Regierung: Sie prangern besonders die politische Korruption und Defizite im Bildungs- und Gesundheitswesen an.

Mehr zum Thema:




 

Dossier

Dossier Brasilien

Das südamerikanische Land ist 2014 die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Veränderungen sind überall spürbar: in Politik, Gesellschaft und Kultur, in der Stadt und auf dem Land. Ein Blick auf die aufsteigende Großmacht Brasilien, die mit der Fußball-WM 2014 im Fokus der Weltöffentlichkeit steht. Weiter... 

Coverbild Brasilien, Sport und Politik

Im Praxistest: Falter/Aktuell: Brasilien, Sport und Politik

"Bald rollt der Ball in Brasilien" - so steht es in einer Tageszeitung. Brasilien aber ist mehr als Fußball bzw. Sport, obwohl 2014 dort die Fußball-WM bzw. 2016 die Olympischen Spiele stattfinden. In den letzten Wochen und Monaten sind unterschiedliche Arbeitshilfen zu dem Thema erschienen, oft herausgegeben von den Hilfswerken der beiden großen christlichen Kirchen, aber auch von verschiedenen NGO’s. Weiter... 

Sao Paulo: Blick in die StadtSão Paulo - Dossier Megastädte

São Paulo

Mehr als 18 Millionen "Paulistanos" leben in São Paulo, dem größten Ballungsraum auf der Südhalbkugel. Die Stadt ist nicht nur Brasiliens wirtschaftliches Zentrum. Mit fast 1.000 Betrieben ist São Paulo auch der größte deutsche Industriestandort außerhalb der Bundesrepublik. Weiter...