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Erde

Vor 25 Jahren: Ermordung von Alfred Herrhausen

27.11.2014
Am 30. November 1989 wurde Alfred Herrhausen, der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, bei einem Bombenattentat ermordet. Zu der Tat bekannte sich die RAF. Bis heute sind die Täter nicht ermittelt.

Polizeibeamte stehen am Wrack der Herrhausen-Limousine in Bad Homburg. Bei dem Bombenattentat wurde der Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG, Alfred Herrhausen, getötet. Er befand sich auf dem Weg von seinem Haus in sein Frankfurter Büro, als eine Bombe explodierte.Polizeibeamte stehen am Wrack der Herrhausen-Limousine in Bad Homburg. Bei dem Attentat wurde der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, getötet. (© picture-alliance/dpa)

Der Bankmanager Alfred Herrhausen wurde am 30. November 1989 in seinem gepanzerten Dienstwagen in Bad Homburg vor der Höhe getötet, als ein Sprengsatz das Auto zerstörte. Die Täter hatten den sieben Kilogramm schweren Sprengsatz auf dem Gepäckträger eines Fahrrads am Straßenrand abgestellt. Er wurde laut Ermittlungen durch eine Lichtschranke gezündet, als die gepanzerte Limousine des Vorstandsprechers die Straße passierte. Herrhausen verblutete im Wagen. Sein Fahrer wurde bei dem Attentat schwer verletzt.


Täter nicht gefasst





Bis heute sind die Täter nicht gefasst. Die Ermittler fanden ein Blatt Papier mit dem Emblem der Rote Armee Fraktion (RAF) sowie den drei Worten: "Kommando Wolfgang Beer". Der mutmaßliche RAF-Terrorist Beer war 1980 bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Am 4. Dezember 1989 wurde Nachrichtenagenturen ein ausführlicheres Bekennerschreiben zugeschickt. Im Juli 1991 legte ein ehemaliger Informant des hessischen Verfassungsschutzes ein Geständnis seiner Beteiligung an dem Attentat ab, widerrief dieses aber später.



Bis heute gibt es um das Attentat verschiedene Verschwörungstheorien. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen nicht eingestellt. Eine konkrete Verdachtsperson gebe es momentan nicht, erklärte die Bundesanwaltschaft auf eine aktuelle Anfrage.

Diskussion um Schuldenerlass





Alfred Herrhausen galt als einer der einflussreichsten Manager der Bundesrepublik und zugleich als eine der gefährdetsten Personen des Landes. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er Betriebs- und Volkswirtschaftslehre und promovierte. Er kam über die Energiebranche zur Deutschen Bank. 1985 wurde er einer von zwei Vorstandsprechern der Deutschen Bank, ab 1988 führte er das Haus alleine. 



Einer breiten Öffentlichkeit wurde Herrhausen in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre bekannt, als er vorschlug, armen Ländern teilweise ihre Schulden zu erlassen. Die Schuldenkrise der Entwicklungsländer bedrohe den Frieden und die ökonomische Wohlfahrt der gesamten Menschheit, sagte Herrhausen. In der Finanzbranche stießen die Vorschläge auf heftige Kritik.

Die dritte Generation der RAF





Herrhausen war eines von insgesamt 34 Opfern, zu deren Ermordung sich die RAF in den Jahren 1971 bis 1993 bekannte oder die ihr zugeschrieben werden. Sein Tod fällt in die Wirkungsphase der sogenannten dritten Generation der RAF, die zu Beginn der 1980er-Jahre verstärkt auf die internationale Zusammenarbeit mit ausländischen Gruppen setzte. So ermordeten Mitglieder der RAF 1985 in mit der französischen Untergrundorganisation Action Directe (AD) abgestimmten Aktionen den französischen General René Audran und den deutschen Industriellen Ernst Zimmermann. Auch der Anschlag auf die US-Airbase in Frankfurt im August 1985, bei dem zwei Menschen starben und mehr als 20 verletzt wurden, geht auf das Konto von RAF und AD. Das letzte prominente Opfer der RAF war im Jahr 1991 Detlev Karsten Rohwedder, der Vorstandsvorsitzende der Treuhandanstalt.


Die Rote Armee Fraktion (RAF)

Die Mitglieder der Rote Armee Fraktion (RAF) versuchten, durch gezielte terroristische Anschläge die politische und soziale Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland gewaltsam zu verändern.

Mit der "Offensive '77" erreicht der Terror der RAF im Jahr 1977 seinen Höhepunkt: im April verübt die RAF einen Mordanschlag auf den Generalbundesanwalt Siegfried Buback. Bei einem misslungenen Entführungsversuch im Juli erschießen die Terroristen Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und Anfang September entführen RAF-Mitglieder den Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer. Die Geschehnisse während der 44 Tage andauernden Geiselnahme Schleyers, die mit dessen Ermordung endet, werden als der "Deutsche Herbst" zur größten innenpolitischen Herausforderung in der Geschichte der alten Bundesrepublik. 


Der Politikwissenschaftler Christopher Daase unterscheidet drei Phasen, in denen die RAF agierte. Die erste Generation der RAF wird zwischen 1970 und 1975 rund um die Hauptfiguren Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin datiert. Beim Prozess von Stammheim muss sich die erste Generation für ihre Verbrechen während der "Mai-Offensive" verantworten. 
Die zweite Generation (1975-1981) brachte eine neue Qualität des Terrorismus nach Deutschland. Die Ermordung "Unbeteiligter" nahm sie billigend in Kauf. Sie wird verantwortlich gemacht für eine Reihe von radikalen Aktionen, die ihren Höhepunkt im sogenannten Deutschen Herbst 1977 fanden. 
Die dritte RAF-Generation (1982-1998) ist laut Daase durch eine Internationalisierung ihrer Aktionen charakterisiert.


1998 gab die RAF ihre Selbstauflösung bekannt. 





Im Jahr 1998 gab die RAF ihre Selbstauflösung bekannt: Sie schrieb, dass die "Stadtguerilla in Form der RAF [...] nun Geschichte" sei.


Kritische Aufarbeitung des Attentats 





Die bis heute ausstehende Aufklärung des Attentats auf Herrhausen, aber auch das umstrittene Vorgehen der Ermittlungsbehörden, führten zu Kritik. Auch Filmemacher griffen das Thema auf, so etwa der preisgekrönte Spielfilm "Das Phantom" und "Black Box BRD". In "Das Phantom" wird ein verschwörungstheoretisches Szenario entworfen, demzufolge Terroranschläge von 1985 bis 1991 nicht von der RAF, sondern von Geheimdiensten begangen wurden.



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