Erde

Welt-Aids-Tag 2014

1.12.2014
35 Millionen Menschen weltweit leben mit HIV. In 16 Jahren wollen die Vereinten Nationen die Verbreitung des Virus gestoppt haben. Doch dafür muss der Kampf gegen Aids ausgeweitet werden.

NGO-Aktivisten halten rote Schleifen hoch – das weltweite Symbol für die Solidarität mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken.Im Rahmen einer Aufklärungskampagne in Bangalore, Indien, halten NGO-Aktivisten rote Schleifen hoch – das weltweite Symbol für die Solidarität mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken. Die Aufnahme stammt vom Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember 2013. (© picture-alliance/AP)

Das Jahr 2030 ist die große Zielmarke: Bis dahin ließe sich die Ausbreitung der Aids-Epidemie weltweit beenden – das hat UNAIDS, das "Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen zu HIV/AIDS", im Vorfeld des diesjährigen Welt-Aids-Tages am 1. Dezember erklärt. Dazu aber müssten die 28 Millionen neuen HIV-Infektionen, die die UN bis zum Jahr 2030 erwartete, verhindert werden, heißt es im Mitte November veröffentlichten »UNAIDS-Bericht«. Um dies zu erreichen, müsse die Staatengemeinschaft ihre Aufklärungsarbeit und die Behandlung Infizierter schnell ausweiten. Andernfalls drohten die Fortschritte im Kampf gegen Aids zu verpuffen und die Epidemie könne sich wieder ausweiten.

Das Humane Immunschwächevirus (HIV)Das Humane Immunschwächevirus (HIV) (© picture-alliance/dpa-infografik )
Die von UNAIDS für 2030 ausgerufenen Ziele sind ambitioniert: Bis 2020 sollen 90 Prozent aller HIV-positiven Menschen von ihrer Infektion wissen, 90 Prozent davon in Behandlung sein und wiederum 90 Prozent der Behandelten einen stabilen Zustand erreicht haben. Die Zahl der weltweiten Neuinfektionen soll so bis 2020 auf 500.000 sinken.

2,1 Millionen Neuansteckungen



2013 steckten sich weltweit etwa 2,1 Millionen Menschen neu mit HIV an. 2001 betrug die Zahl der Neuansteckungen noch 3,4 Millionen; allein in den letzten drei Jahren hat sie sich um 13 Prozent verringert. 2013 lebten weltweit rund 35 Millionen Menschen mit dem Aidserreger HIV, etwas weniger als die Hälfte davon sind sich dessen bewusst, schätzt UNAIDS in seinem ebenfalls in diesem Jahr veröffentlichten »Bericht "The Gap Report"«.

Weil immer mehr HIV-positive Menschen mit Medikamenten behandelt werden, die die Ausbreitung des Virus verlangsamen (sogenannte antiretrovirale Therapien), nimmt die Zahl der an den Folgen von Aids gestorbenen Menschen ab. 2005 starben noch 2,3 Millionen Menschen an der Immunschwächekrankheit, im vergangenen Jahr waren es 1,5 Millionen.

1981 diagnostizierte ein Arzt erstmals die Immunschwächekrankheit Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome). Hauptsächlich wird der Erreger durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, verunreinigte Injektionsnadeln und verseuchte Blutkonserven übertragen. Zudem stecken häufig HIV-positive Schwangere ihre Kinder an. Eine Schutzimpfung gibt es nicht. Seit dem Ausbruch der Epidemie vor mehr als drei Jahrzehnten haben sich etwa 78 Millionen Menschen mit HIV infiziert; 39 Millionen Menschen sind gestorben, davon 28.000 in Deutschland.

HIV in Deutschland

In Deutschland lebten »nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts« Ende 2013 insgesamt 80.000 Menschen mit einer HIV-Infektion, davon 65.000 Männer. Dank der modernen Therapien steigt die Lebenserwartung der Betroffenen. 550 Menschen starben 2013 an Aids, seit Beginn der Epidemie sind 28.000 Todesfälle in Deutschland zu verzeichnen.

Die hohe Zahl der Neuinfektionen in Deutschland Mitte der 1980er Jahre ging bis Ende der 1990er Jahre stetig zurück, »stieg seit 2000 aber wieder leicht an und stagniert seitdem mit geringen Schwankungen«. Insgesamt infizierten sich 2013 in Deutschland etwa 3.200 Menschen mit HIV. 75 Prozent davon waren Männer, die sich beim Geschlechtsverkehr mit Männern ansteckten, 17 Prozent steckten sich bei heterosexuellem Sex an (Männer und Frauen), neun Prozent infizierten sich beim intravenösen Drogenkonsum.


Mehr Neuinfektionen in Russland und der Ukraine



In den Ländern südlich der Sahara, wo fast 71 Prozent aller HIV-positiven Menschen leben, betrug die Zahl der Neuinfektionen im vergangenen Jahr 1,5 Millionen und ist damit seit 2005 um ein Drittel gesunken.

In einigen Regionen ist eine steigende Zahl von Neuinfektionen zu beobachten, insbesondere in Osteuropa und Zentralasien. Die etwa in Russland und der Ukraine gängige Kriminalisierung von Drogennutzern, Homosexuellen und Sexarbeiterinnen wirke kontraproduktiv, warnt UNAIDS in ihrem Gap-Bericht – gerade diese HIV-Risikogruppen bräuchten Zugang zu Informationen und Unterstützungsleistungen. Während die Zahl der an den Folgen von Aids verstorbenen Menschen in Russland 2013 weiter anstieg, ging sie in der Ukraine leicht zurück.

Lebenserwartung steigt



Laut UNAIDS ist die Lebenserwartung von HIV-Infizierten insgesamt gestiegen. Die Zahl der Aids-Todesfälle ging vor allem dank medizinischer Versorgung seit 2005 um 35 Prozent zurück. Weltweit leben laut UN-Schätzungen etwa 4,2 Millionen Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, mit dem Virus – mehr als fünf Millionen sind dagegen Kinder und Jugendliche. Heute erhalten 38 Prozent aller HIV-positiven Erwachsenen und 24 Prozent der HIV-positiven Kinder antiretrovirale Therapien. Die Kombination verschiedener Medikamente dämmt dabei die Bildung neuer HI-Viren ein und lässt so die Erholung des Immunsystems zu. Diejenigen, die von ihrer Infektion wissen, können bei bestmöglicher Versorgung lange leben, ohne dass eine AIDS-Erkrankung ausbricht.

Datengrundlage: HIV-Zahlen sind Schätzungen

Genaue Zahlen der Menschen, die mit HIV leben, sich damit neu infiziert haben oder daran gestorben sind, lassen sich nicht erheben. Die Zahlen, die UNAIDS und auch das Robert Koch-Institut zu Aids und HIV veröffentlichen, beruhen deshalb auf modellierten Schätzungen. Wie UNAIDS zu seinen Schätzungen kommt, »erklärt die Organisation hier«.

Das Robert Koch-Institut ermittelt seine Schätzungen für Deutschland u.a. auf der Grundlage von Diagnose- und Meldestatistiken von HIV-Infektionen, der Gesundheitsberichterstattung des Bundes zu Todesursachen und Daten zur Verschreibung antiretroviraler Medikamente. Der Verlauf der HIV-Epidemie wird auf Grundlage aktueller Daten bis zum Beginn der Epidemie in den frühen 1980er Jahre zurückgerechnet. »Laut Robert Koch-Institut kann das problematisch sein«:

"Ein erheblicher Teil der neu infizierten Personen wird erst mit einer Verzögerung von einigen Jahren diagnostiziert werden, so dass die Schätzung der in den letzten Jahren erfolgten Neuinfektionen auf einer unvollständigen Datenbasis bereits erfolgter Diagnosen beruht. Daher ist die Modellierung der Trends in der Gegenwart mit einer erhöhten Unsicherheit behaftet [...]. Insbesondere können gegenwärtige Trends über- oder unterschätzt werden." (S. 437)


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