Erde

Der Streit um das Fracking

19.12.2014
Fracking, die unkonventionelle Förderung von Erdgas und Erdöl, ist umstritten. Während Kritiker Schäden für die Umwelt fürchten, argumentieren Befürworter, dadurch ließe sich die Energieversorgung sichern.

Erdölförderung mittels Fracking in Colorado, USAErdölförderung mittels Fracking in Colorado, USA (© picture-alliance/AP)

Fracking ist die Kurzform des englischsprachigen Ausdrucks "Hydraulic Fracturing" (deutsch: hydrauliches Aufbrechen) zur Erdgas- und Erdölförderung aus Gesteinen. Liegen Gas und Öl in durchlässigen Sandsteinschichten unter der Erde, können sie auf konventionellem Wege vergleichsweise einfach gefördert werden. Dazu wird eine vertikale Leitung zu den Rohstoffquellen gebohrt, durch die Öl oder Gas an die Erdoberfläche fließen kann. Strömen die Rohstoffe aber nicht von sich aus in die Bohrung, müssen - wie beim Fracking - technische Maßnahmen nachhelfen. Damit sollen beispielsweise jene Gas- und Ölvorkommen gewonnen werden, die in Schiefergestein oder Kohleflözen eingeschlossen sind.

Auch für das Fracking wird zunächst vertikal in den Boden gebohrt, diese Bohrung wird dann aber horizontal abgelenkt. Durch die horizontal in der Erde liegenden Rohre wird mit hohem Druck ein Gemisch aus Wasser, Quarzsand und Chemikalien in den Boden gepresst. Dieses Gemisch dient dazu, Risse in Schiefer oder Kohleflöz zu erzeugen oder zu erweitern. Durch sie kann das eingeschlossene Gas oder Öl abfließen und an die Erdoberfläche geleitet werden. Die Chemikalien halten einerseits die Risse im Gestein offen und binden andererseits das Gas respektive das Öl.

Diskussion über mögliche Umweltschäden



Umstritten ist, inwieweit die Umwelt durch Fracking geschädigt wird bzw. geschädigt werden könnte. Befürworter der Technik, darunter Energieunternehmen, die die Technik zur Gewinnung von Erdgas und Erdöl nutzen wollen, argumentieren, die Risiken seien beherrschbar und die Technik hilfreich, um eine sichere und bezahlbare Energieversorgung für Industrie und Privathaushalte zu gewährleisten. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe weist darauf hin, dass Fracking in Deutschland bereits seit den 1960er Jahren angewendet wird. Dabei sei es weder zu einer Verunreinigung des Grundwassers gekommen, noch hätten diese Eingriffe Erdbeben ausgelöst. Als ein Argument für Fracking wird genannt, dass sich so Gas gewinnen lasse, das als Energieträger letztlich weniger klimaschädlich sei als Kohle und Öl. Fracking könne also zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen beitragen.

Kritiker befürchten, dass eine Anwendung der Fracking-Technik in Deutschland Umweltschäden nach sich ziehen würde. Sie argumentieren unter anderem, die Verunreinigung des Grundwassers mit den in den Boden gepressten Chemikalien sei nicht auszuschließen. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass das hierzulande förderbare Schiefergasvolumen geringer als in den USA sei: "Das technisch förderbare Schiefergasvolumen ist im Vergleich zu den USA deutlich begrenzt, so dass - insbesondere kurz- und mittelfristig - nicht davon auszugehen ist, dass auf Basis dieser Kapazitäten eine verstärkte Nutzung von Gas und eine Verdrängung anderer fossiler Energieträger erfolgen würde, so wie es in den USA der Fall ist."

Deshalb könnten durch Fracking die Treibhausgasemissionen kurz- und mittelfristig nicht entscheidend gesenkt werden. Eine solche Wende ist aber nötig, um den globalen Temperaturanstieg niedrig und so die Folgen des Klimawandels einigermaßen kontrollierbar zu halten. Dafür seien vielmehr Investitionen in Energieeffizienz und in den Ausbau erneuerbarer Energien sinnvoll.

Fracking in den USA



Weltweit führend beim Fracking sind derzeit die USA, die als einziges Land weltweit Schiefergas in großem Stil fördern. Durch die "Schiefergaswende" wurde die Produktion massiv ausgebaut - die USA könnten sogar zum Nettoexporteur von Erdgas werden.

Die Situation in Deutschland



In Deutschland ist das Fracking bislang nicht gesondert geregelt. Umweltministerium und Wirtschaftsministerium haben im November ein Gesetzespaket vorgelegt. Demnach soll kommerzielles Fracking von Erdgas aus Schiefergestein und Kohleflözen oberhalb von 3.000 Metern verboten werden. Erlaubt sein sollen in diesem Bereich lediglich »wissenschaftlich begleitete Erprobungsmaßnahmen«.

Die Situation ändert sich 2019: Nach 2018 können Genehmigungen erteilt werden, wenn Erprobungen erfolgreich waren und eine unabhängige Expertenkommission zugestimmt hat. Sie könnte eine Erlaubnis aussprechen, wenn sie eine beantragte Bohrung für unbedenklich für die Umwelt hält. Zusätzlich ist die Zustimmung der verantwortlichen Behörden der Länder notwendig. Die Oppositionsfraktionen Linke und Bündnis 90/Die Grünen fordern ein ausnahmsloses Fracking-Verbot und kritisieren, die Regierungspläne kämen einem "Erlaubnisgesetz" gleich.

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