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Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

26.1.2015
Vor 70 Jahren befreiten sowjetische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz. Hier ermordeten die Nazis zwischen 1940 und 1945 mehr als eine Million Menschen. Seit 1996 gedenkt Deutschland am 27. Januar offiziell der Opfer des Nationalsozialismus.

Die Todesrampe im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.Die Todesrampe im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. (© picture alliance / Bernd Oertwig/ SCHROEWIG)

Am 27. Januar vor 70 Jahren befreiten sowjetische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz im besetzten Polen. Im Hauptlager in Auschwitz, das auf einem ehemaligen Barackengelände der polnischen Armee errichtet wurde, belief sich die Zahl der Insassen zeitweise auf mehr als 20.000. Dazu kamen mehr als 90.000 Häftlinge, die in dem noch größeren Lager im drei Kilometer entfernten Birkenau (Brzezinka) untergebracht waren. Auf dem später auch Auschwitz II genannten Gelände ließ Hitlers Schutzstaffel (SS) Anfang 1942 die ersten Gaskammern errichten. In Auschwitz wurden insgesamt schätzungsweise mehr als eine Million Menschen umgebracht.

Die Generation der Opfer - wie auch der Täter - stirbt aus und mit ihr die persönlichen Bezüge zu diesem Abschnitt der deutschen Geschichte. An jedem Jahrestag der Auschwitz-Befreiung gibt es weniger Überlebende, die ihre Erfahrungen weitergeben können. Daher fordert die UN-Resolution zum Holocaust-Gedenktag von 2005 Staaten weltweit auf, Erziehungsprogramme zu entwickeln, damit die Erinnerung lebendig gehalten wird und sich Auschwitz nicht wiederholt.

Erinnerung und Wachsamkeit



Im Januar 1996 richtete sich der damalige Bundespräsident Roman Herzog mit einem klaren Appell an die Deutschen: "Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen." Mit diesen Worten erklärte Herzog den 27. Januar zum zentralen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. 2005 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen, den Tag international zum Holocaust-Gedenktag zu machen.

Auschwitz – Ort und Symbol der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Der Name der südpolnischen Stadt steht für den millionenfachen Mord an Juden, Sinti und Roma und Menschen, die nach der NS-Rassenideologie nicht zur „Volksgemeinschaft“ gehörten. Der Bombay Flying Club hat dazu eine Webdocumentary für die bpb umgesetzt. Grundlage sind Fotos von Martin Blume. (© 2015 Bundeszentrale für politische Bildung)

In zahlreichen Städten wird mit Gedenkveranstaltungen an die Millionen Menschen erinnert, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt und ermordet wurden. Wie jedes Jahr wehen die Flaggen öffentlicher Gebäude in Deutschland auf Halbmast.

Gedenken im Bundestag



Im deutschen Bundestag wird Bundespräsident Joachim Gauck die Hauptrede der Gedenkfeierlichkeiten halten, die am Morgen des 27. Januar beginnen. Unten den Zuhörern vor Ort werden 80 Jugendliche aus Deutschland, Polen, Frankreich und weiteren Nachbarländern sein. Sie nehmen an einer mehrtägigen Jugendbegegnung teil, zu der der Bundestag seit 1997 jedes Jahr einlädt und die auf eine Initiative der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth zurückgeht.

In diesem Jahr zählen zum Programm der Besuch Krakaus und der dortigen Ausstellung zur deutschen Besatzung der Stadt. Die Ausstellung wird in der Apotheke im einstigen Krakauer Ghetto sowie in der Fabrik Oskar Schindlers gezeigt. Schindler hatte mehr als 1.100 bei ihm angestellte jüdische Zwangsarbeiter vor der Ermordung in den Vernichtungslagern gerettet.

Ausstellung über "Kinder von Auschwitz"



Mit Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert und dem heute 88-jährigen polnischen Überlebenden Marian Turski sprechen die Jugendlichen über die Bedeutung von Auschwitz heute und die Erinnerung daran. Turski war 1944 nach Auschwitz deportiert worden und überlebte einen der Todesmärsche in Richtung Westen, auf den die Nazis im Januar 1945 58.000 Gefangene aus Auschwitz schickten, als die sowjetischen Truppen näher rückten. Später arbeitete Turski als Journalist beim polnischen Nachrichtenmagazin "Polityka".

In der Gedenkstätte Deutscher Widerstand erinnert bereits seit dem 22. Januar die Ausstellung »"Vergiss Deinen Namen nicht - Die Kinder von Auschwitz"« an die Menschen, die die Befreiung vor 70 Jahren als Kinder oder Jugendliche erlebt haben. Initiatoren der Ausstellung sind das Internationale Auschwitz-Komitee, die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau und die Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz.

Ort des Gedenkens



Das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz, das zum Symbol für den Holocaust wurde, ist heute ein Museum. Im vergangenen Jahr besuchten die Gedenkstätte so viele Menschen wie nie zuvor: 1,53 Millionen, mehr als zwei Drittel von ihnen Schüler und Studenten.

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