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Vor 50 Jahren: Ermordung von Malcolm X

20.2.2015
Am 21. Februar 1965 wurde der politische Aktivist Malcolm X bei einem öffentlichen Auftritt in New York erschossen. Er war einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.

Der amerikanische Bürgerrechtler Malcolm X spricht am 14. Mai 1963 auf einer Kundgebung in New York.Der amerikanische Bürgerrechtler Malcolm X spricht am 14. Mai 1963 auf einer Kundgebung in New York.

Es waren mehrere Täter, die am 21. Februar 1965 den radikalen schwarzen US-Menschenrechtsaktivisten Malcolm X ermordeten. Der 39-Jährige hatte in New York eine Rede vor Anhängern der von ihm im Jahr zuvor gegründeten Organisation Afro-Amerikanische Einheit (OAAU) gehalten, als im Publikum ein fingierter Streit ausbrach. Seine Personenschützer gingen dazwischen, und während sie sich vom Rednerpult entfernten, wurden mehrere Schüsse auf Malcolm X abgefeuert. Der Attentäter Thomas Hagan wurde noch am Tatort festgenommen, zwei mutmaßliche Mittäter später gefasst. Alle drei gehörten der Organisation Nation of Islam (NOI) an, einer radikalen muslimischen Vereinigung, in der Malcolm X bis 1964 einer der Wortführer war.

Kindheit und Jugend



Malcolm X war eine der bekanntesten und einflussreichsten Figuren in der Bewegung der Schwarzen-Emanzipation in den USA. Der als Malcolm Little im Jahr 1925 in Omaha geborene Aktivist wuchs in einem politisch engagierten Elternhaus auf. Vater Earl, Baptistenprediger, und Mutter Louise hatten sich bereits bei der Universal Negro Improvement Association (UNIA) für die Rechte von Schwarzen eingesetzt. Als Earl Little 1931 bei einem ungeklärten Verkehrsunfall ums Leben kam, war die Familie überzeugt, der Unfall sei in Wahrheit ein rassistisch motivierter Übergriff gewesen. Malcoms Mutter erlitt einige Jahre später einen Nervenzusammenbruch und wurde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen.

Radikalisierung und Aufstieg in der Nation of Islam



Nachdem er einige Zeit bei einer Pflegefamilie in der Nähe von Detroit verbracht hatte, zog Malcolm Little noch als Teenager nach Boston, wo er in kriminelle Milieus geriet und schließlich 1946 wegen Vergehen wie Drogenhandel und Einbrüchen zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde. Die Zeit im Gefängnis nutzte er für ein intensives Selbststudium, vor allem in Geschichte und Philosophie. Er lernte dort außerdem die Nation of Islam kennen, der er sich 1948 anschloss. Die Nation of Islam war eine religiöse Gemeinschaft, die die Überlegenheit der Schwarzen propagierte. Seinen ursprünglichen Nachnamen lehnte Malcolm Little noch im Gefängnis gemäß der Leitlinien der Nation of Islam als Sklavennamen ab. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis 1952 wurde er ein enger Vertrauter des NOI-Anführers Elijah Muhammad, der ihm, wie allen Mitgliedern der Nation of Islam, das "X" verlieh als Symbol für den wahren afrikanischen Familiennamen, der vielen Sklaven genommen worden war. Malcolm Little wurde so zu Malcolm X.

Malcolm X stieg schnell in der Nation of Islam auf. Er wurde zum "Minister" des Tempels von Harlem (New York) ernannt, einer der wichtigsten Gemeinden der NOI in den USA. In den Folgejahren avancierte er zum Wortführer der Organisation und trug maßgeblich zum Bekanntwerden der Bewegung bei.

Abgrenzung zu Martin Luther King



Obwohl die Nation of Islam als wichtiger Teil der Emanzipationsbewegung von Schwarzen gilt, war ihr Ansatz ein ganz anderer als jener der Bürgerrechtler um Martin Luther King. Die NOI strebte nicht die Integration in die weiße Mehrheitsbevölkerung an, sondern eine abgeschottete Emanzipation und einen auf Rassenzugehörigkeit basierenden Separatismus. Anders als Martin Luther King war Malcolm X auch kein Verfechter prinzipieller Gewaltfreiheit. So sagte er z.B. 1964 in seiner berühmt gewordenen Rede „The Ballot or the Bullet“ (Wahlzettel oder Waffenkugel), Afro-Amerikaner sollten ihre Rechte zur Not auch mit Gewalt erkämpfen.

Die Zahl der NOI-Mitglieder wuchs bis in die 1960er Jahre auf rund 50.000 Personen an. Sie stammten vor allem aus sozial schwachen Schichten der Industriestädte, ein Teil der Anhängerschaft wurde auch unter inhaftierten Strafgefangenen rekrutiert. Eines der prominentesten Mitglieder war der Boxer Muhammad Ali.

Zerwürfnis mit der NOI



In den frühen 1960er Jahren verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Malcolm X und der Führung der Nation of Islam. Elijah Muhammad missfiel, dass Malcolms Person in der Öffentlichkeit immer stärker in den Vordergrund rückte. Malcolm X wiederum distanzierte sich von seinem spirituellen und politischen Ziehvater, dem er außereheliche Affären mit Minderjährigen vorwarf. 1964 wurde Malcom X aus der NOI ausgeschlossen.

Kurz darauf unternahm Malcom X eine Pilgerreise nach Mekka, auf der er zum orthodoxen Sunni-Islam übertrat und sich endgültig von den religiösen Lehren Elijah Muhammads lossagte.1964 gründete er die Organisation Afro-Amerikanischer Einheit (OAAU), mit der er eine internationalere Ausrichtung verfolgte. Gleichzeitig bemühte er sich auch um eine Annäherung an die Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King.

Die Nation of Islam fühlte sich von Malcolm X verraten, mehrere Anführer drohten ihm öffentlich mit dem Tod. Am 14. Februar 1965 wurde ein Brandanschlag auf Malcolms Haus verübt, dem er und seine Familie nur knapp entkamen. Trotzdem hielt er an seinen öffentlichen Auftritten fest. Nur eine Woche später wurde Malcolm X während einer Rede von Mitgliedern der Nation of Islam erschossen.

Rezeption und Mythos



Nach der Ermordung von Malcolm X im Jahr 1965 versank die OOAU bald in der Bedeutungslosigkeit. Die Ideen des Aktivisten wurden aber übernommen, etwa von der 1966 gegründeten Black Panther Party (for Self-Defense), die einen schwarzen Nationalismus propagierte. Nicht zuletzt durch den biografischen Film von Regisseur Spike Lee (1992) ist die Figur Malcolm X in der US-amerikanischen Öffentlichkeit nach wie vor präsent. Seine gemeinsam mit dem Autor Alex Haley verfasste und 1965 posthum veröffentlichte Biografie verkaufte sich allein bis 1977 weltweit über sechs Millionen Mal.

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