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Internationaler Tag der Erinnerung an Sklavenhandel und dessen Abschaffung

21.8.2017
1998 erklärte die UNESCO den 23. August zum Internationalen Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung. Wenngleich Sklaverei heute durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verboten ist, befinden sich derzeit schätzungsweise 21 Millionen Menschen in sklavereiähnlichen Arbeitsverhältnissen.

Eine Gruppe von Sklaven, darunter viele Kinder, stehen auf einem Baumwollfeld. Vor ihnen und zu ihrer Seite befinden sich Körbe mit geernteter Baumwolle.Sie wurden oft als Baumwollpflücker eingesetzt: Sklaven, die über den transatlantischen Sklavenhandel von Afrika in die USA gebracht wurden. (© picture-alliance)

Sklaverei und Zwangsarbeit



Sklaverei ist ein Herrschaftsverhältnis, bei dem Menschen als Eigentum anderer angesehen und behandelt werden. Davon zu unterscheiden ist die Leibeigenschaft, bei der der Leibherr zwar weitreichende Verfügungsbefugnisse über den oder die Leibeigene hat, ihn oder sie jedoch nicht besitzt. Die Schuldknechtschaft wiederum wird als sklavereiähnliches Abhängigkeitsverhältnis beschrieben, dessen Dauer und Art der Gläubiger willkürlich bestimmt. Als Sicherheit für einen Kredit stellt dabei der Schuldner seine Arbeitskraft zur Verfügung.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte geht davon aus, dass moderne Formen der Sklaverei zwar nicht mehr zwingend darauf basieren, dass Menschen als Eigentum anderer gelten; die faktischen Lebensumstände der Betroffenen unterscheiden sich jedoch kaum von denen alter Formen der Sklaverei.

Schließlich gibt es noch den Begriff der Zwangsarbeit. Diese kann, muss aber nicht notwendigerweise in Sklaverei stattfinden. Als Zwangsarbeit gilt, wenn eine Person unter Androhung von Strafe eine Arbeit verrichten muss, für die sie sich nicht frei entschieden hat. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) stuft weiterhin Menschenhandel als Zwangsarbeit ein, da dieser auf Ausbeutung zielt. Laut der Europäischen Menschenrechtskonvention dürfen nur Inhaftierte im Strafvollzug zur Arbeit gezwungen werden.

Der Transatlantische Sklavenhandel



Mit dem europäischen Kolonialismus entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert der Transatlantische Sklavenhandel. Im sogenannten Dreieckshandel fuhren Schiffe mit Waren an die Küste Westafrikas, um sie dort gegen Menschen einzutauschen. Diese wurden nach Amerika gebracht und dort verkauft, Familien wurden willkürlich auseinandergerissen. Von dort aus fuhren Schiffe zurück nach Europa, beladen mit Produkten wie Zucker, Kaffee oder Baumwolle, die durch Sklavenarbeit geerntet oder hergestellt worden waren.

Die verschleppten Menschen, zuvor beispielsweise Goldschmiede, Bauern und Händler von Beruf, galten nun als Eigentum der europäischen Sklavenhändler. Während der wochenlangen Überfahrt nach Nord- und Südamerika wurden sie meist unter Deck angekettet; viele starben an Krankheiten oder nahmen sich das Leben. Die UNESCO schätzt, dass allein im Transatlantischen Sklavenhandel schätzungsweise 17 Millionen Menschen aus Afrika versklavt wurden. Andere Zahlen gehen von 12 Millionen Menschen aus. Die meisten wurden nach Brasilien gebracht.

Widerstand



Zur Geschichte der Sklaverei gehört auch der Widerstand dagegen. Auf den Sklavenschiffen gab es unzählige Rebellionen, teils konnten versklavte Menschen Schiffe kapern und nach Afrika zurücksteuern. Widerstand im Kleinen bestand auch in Arbeitsverweigerung oder Ungehorsam. Frauen spielten dabei eine wichtige Rolle, weil sie über größere Bewegungsfreiheiten verfügten.

Der erfolgreichste Sklavenaufstand fand in der französischen Kolonie Saint Domingue in der Karibik statt und mündete 1804 in die Gründung einer unabhängigen Republik: Haiti. Der UN-Tag der Erinnerung an Sklavenhandel und dessen Abschaffung orientiert sich am Beginn eben dieses Aufstands, dem 23. August 1791.

Abschaffung der Sklaverei und ihre Folgen



Dass Sklaverei letztlich abgeschafft wurde, hatte unterschiedliche Gründe und Motive. Im nördlichen Amerika waren es vor allem christliche Menschen, die sich aus religiösen Gründen für ein Ende der Sklaverei einsetzten. Andere argumentierten, dass es sich finanziell nicht lohne, Sklaven zu halten. Im Jahr 1807 verbot Großbritannien zunächst den Sklavenhandel, bevor dort 1833 schließlich ein Verbotsgesetz gegen Sklaverei in Kraft trat. Die USA erklärten Sklaverei nach dem Sezessionskrieg 1865 für verfassungswidrig.

Dem durch die Sklaverei entstandenen Reichtum war dies allerdings nicht abträglich: Die entstandenen Handelsstrukturen blieben vielfach bestehen und wurden weiter genutzt. Mit dem Sklavereiabkommen des Völkerbunds von 1926 und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 wurde die Abschaffung der Sklaverei als internationale Norm völkerrechtlich festgeschrieben.

Heute – Zwangsarbeit und sklavereiähnliche Arbeitsverhältnisse



Die ILO schätzt, dass weltweit knapp 40 Millionen Menschen Zwangsarbeit verrichten (Stand 2017). Häufig ist Armut eine Ursache, die Menschen in ein solches Arbeitsverhältnis geraten lässt. Besonders gefährdet sind Migrantinnen und Migranten ohne gültige Papiere sowie Analphabeten und Analphabetinnen. Die ILO rät jedoch zur Vorsicht, mit dem Begriff "moderne Sklaverei" leichtfertig Umstände zu beschreiben, auf die er rechtlich nicht zutrifft.

Zwangsarbeit äußert sich heute in Form von Zwangsprostitution, sie findet aber auch in der Landwirtschaft, als Hausarbeit, in Minen und im Bau statt. Wenngleich prozentual der Anteil von Menschen, die Zwangsarbeit verrichten müssen, in Zentral- und Südosteuropa sowie in den GUS-Staaten am höchsten ist, lässt sich die größte Zahl von Zwangsarbeitsopfern in Asien finden. So sind Menschenhandel und Sklaverei beispielsweise in der Fischereiwirtschaft Thailands weit verbreitet.

Etwa 5,5 Millionen Kinder verrichten weltweit unter anderem in Steinbrüchen, in der Textilindustrie oder als Leibeigene in Haushalten Zwangsarbeit. Darunter fallen auch sklavereiähnliche Arbeitsverhältnisse wie die Schuldknechtschaft. Nicht überall ist Kinderarbeit verboten. In einigen Ländern wird ihr Einkommen als notwendig angesehen, um das Überleben ihrer Familien zu sichern.

Der in Deutschland tätige Bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel fordert, dass Opfer von Zwangsarbeit gesetzlich geschützt werden und Täter und Täterinnen bestraft werden müssen. Auch die Bekämpfung von Armut sei unerlässlich; ebenso müssten die Öffentlichkeit und die Behörden für das Thema sensibilisiert werden.

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