Erde

Der Erste Golfkrieg (1980-1988)

18.9.2015
Am 22. September 1980 erklärte der irakische Diktator Saddam Hussein dem Iran den Krieg. Damit begann der Erste Golfkrieg, der acht Jahre dauerte und rund einer Million Menschen das Leben kostete. Was waren die Ursachen der militärischen Eskalation in der Golfregion und wie wurde der Frieden im August 1988 möglich?

Irakische Soldaten beziehen im Juni 1984 auf den Majnoon-Inseln Stellung gegen mögliche neue Angriffe der iranischen Armee.Irakische Soldaten beziehen im Juni 1984 auf den Majnoon-Inseln Stellung gegen mögliche neue Angriffe der iranischen Armee. (© picture-alliance/AP)

Vor Beginn des Krieges zwischen Iran und Irak prägten innenpolitische Konflikte die beiden Länder. Der Irak war bis zur Revolution 1958 eine Monarchie. Nach der Ausrufung der Republik folgte zwar eine Reihe von sozialen und demokratischen Reformen, das politische System wurde jedoch zunehmend diktatorisch. Es folgten verschiedene Putschversuche, die 1968 in die Übernahme der Macht durch die Baath-Partei mündeten. Nachdem der damalige Präsident krankheitsbedingt zurücktrat, übernahm Saddam Hussein 1979 dessen Nachfolge. Um seine Macht zu konsolidieren, ging er zunächst gegen den innerparteilichen Widerstand vor und ließ zahlreiche führende Parteimitglieder hinrichten. Die Ambitionen des Diktators gingen aber weit über den Irak hinaus, denn unter dem Vorwand des Panarabismus beanspruchte der Irak die Führungsrolle in der Region.

Im Iran regierte seit 1941 Schah Mohammad Reza Pahlavi mit der Duldung des Westens als Alleinherrscher. Während seiner Herrschaftszeit veranlasste er verschiedene Reformen, mit denen er auf den Widerstand der Geistlichen und der Bevölkerung traf. Ab 1978 kam es immer wieder zu landesweiten Massenprotesten und Streiks, die den Schah am 16. Januar 1979 zur Flucht ins Ausland bewegten. Als Anführer der Opposition kehrte daraufhin der religiöse Führer Ayatollah Ruhollah Khomeini aus dem Exil zurück. Auf seine Veranlassung wurde Ende März ein Referendum durchgeführt, in dem die Wähler entscheiden sollten, welche Staatsform der Iran in Zukunft haben sollte. Auf die Frage, ob eine Republik zugunsten einer Monarchie eingeführt werden sollte, stimmten in nicht-geheimer Stimmabgabe mehr als 97 Prozent der Teilnehmer mit "Ja".

In den folgenden Machtkämpfen konnte Khomeini eine schiitische Theokratie im Iran etablieren und sich selbst zum religiösen Anführer mit umfassenden Befugnissen machen. Nach dem von ihm entwickelten religiös-politischen Konzept der "Herrschaft des islamischen Rechtsgelehrten" kam ihm unter anderem die Kompetenz zu, den Präsidenten abzusetzen und die Spitzen von Judikative, Militär und Sicherheitskräften zu benennen. Khomeini und seine Anhänger betrieben eine Islamisierung des Justizwesens, der Schulen und Hochschulen. Widerstand leisteten unter anderem die islamisch-marxistisch orientierten Volksmojahedin, die mit terroristischen Anschlägen versuchten, das Regime zu stürzen. Kritiker und Oppositionelle der Regierung wurden bedroht, verhaftet und zum Teil ermordet.

Kriegsursachen



Eine Reihe verschiedener Ursachen löste den Krieg zwischen Iran und Irak aus. Dazu zählten zum einen territoriale Konflikte: Streitigkeiten über die Herrschaft in der Region um den Grenzfluss Schatt al-Arab und der irakische Anspruch auf die erdölreiche iranische Provinz Khuzestan trübten das Verhältnis der beiden Staaten. Zum anderen begünstigten religiöse Spannungen zwischen dem überwiegend sunnitischen Irak und dem Iran, in dem der Schiismus Staatsreligion war, den Konflikt. Schließlich standen auch die Ideologien beider Staaten im Widerspruch zueinander: Der Irak verfolgte einen national ausgerichteten Panarabismus, während der Iran unter religiösen Vorzeichen eine panislamische Vision vertrat.

Verlauf der militärischen Auseinandersetzung



Am 22. September 1980 begann der Erste Golfkrieg mit dem Angriff des Irak auf den Iran. Der Vorstoß der irakischen Armee basierte auf der Annahme, dass das iranische Regime nach dem Machtwechsel innenpolitisch zu stark geschwächt sei, um gegen einen Angriff von außen standzuhalten. Die Hauptstoßrichtung der irakischen Truppen lag auf der Provinz Khuzestan, von der man hoffte, dass sich die dort lebenden Araber dem Irak anschließen würden. Die Eroberung der Region gestaltete sich aber schwierig und auch die schiitischen Araber leisteten dem irakischen Militär Gegenwehr. Am 24. Oktober eroberten die Iraker mit Chorramschahr die erste größere iranische Stadt. Aber aufgrund heftigen Widerstands kam die Offensive bis Dezember etwa 80-120 Kilometer hinter der iranischen Grenze zum Erliegen.

Schon kurz darauf folgte die Wende im Krieg: Ab 1981 drängten die iranischen Streitkräfte die Iraker aus den eroberten Gebieten zurück. Im Juni des Folgejahres zog Saddam Hussein seine Truppen aus den noch besetzten Teilen des Landes ab und verkündete einen einseitigen Waffenstillstand, den der Iran jedoch ablehnte. Khomeini und seine Anhänger sahen nun die Chance, die islamische Revolution auf das Nachbarland zu übertragen. Es folgte ein langwieriger Stellungskrieg, bei dem der Iran jedoch kaum an Territorium gewinnen konnte.

Im gesamten Krieg wurde rund eine Million Menschen getötet – viele von ihnen waren Zivilisten; denn im "Krieg der Städte" beschossen iranische und irakische Kräfte städtische Wohngebiete und Industrieanlagen mit Raketen. Dabei setze der Irak auch international geächtete B- und C-Waffen ein. Um dem Gegner auch wirtschaftlich zu schaden, zerstörten im "Krieg der Tanker" beide Regime Schiffe, die Erdöl des Gegners beförderten. Der Iran griff dabei auch Tanker von anderen Golfnationen an, die den Rohstoff für den Irak transportierten. Ein US-amerikanisches Schiff, die USS Stark, wurde versehentlich von einem irakischen Flugzeug attackiert.

Beilegung des Konflikts



Aufgrund der Gefährdung der Öltransporte entsandten die USA, später auch Frankreich und Großbritannien, Marinetruppen in den Persischen Golf. Kuwaits Handelsschiffe fuhren ab 1987 unter US-amerikanischem Schutz. Die Ölexporte des Irak und Iran waren gesunken, ihre ökonomische Entwicklung kam fast zum Stillstand. Während der Irak offen unter anderem von Saudi-Arabien und Kuwait finanziert wurde und von den USA und der Sowjetunion taktisch unterstützt wurde, war der Iran international vergleichsweise isoliert; zu seinen größeren Verbündeten zählten Syrien und Libyen.

Eine Wirtschaftskrise und die politische Isolation des Iran sowie militärische Erfolge des Irak brachten Khomeini letztlich dazu, die vom UN-Sicherheitsrat verabschiedete Waffenstillstandsresolution 598 zu akzeptieren. Damit endete am 20. August 1988 der Erste Golfkrieg – ein Friedensvertrag wurde aber bis heute nicht unterzeichnet.

Der Erste Golfkrieg

  • 16. Juli 1979: Saddam Hussein wird als Präsident des Irak vereidigt. Gestützt durch die Baath-Partei wird er zum Diktator des Landes.

  • 1. Februar 1979: Nach Massenprotesten und der Vertreibung von Schah Mohammad Reza Pahlavi kehrt Ayatollah Khomeini aus dem Exil in den Iran zurück und etabliert in der Folgezeit die islamische Republik Iran, an dessen Spitze er als islamischer Rechtsgelehrter herrscht. Kritiker und Oppositionelle des Regimes werden bedroht, verhaftet und ermordet.

  • 22. September 1980: Der Irak überfällt den Iran. Es beginnt ein achtjähriger Krieg zwischen den Golfstaaten, bei dem rund eine Million Menschen sterben.

  • 20. Juni 1982: Der Irak verkündet einen einseitigen Waffenstillstand. In der Folge startet der Iran eine Offensive, die aber kaum zu Gebietsgewinnen führt.

  • 20. August 1988: Nachdem der Iran die UN-Waffenstillstandsresolution Nr. 598 akzeptiert hat, tritt der Waffenstillstand zwischen Iran und Irak in Kraft.



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