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Geiselnahme in Teheran

20.1.2016
Vor 35 Jahren endete für 52 amerikanische Botschaftsangehörige ihre Geiselhaft im Iran. Mehr als ein Jahr zuvor hatten Studierende die US-Botschaft in Teheran gestürmt. Seit diesem Ereignis unterhalten die USA und der Iran keine diplomatischen Beziehungen.

Iranische Studierende stürmen am 4. November 1979 das Gebäude der US-Botschaft in Teheran.Iranische Studierende stürmen am 4. November 1979 das Gebäude der US-Botschaft in Teheran. (© picture-alliance/dpa)

Am 4. November 1979 stürmte eine Gruppe Studierender das Gelände der US-Botschaft in Teheran und nahm 63 amerikanische Staatsbürger gefangen; drei weitere Botschafts-Mitarbeiter wurden im iranischen Außenministerium aufgegriffen. Die Studenten forderten von den Vereinigten Staaten, Schah Mohammed Reza Pahlewi auszuliefern, um ihn im Iran vor Gericht zu stellen.

Vorgeschichte



Seit 1977 war der iranische Monarch zunehmend in Kritik geraten: wegen seiner autokratischen Herrschaftspraxis, des repressiven Umgangs mit der Opposition und Korruptionsvorwürfen gegen die Regierung sowie wegen seiner an den Westen angelehnten Modernisierungsbestrebungen. Gleichzeitig wuchs die Unterstützung für den im Exil lebenden Kontrahenten des Schahs Ayatollah Ruhollah Khomeini. Nachdem die Massendemonstrationen Ende 1978 ihren Höhepunkt erreicht hatten, floh der Schah zunächst nach Ägypten. Revolutionsführer Khomeini kehrte daraufhin in den Iran zurück und ernannte Mehdi Bazargan zum Premierminister einer Übergangsregierung. Als der schwer krebserkrankte Schah im Oktober für Behandlungen in die USA reiste, stürmten radikale Anhänger des Ayatollah etwa zwei Wochen später die US-Botschaft in Teheran.

Nationale und internationale Reaktionen



Die größer werdende Kluft zwischen Ayatollah Khomeini und der Übergangsregierung zeigte sich auch in den Reaktionen auf die Geiselnahme: Während der Ayatollah die Geiselnahme guthieß, protestierte die provisorische Revolutionsregierung unter Mehdi Bazargan vergeblich gegen die Botschaftsbesetzung. Schließlich trat die Regierung angesichts ihrer Machtlosigkeit zurück, während Khomeini seine Macht im Iran weiter stabilisieren konnte.

Am 17. November 1979 gab Khomeini den Befehl, unter den Geiseln schwarze US-Amerikaner und Frauen freizulassen. 13 Botschaftsangehörige erhielten daraufhin die Freiheit, ein weiterer wurde später aufgrund einer schweren Erkrankung aus der Geiselhaft entlassen. Offiziell begründet wurde dies damit, dass der Islam Frauen respektiere und Schwarze in den USA unterdrückt würden.

Zuvor hatte die US-Regierung mit Präsident Jimmy Carter an der Spitze es abgelehnt, den Schah auszuliefern. Um das iranische Regime unter Druck zu setzen, errichteten die USA ein Handelsembargo und beschlossen einen Importstopp von iranischem Öl. Zehn Tage nach Besetzung der Botschaft ließ Präsident Carter alle Guthaben der iranischen Regierung einfrieren, die sich in den USA oder unter US-Kontrolle im Ausland befanden: insgesamt 12 Milliarden US-Dollar. Die USA bemühten sich auch um internationale Sanktionen gegen den Iran durch den UN-Sicherheitsrat. Diese scheiterten jedoch am Veto der Sowjetunion. Auch andere Staaten reduzierten im Zuge der Geiselnahme ihren Handel mit dem Iran: Auf Aufforderung der USA unterbanden einige mit ihnen verbündete Staaten den Export von Waffen in den Iran und die Vergabe von Finanzkrediten.

Eine der 52 amerikanischen Geiseln, mit verbundenen Augen und gebundenen Händen, inmitten einiger der Geiselnehmer.Eine der 52 amerikanischen Geiseln, mit verbundenen Augen und gebundenen Händen, inmitten einiger der Geiselnehmer. (© picture-alliance/AP)

Gescheiterte Befreiung



Nach erfolglosen diplomatischen Bemühungen traf Carter einige Monate später die Entscheidung, die Geiseln militärisch zu befreien. Die am 24. April 1980 ausgeführte Geheimoperation "Eagle Claw" (dt. Operation Adlerklaue) scheiterte an technischen Problemen der eingesetzten Helikopter. Bei der Kollision eines Transportflugzeuges mit einem Helikopter starben acht amerikanische Soldaten. Für Carter war die gescheiterte Operation ein empfindlicher Rückschlag im laufenden Wahlkampf. Sein republikanischer Herausforderer Ronald Reagan gewann am 4. November 1980 die amerikanische Präsidentschaftswahl.

Letztlich führten fortgesetzte Verhandlungen und veränderte Rahmenbedingungen zu einer diplomatischen Lösung der Geiselnahme: Im Juli 1980 starb der Schah in Ägypten. Im September begann der Erste Golfkrieg mit dem Überfall des Iraks auf den Iran. Am 19. Januar 1981 einigten sich die amerikanischen und iranischen Verhandlungspartner unter Vermittlung von Algerien auf ein Abkommen. Nach 444 Tagen in Gefangenschaft kamen die verbleibenden 52 Geiseln am 20. Januar 1981 frei. Im Gegenzug beendeten die USA das Handelsembargo, gaben das zuvor eingefrorene iranische Guthaben wieder frei und versprachen, in Zukunft nicht in die inneren Angelegenheiten des Iran einzugreifen.

Konsequenzen für die iranisch-amerikanischen Beziehungen



Die Teheraner Geiselnahme steht für einen Bruch im iranisch-amerikanischen Verhältnis. Während der Regierungszeit des Schahs hatten die USA enge Beziehungen zu dem Regime unterhalten, dem der US-Geheimdienst CIA und der britische MI6 ursprünglich zur Macht verholfen hatten. Die Geiselnahme bedeutete das Ende der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und dem Iran. Bis heute unterhalten die beiden Staaten keine Botschaft im jeweiligen anderen Land und werden dort durch befreundete Länder vertreten: die USA durch die Schweiz, der Iran durch Pakistan.

In jüngster Zeit hat sich das Verhältnis der beiden Staaten etwas entspannt. Im Juli 2015 einigten sich Frankreich, Großbritannien, die USA, Russland, China und Deutschland mit dem Iran auf ein Abkommen, das die iranische Nutzung der Atomenergie reglementieren soll. In diesem Zusammenhang sollen auch die Sanktionen gegen das Land aufgehoben werden.

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