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Vor 60 Jahren: Gründung der Bundesbank

24.7.2017
1957 wurde die Deutsche Bundesbank gegründet. Als Zentralbank ist sie die oberste deutsche Bank und Teil des Europäischen Systems der Zentralbanken. Doch Zentralbanken gibt es in anderer Form eigentlich bereits seit Jahrhunderten.

Münzgeldrollen und Euro-Noten der Deutschen Bundesbank.Münzgeldrollen und Euro-Noten der Deutschen Bundesbank. (© picture-alliance, Eibner-Pressefoto)

Die Deutsche Bundesbank hat die Hauptaufgabe, den unbaren und Bargeldverkehr zu regeln und die Währung – heute den Euro– nach innen und außen zu vertreten. Somit kommt ihr eine andere Stellung zu als etwa Kreditbanken oder Sparkassen. Am 26. Juli 1957 wurde mit dem Bundesbankgesetz die Gründung einer Deutschen Bundesbank beschlossen – obwohl dies schon seit Mai 1949 durch Artikel 88 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland gefordert wurde. Sie ersetzte damit die Bank deutscher Länder, die 1948 von den alliierten Besatzungsmächten gegründet wurde. Am 1. Juli 1990 wurden die Kompetenzen der Bundesbank, die seit ihrer Gründung in Frankfurt am Main sitzt, auch auf die damalige DDR ausgeweitet. Bundesweit hat die Bundesbank 9 Hauptverwaltungen und 35 Filialen in denen sie ca. 10.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Als nationale und europäische Aufsichtsinstanz ist sie zuständig für die Überwachung des gesamten Finanz- und Währungssystems und der nationalen und europäischen Finanzdienstleister. Sie regelt die Kreditversorgung und den Geldumlauf, das bedeutet zum Beispiel auch, dass sie Falschgeld aus dem Verkehr zieht und neues Geld in Umlauf bringt. Außerdem ist die Bundesbank zuständig für die Reserven und das Vermögen des Staates. So hatte sie Ende 2016 einen Goldbestand von 3.378 Tonnen, das waren umgerechnet rund 118,9 Milliarden Euro.

Die Deutsche Bundesbank ist seit ihrer Gründung von den Weisungen der Bundesregierung unabhängig, hat aber die Aufgabe, die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung soweit wie möglich zu unterstützen. Das oberste Entscheidungsgremium innerhalb der Bundesbank ist somit der Zentralbankrat. Präsident der Bundesbank ist seit 2011 der Volkswirt Jens Weidmann.

Seit Deutschland keine eigene nationale Währung mehr besitzt, sondern Teil der Eurozone ist, ist die deutsche Bundesbank Teil des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB). Dies wurde 2002 mit einer Änderung im Bundesbankgesetz festgelegt. Das heißt, dass die geldpolitische Souveränität auf das ESZB übertragen wurde und die Deutsche Bundesbank sich die Verantwortung für die Geldpolitik im Euroraum mit anderen europäischen Zentralbanken teilt. Gemeinsam sorgen sie zum Beispiel für Preisstabilität. Die Bundesbank hat außerdem die Aufgabe, der Öffentlichkeit das Eurosystem zu erläutern, dazu Stellung zu beziehen und europäische Bankenbeschlüsse auf nationaler Ebene umzusetzen.


Doch auch wenn Zentralbanken zu den Kerninstitutionen eines modernen Staates gehören, begann ihre Geschichte nicht erst vor 60 Jahren. Wie Zentralbanken entstanden sind und welche Aufgaben sie haben, erklärt im Folgenden der Wirtschaftsjournalist Caspar Dohmen im Zeitbild "Finanzwirtschaft" (gekürzter und überarbeiteter Auszug):

Ursprung der Zentralbanken



Seit dem es Zahlungsmittel gibt, war eine zentrale Frage, wer für das Geld in einer Gesellschaft zuständig ist. Jahrhundertelang lag die Macht darüber in den Händen der Herrscher. Allerdings missbrauchten sie ihr Privileg immer wieder, indem sie beispielsweise versuchten, heimlich minderwertiges Geld unter das Volk zu bringen.

In England war es üblich, Gold zur sicheren Aufbewahrung bei der königlichen Münzprägung im Tower of London zu deponieren. Als Charles I. (von 1625 bis 1649 König von England) in Geldnot geriet, beschlagnahmte er kurzerhand vorübergehend diese privaten Goldvorräte. Die verunsicherten Eigentümer übergaben ihre Edelmetalle nun lieber privaten Verwahrern, oft waren es Goldschmiede. Wer sein Gold bei ihnen abgab, erhielt dafür eine Quittung. Später begannen die Leute, mit diesen Quittungen zu bezahlen. Das erleichterte gehörig das Geschäft. Und irgendwann bemerkten die Goldschmiede, dass sie mehr Quittungen ausstellen konnten, als es ihrem Goldbestand entsprach: Denn die Eigentümer tauschten ihr Gold nicht alle gleichzeitig zurück. Die Goldschmiede konnten deswegen mehr "Geld" in Umlauf setzen und damit Geschäfte machen. In Holland machte die Bank von Amsterdam selbiges Geschäft gemeinsam mit der Regierung.

Diese Praxis hatte zur Folge, dass das Gold in den Tresoren gleichzeitig mehreren Beteiligten gehörte. Auf diesem Prinzip beruht unser Bankwesen noch immer. Aus den Quittungen wurden später Banknoten und aus den ausgebenden Zettelbanken wurden Notenbanken. Das war ein lukratives Geschäft, solange die Kunden daran glaubten, dass sie ihr Gold zurückerhielten. Ohne die Zubilligung der Nutzer war aus ihren Quittungen sogenanntes Fiat-Geld geworden. Der Ausdruck Fiat-Geld geht auf das biblische "Fiat lux" zurück, was übersetzt bedeutet: Es werde Licht. Es ist Geld, das aus dem Nichts geschaffen wird.

Entstehung der Notenbanken



Zunächst gingen die Leute davon aus, dass sie einen Rechtsanspruch auf den Rücktausch der Quittungen in Gold hatten. Jedoch entschieden britische Gerichte bereits Anfang des 19. Jahrhunderts anders. Es ist danach ein Irrtum zu glauben, die Ersparnisse bei der Bank gehörten dem jeweiligen Kunden. Von Gesetz wegen handelt es sich vielmehr um einen Kredit, den der Kunde der Bank gibt.

Die Regenten erlaubten explizit oder stillschweigend ab dem 17. Jahrhundert auch privaten Geschäftsbanken die Ausgabe von Geld. So erteilte der englische König William 1694 dem Kaufmann William Paterson als Gegenleistung für einen großen Kredit die Genehmigung zur Gründung der Bank of England; damit verbunden war das Recht, Banknoten auszugeben, die zunächst handschriftlich angefertigt wurden. Auch in vielen anderen Regionen machte man dies. Dadurch wurde die Zahlungsmittelknappheit überwunden, die mit der Begrenztheit des Münzmetalls einherging. Lange Zeit waren also private Banken für die Ausgabe von Banknoten zuständig. Phasenweise gab es mehrere Tausend private Notenbanken. Weil diese häufig jedoch zu viele Noten druckten, kam es immer wieder zu Krisen. Deswegen übertrugen viele Staaten die Herstellung von Münzen und Banknoten schließlich an Zentralbanken. Das Währungsmonopol besitzen heute weltweit fast ausnahmslos Notenbanken, die nicht in privater Trägerschaft sind. Und für die Zentralbanken in privater Trägerschaft wie in den USA oder Italien gibt es klare staatliche Regeln.

Die zentrale Aufgabe der Notenbanken ist bis heute die Bereitstellung von Zentralbankgeld; es besteht aus Guthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank und aus dem Bargeld, das innerhalb der Volkswirtschaft zirkuliert. Die Schöpfung des Zentralbankgelds kann in beliebigem Umfang erfolgen, denn anders als früher gibt es ja für das heutige Zentralbankgeld keine Deckung mehr, beispielsweise durch Gold oder Silber. Auf zwei Wegen entsteht heute Zentralbankgeld: Zum einen kaufen die Notenbanker mit frisch geschöpftem Zentralbankgeld Gold, Devisen, Anleihen oder Wechsel, zum anderen nehmen Geschäftsbanken bei der Zentralbank einen Kredit auf.

Zentralbanken als Konjunkturmanager



Moderne Notenbanken nehmen Einfluss auf das konjunkturelle Geschehen, indem sie den Leitzins erhöhen oder senken. Damit beeinflussen sie die Konditionen, zu denen sich die privaten Geschäftsbanken Zentralbankgeld leihen können. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass bei einer Politik des billigen Geldes eine wirtschaftliche Rezession günstig beeinflusst werden kann: Die Banken würden dann mehr Kredite an Unternehmen vergeben und es käme zu Wachstum. Umgekehrt sollen höhere Zinsen die Kreditkosten in Boomzeiten verteuern und die Wirtschaftsentwicklung dämpfen, um Überhitzung zu vermeiden. Wenn die Zinsen sinken, profitieren davon die Kreditnehmer, der private Konsument genauso wie Unternehmen oder der Staat, der sich mit Anleihen Geld bei Anlegern borgt. Allerdings hat die Notenbank mit diesem Mechanismus nur indirekt Einfluss auf die Geschäftsbanken. Senkt die Notenbank die Zinsen, bedeutet dies nicht automatisch, dass die Banken wie gewünscht die Kredit- und damit die Geldmenge ausweiten, und umgekehrt gilt dies für Zinserhöhungen.

Zentralbanken als Krisenmanager



Unsere Zentralbanken spielen auch eine wichtige Rolle in Krisenzeiten. Denn sie fungieren als sogenannter letzter Kreditgeber in Volkswirtschaften und können dementsprechend bei Liquiditätskrisen gegensteuern. Wenn beispielsweise Kunden Banken nicht mehr trauen und in Scharen ihr Geld von den Konten abheben, also ein sogenannter "bank run" stattfindet, können Zentralbanken den Geschäftsbanken quasi unbegrenzt Mittel zur Verfügung stellen und damit Bankpleiten verhindern. Das Gleiche gilt für den Fall, dass sich Banken untereinander kein Geld mehr leihen, wie nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008. Damals sprangen ebenfalls die Zentralbanken in Europa und den USA ein.

Ohne das Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) wäre wahrscheinlich eine ganze Reihe von Banken in der Finanzkrise insolvent geworden. Bereits während der ersten Phase stellte die Notenbank den Instituten der Eurozone dreistellige Milliardensummen zu dem sehr günstigen Zinssatz von nur einem Prozent zur Verfügung. Im Dezember 2011 borgten sich dann 523 Geschäftsbanken für drei Jahre 489 Milliarden Euro – ein Rekordwert. Zentralbankgeld verschwindet aus dem Wirtschaftskreislauf, wenn die Zentralbank Wertpapiere oder Gold verkauft oder die Geschäftsbanken ihre Kredite bei der Zentralbank zurückzahlen.

Dieser Text ist ein überarbeiteter und ergänzter Auszug aus dem Zeitbild "Finanzwirtschaft - Wie alles zusammenhängt".

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