Blick auf den Erdball vom Weltall aus. Im Zentrum des Betrachters ist die nördliche Halbkugel zu sehen. Sie ist kaum von Wolken bedeckt. Im Westen liegt der amerikanisch Kontinent, im Osten liegt Europa. Dazwischen leuchtet blau der Ozean Atlantik.

26.7.2018

60 Jahre NASA: Der lange Weg in den Weltraum

Am 29. Juli 1958 wurde die NASA gegründet. Ihr gelang 1969 die erste bemannte Mondlandung. Heute ist die US-Raumfahrtbehörde auf die Zusammenarbeit mit privaten Organisationen angewiesen – und mit ihrer einstigen Konkurrentin aus dem Kalten Krieg.

Ein Astronaut bei einem Weltraumspaziergang.NASA-Astronaut Drew Feustel bei einem Weltraumspaziergang am 14. Juni 2018. (© picture alliance/ZUMA Press)

Am Anfang stand ein Wettrennen im Wettrüsten des Kalten Kriegs: Am 29. Juli 1955 ließ der US-amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower verkünden, dass die USA schon 1957 einen Satelliten in die Erdumlaufbahn schicken werden. Die Sowjetunion zog nur wenige Tage mit der gleichen Ankündigung nach – und gewann den Wettstreit: Am 4. Oktober 1957 startete im südkasachischen Baikonur eine sowjetische Interkontinentalrakete und brachte den Satelliten "Sputnik1" erfolgreich in die Erdumlaufbahn. Zwei Monate später scheiterten die USA beim Versuch, einen eigenen Satelliten in die Erdumlaufbahn zu schießen – die Trägerrakete stürzte nach wenigen Sekunden ab.

US-Politiker waren erschüttert vom Erfolg der Sputnik und sahen die amerikanische Sicherheit gefährdet. In der Folge beschloss die US-Regierung die Schaffung einer staatlichen Behörde, die sämtliche zivilen Raumfahrt-Anstrengungen bündeln sollte: die NASA.

Am 29. Juli 1958 unterzeichnete Präsident Eisenhower den "National Aeronautics and Space Act". Das Gesetz gilt als die Geburtsurkunde der "National Aeronautics and Space Administration" (NASA). Mit Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Oktober nahm die Weltraum-Forschungsbehörde in Washington D.C. offiziell ihre Arbeit auf. Dabei konnte sie auf bereits bestehende Strukturen des schon 1915 gegründeten "National Advisory Committee for Aeronautics" (NACA) zurückgreifen, einer staatlichen Organisation, die zur Luftfahrt forschte und in die NASA integriert wurde.

Mit NS-Forschern gegen die Sowjetunion

Damit standen der NASA von Beginn an mehrere Laboratorien sowie tausende Mitarbeiter zur Verfügung. Das Besondere: In der NACA forschten zu jener Zeit auch zahlreiche Wissenschaftler, die bereits dem NS-Regime gedient hatten. Die US-Regierung und führende Militärs hatten im Rahmen des Geheimprojektes “Operation Overcast“ 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg hunderte Forscher aus Deutschland in die Vereinigten Staaten geholt – darunter auch Raketen-Experten wie Wernher von Braun.

Viele der deutschen Wissenschaftler hatten sich zu den Nationalsozialisten bekannt, saßen in Kriegs- oder Zivilgefangenschaft. Doch die US-Verantwortlichen stellten die fachliche Qualifizierung über die politische Einstellung und etwaige Kriegsverbrechen. Zahlreiche Personalakten wurden gefälscht, Verbrechen vertuscht. Bei der Bearbeitung der Personalakten wurden zur geheimen Markierung der fertigen Dokumente Büroklammern ("Paperclips") verwendet, die Forscher wurden darum später auch “Paperclip Boys“ genannt. Wurden sie anfangs noch streng überwacht, durften die Forscher später zunehmend frei agieren.

In den ersten Jahren beschäftigte sich die NASA vor allem mit der Frage, ob und unter welchen Bedingungen ein Mensch im Weltall überleben kann. Das von 1958 bis 1963 dauernde Mercury-Programm war eine wichtige Grundlage für die spätere Mondlandung. Doch die Sowjetunion konnte ihre Vormachtstellung bei der Erforschung des Weltalls vorerst weiter ausbauen.1957 wurde mit der Hündin Laika das erste Lebewesen ins All geschossen, 1961 absolvierte der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin den ersten bemannten Raumflug und umrundete dabei einmal die Erde. Zudem gelang der Sowjetunion die erste unbemannte Mission zum Mond. 1963 hatten beide Staaten jeweils sechs Menschen ins All geschickt, doch die Sowjets hatten insgesamt mehr Zeit im Weltraum verbracht.

Neil Armstrong ist der erste Mensch auf dem Mond

Zu Beginn der 1960er-Jahre wurde das Budget der NASA massiv erhöht. 1966 lagen die Ausgaben für die NASA bei fast sechs Milliarden US-Dollar jährlich, dies waren mehr als 4,4 Prozent des gesamten US-Haushalts. Im Juli 1969 war es – nach mehreren gescheiterten Tests und Todesfällen – mit der Apollo 11 endlich soweit: Als erster Mensch überhaupt verewigte der amerikanische Astronaut Neil Armstrong seine Fußabdrücke auf dem Mond. In den Jahren danach folgten fünf weitere erfolgreiche Mondlandungen durch NASA-Astronauten – die letzte 1971.

Die bemannte Raumfahrt ist aber nur ein Teil der NASA-Aktivitäten. Die US-Amerikaner schießen auch Satelliten ins All – zur kommerziellen Nutzung ebenso wie für wissenschaftliche Zwecke. Militärische Ziele verfolgt die NASA offiziell nicht, dafür sind in den USA mehrere Einrichtungen des Verteidigungsministeriums zuständig.1977 schickte die NASA die Sonden "Voyager 1" und "Voyager 2" zur Erforschung des äußeren Planetensystems ins All. Die Mission ist ein großer Erfolg. Bis heute senden die beiden Raumsonden Signale – mittlerweile sogar von außerhalb unseres Sonnensystems.

NASA setzt auf Kooperationen mit der Privatwirtschaft

Die bemannte Raumfahrt kostet viel Geld. Vor allem die Raketen sind teuer. Ab 1981 schickte die NASA deshalb wiederverwendbare Raumfähren ins All. Allerdings sparte die Weltraumbehörde dabei an der Sicherheit. 1987 starben sieben Astronauten bei der Explosion des "Challenger"-Shuttle, 2003 folgt mit dem Absturz der Raumfähre "Columbia" eine weitere Katastrophe, bei der erneut sieben Astronauten starben. In der Folge gab die NASA diese Technologie auf. Seit 2011 greift sie bei Weltraumflügen, insbesondere zur internationalen Raumstation ISS, auf russische Raketen zurück. Zudem arbeitet die NASA mit privaten US-Raumfahrtanbietern zusammen. SpaceX und Boeing bauten zuletzt an einer geeigneten Raumfähre. Die NASA hat den Firmen Milliardensummen für die Projekte zugesagt.

Die Firma SpaceX, hinter der der Unternehmer Elon Musk steht, schickte bereits unbemannte Raumtransporter zur Internationalen Raumstation ISS. An Flugmöglichkeiten ins All forschen auch andere private Firmen – manche wollen mit ihren Raketen in den Weltraum vorstoßen, andere mit Touristen-Flügen Geld verdienen.

Internationale Zusammenarbeit

Seit Ende des Kalten Kriegs zu Beginn der 1990er-Jahre arbeitet die NASA auch enger mit anderen Staaten und ausländischen Organisationen zusammen. So mit der europäischen Forschungsbehörde ESA, aber auch der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos. Das bekannteste Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg ist die internationale Raumstation ISS, die von der NASA, der ESA, Russland, Kanada und Japan gemeinsam betrieben wird. Und mit Hilfe des von der NASA in enger Kooperation mit Europäern und Kanadiern entwickelten Hubble-Teleskops gelang es der Menschheit, einen tiefen Blick in weit entfernte Winkel unseres Universums zu werfen. Konkurrenz kommt seit einigen Jahren zunehmend aus Asien. So planen auch Indien und China bemannte Flüge zum Mond.

Die NASA hingegen hat sich für 2037 ein anderes großes Ziel gesteckt: den ersten bemannten Flug zum Mars.

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