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17.6.2019

Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre

Insgesamt sind 40 Prozent der Erdoberfläche von Desertifikation bedroht – eine Gefährdung der Lebensgrundlagen von Hunderten Millionen Menschen. Der Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre am 17. Juni soll auf die Folgen der Verödung großer fruchtbarer Landflächen aufmerksam machen.

Das Bild zeigt ein altes, weißes Firscherboot mitten in der Wüste. Man sieht blauen Himmel und Sand, das Boot liegt brach.Ein ehemaliges Fischerboot liegt am ausgetrockneten Aralsee in Usbekistan. Große Teile des Sees sind heute Salzwüste. (© picture-alliance, imageBROKER)

Der Welttag zur Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre wurde vor 25 Jahren von den Vereinten Nationen ausgerufen. Unter dem Motto "Let’s Grow the Future Together" soll er in diesem Jahr nicht nur auf die Gefährdung fruchtbarer Böden aufmerksam machen, sondern auch zum Nachdenken über Lösungen anregen. Das Ziel: neue Wüstenbildung und Landrückgewinnung in den nächsten 25 Jahre auszugleichen.

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UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung

Definition Wüstenbildung

In der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (United Nations Convention to Combat Desertification, UNCCD) vom 17. Juni 1994 wird Desertifikation als "Bodenverschlechterung in trockenen, halbtrockenen und trockenen subhumiden Gebieten" definiert. Unter "Bodenverschlechterung" verstehen die UN die "Verringerung oder den Verlust der biologischen oder wirtschaftlichen Produktivität und Komplexität" von Flächen. Das kann sich in Erosion, der Verschlechterung der physikalischen, chemischen, biologischen Eigenschaften oder wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten des Bodens sowie dem langfristigen Verlust der natürlichen Vegetation zeigen.

Komplexe Ursachen

Die Ursachen für die Verschlechterung von Böden sind vielfältig. Sie umfassen klimatische Schwankungen, aber auch menschliche Aktivitäten, wie etwa die Überweidung von Flächen, die Übernutzung von Böden, die Abholzung von Wäldern und die Verschwendung von Wasserressourcen.

Auch das Wachstum der Weltbevölkerung sowie Armut und die daraus resultierenden Folgen tragen zur Wüstenbildung bei: Viele Menschen, die in Regionen mit klimatisch und wirtschaftlich ungünstigen Bedingungen leben, nutzen die wenigen verfügbaren Ackerflächen intensiv zur Nahrungssicherung. Dadurch können die Böden versalzen, auslaugen und versanden. Auch durch starkes Pflügen können Desertifikationsprozesse ausgelöst werden. Das führt wiederum dazu, dass die verbliebenen Flächen noch intensiver genutzt werden müssen. Ebenso tragen Waldrodungen dazu bei, dass Bodenflächen veröden.

Desertifikation kann ebenso die direkte Folge politischer Entscheidungen sein. Ein Beispiel ist die Austrocknung des Aralsees in Zentralasien. Einst war das im heutigen Kasachstan und Usbekistan liegende Gewässer mit fast 70.000 Quadratkilometern der viertgrößte Binnensee der Welt. In den 1960er Jahren wurde damit begonnen, große Wassermengen aus den Zuflüssen abzuzweigen, um Baumwollplantagen zu bewässern. Dadurch trockneten weite Flächen aus, der See teilte sich in zwei Hälften, versalzte und schrumpfte auf ein Zehntel seiner Größe. Die vollständige Austrocknung konnte durch einen 2005 fertiggestellten Staudamm verhindert werden. Seitdem wächst die Wasserfläche langsam wieder.

1,5 Milliarden Menschen sind von Wüstenbildungsprozessen bedroht

Weltweit sind heute rund 40 Prozent der Landmasse "Trockengebiete", in denen es zu Wüstenbildungen kommen kann, wenn sich die Böden verschlechtern. Besonders betroffen sind die Randgebiete bereits bestehender Wüstenzonen, insbesondere in Afrika, auf der arabischen Halbinsel und in Zentralasien, mittlerweile aber auch im südlichen Europa. Wissenschaftler der spanischen öffentlichen Forschungseinrichtung CSIC haben 2016 eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass 20 Prozent der spanischen Landfläche von Wüstenbildungsprozessen betroffen sind. Insgesamt sind weltweit laut UN-Angaben 1,5 Milliarden Menschen in 169 Ländern von den Effekten der Desertifikation betroffen. Derzeit entstehen pro Minute 23 Hektar Wüstenflächen neu, pro Jahr sind es über 50.000 Quadratkilometer.

Die Folgen von Wüstenbildung sind vielschichtig: Veränderungen des Niederschlags und der Luftfeuchtigkeit wirken sich auf die Vegetation, die Artenvielfalt und Bodenfruchtbarkeit umliegender Flächen aus, es kommt beispielsweise zu Dürren. Verödete Böden sind nicht mehr für die Landwirtschaft nutzbar, was vielen Menschen die Lebensgrundlage entzieht. Die Folgen sind Hungersnöte und Landflucht. Langfristig kann Desertifikation deshalb auch Migrationsbewegungen verursachen. In der Sahelzone trug Desertifikation darüber hinaus zu politischen Konflikten bei, da Nomaden und sesshafte Bauern um knappe Wasserressourcen konkurrieren.

Internationale Initiativen gegen Desertifikation

Die Vereinten Nationen wollen mit der Initiative "Land Degradation Neutrality" (LDN) die fortschreitende Wüstenbildung auf der Welt bekämpfen. Das Aufhalten der Bodenverschlechterung ist Teil der 2015 beschlossenen "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung". Bisher haben sich 121 Länder freiwillige Ziele gesetzt, um dem Verlust nutzbarer Böden Einhalt zu gebieten – darunter viele afrikanische und asiatische Länder. Projekte, um Wüstenbildung zu stoppen, umfassen etwa die Bewässerung großer Flächen und den Aufbau von Vegetation. Eine besondere Rolle spielen Wälder, da sie Kohlendioxid binden, die Bodenqualität verbessern und Windgeschwindigkeiten reduzieren, was Erosion verhindern kann.

Ein Beispiel ist das Wiederaufforstungsprojekt "Great Green Wall" in der afrikanischen Sahelzone. In dem Gebiet südlich der Sahara soll ein 8.000 Kilometer langer Baumkorridor vom Senegal im Westen des Kontinents bis nach Djibouti am östlichen Horn von Afrika die Ausbreitung der Wüste nach Süden eindämmen. Das Projekt, das 2007 von der Afrikanischen Union ins Leben gerufen wurde und an dem 21 Länder beteiligt sind, zielt darauf ab, durch das Pflanzen von Bäumen die Böden wieder fruchtbarer zu machen und so die Nahrungsgrundlage sowie Arbeitsplätze in der Region zu sichern. Heute fördert das Großprojekt auch zerstreute Initiativen, die aus Dorfgemeinschaften entlang der Sahelzone entstehen. Laut Elvis Paul Tangem, der das Projekt für die Afrikanische Union koordiniert, sind 15 Prozent der ursprünglich geplanten Bäume gepflanzt.

Schlüsselrolle der Frauen

Auch die Bundesregierung beteiligt sich an Maßnahmen gegen Wüstenbildung. Das BMZ fördert derzeit nach eigenen Angaben etwa 800 Projekte, die von staatlichen und nicht-staatlichen Stellen in den betroffenen Ländern durchgeführt werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung von Frauen, die in ländlichen, von Bodendegradierung betroffenen Gebieten eine Schlüsselrolle bei der Nutzung natürlicher Ressourcen einnehmen. Sie in Entscheidungen einzubeziehen und ihre Rechte zu stärken ist auch das Ziel des "Gender Action Plan", der 2017 als Teil der UN-Konvention zur Bekämpfung von Wüstenbildung aufgenommen wurde.

Trotz dieser und weiterer Maßnahmen schreitet die Wüstenbildung global gesehen voran. Die Weltbevölkerung wird Prognosen zufolge in den kommenden Jahren weiter wachsen, vor allem dort, wo bereits jetzt weite Gebiete von Desertifikation betroffen sind. Gleichzeitig werden die Folgen des Klimawandels spürbarer. Extreme Wetterereignisse nehmen zu und beschleunigen Erosionsprozesse: Dürren trocknen den Boden aus, Starkregen schwemmt die verbliebene Vegetation davon. Auf diese Gefahren soll der Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre aufmerksam machen.


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