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19.6.2019

Weltflüchtlingstag 2019

Im Jahr 2018 waren weltweit 70,8 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Mehrheit davon wurde innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben.

Das Bild zeigt Menschen auf der Flucht in Venezuela.Die politische und wirtschaftliche Krise in Venezuela treibt Hunderttausende in die Flucht - hier an der Grenze zu Kolumbien. Alleine im Jahr 2018 haben rund 340.000 venezolanische Staatsbürger/-innen einen Asylantrag im Ausland gestellt. (© picture-alliance/AP)

Immer mehr Menschen müssen aufgrund von Konflikten, Verfolgung oder Gewalt ihre Heimat verlassen: Ende des Jahres 2018 waren 70,8 Millionen Menschen weltweit von Flucht und Vertreibung betroffen, rund 2,3 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht "Global Trends" des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) hervor, der anlässlich des Weltflüchtlingstages am 20. Juni veröffentlicht wurde. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden ist seit 2011 stetig angestiegen.

20,4 Millionen unter UNHCR-Mandat

Laut UNHCR-Bericht waren 41,3 Millionen der Geflüchteten im Jahr 2018 Binnenvertriebene – also Menschen, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht waren. Kolumbien ist aufgrund der seit Jahrzehnten anhaltenden Gewalt das Land mit den meisten Binnenvertriebenen weltweit (7,8 Mio.). An zweiter Stelle steht Syrien (6,2 Mio.), dort herrscht seit acht Jahren ein Bürgerkrieg. Den größten Anstieg verzeichnete Äthiopien: Dort hat sich die Zahl der Binnenvertriebenen innerhalb eines Jahres wegen gewaltsamer ethnischer Konflikte mehr als verdoppelt (2,6 Mio.). Binnenvertriebene stellten im vergangenen Jahr weltweit die größte Gruppe unter den Schutzsuchenden.

Sobald Menschen bei ihrer Flucht oder Vertreibung eine internationale Staatsgrenze überschreiten, werden aus ihnen Flüchtlinge. 2018 waren weltweit 20,4 Millionen Menschen als Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt. Diesen rechtlichen Status erhalten Personen, die sich aus "der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung" außerhalb des Staates befinden, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen. Damit fallen sie unter das Mandat des UNHCR – das Hilfswerk soll sicherstellen, dass die Menschenrechte von Personen mit Flüchtlingsstatus im Ausland respektiert werden.

Zu den 20,4 Millionen Flüchtlingen unter UNHCR-Mandat kommen weitere 5,5 Millionen palästinensische Flüchtlinge im arabischen Raum. Für sie ist mit dem UNRWA ein eigenes Hilfswerk zuständig.

Weltweit hat sich die Zahl der von Flucht und Vertreibung betroffenen in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Der Film aus dem Jahr 2018 zeigt die wichtigsten Zahlen zu Flucht und Vertreibung aus dem Angebot "Zahlen und Fakten: Globalisierung".

Die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche

Zwei Drittel der anerkannten Flüchtlinge kamen 2018 aus nur fünf Ländern: Syrien (6,7 Mio.), Afghanistan (2,7 Mio.), Südsudan (2,3 Mio.), Myanmar (1,1 Mio.) und Somalia (0,9 Mio.). Insbesondere die Schwächsten sind von Flucht und Vertreibung betroffen: Etwa die Hälfte aller Menschen auf der Flucht waren Kinder und Jugendliche unter 18, wie aus dem UNHCR-Bericht hervorgeht.



Die größte Zahl neuer Asylbewerber/-innen kam 2018 laut UNHCR aus Venezuela: Mehr als 340.000 venezolanische Staatsbürger/-innen stellten einen Erstantrag, über die Hälfte davon in Peru. In Venezuela herrscht eine politische und wirtschaftliche Krise. Ende 2018 warteten weltweit 3,5 Millionen Asylsuchende auf den Abschluss ihres Asylverfahrens.

UN-Flüchtlingspakt soll Aufnahmeländer entlasten

84 Prozent aller anerkannten Flüchtlinge weltweit lebten im Jahr 2018 in sogenannten Entwicklungsländern, nur neun Prozent in der Europäischen Union. Die meisten Flüchtlinge nahm die Türkei mit 3,7 Millionen Menschen auf. Es folgen Pakistan (1,4 Mio.), Uganda (1,2 Mio.), der Sudan und Deutschland (jeweils rund 1,1 Mio.). Gemessen an seiner Einwohnerzahl nahm der Libanon mehr Flüchtlinge auf als jeder andere Staat.



Um besser auf Fluchtbewegungen reagieren zu können und um Aufnahmeländer zu entlasten, hat die UN-Generalversammlung im Dezember 2018 den Globalen Flüchtlingspakt (Global Compact on Refugees, GCR) verabschiedet. Das rechtlich nicht bindende Abkommen soll vor allem wirtschaftlich schwächere Staaten unterstützen, die einen Großteil der Flüchtlinge weltweit aufnehmen. Außerdem soll die internationale Zusammenarbeit im Flüchtlingsschutz verbessert werden. 181 der 193 UN-Mitgliedsstaaten stimmten für den Pakt, wenige Länder enthielten sich, nur die USA und Ungarn stimmten dagegen.

Der Flüchtlingspakt betrifft ausschließlich Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und schweren Menschenrechtsverletzungen geflohen sind und nach internationalem Recht einen Schutzanspruch genießen. Damit ist er nicht zu verwechseln mit dem politisch umstrittenen Migrationspakt – dieser widmet sich regulärer Migration und soll beispielsweise arbeitende Migrantinnen und Migranten vor Ausbeutung und Menschenhandel schützen. Beide Abkommen wurden erarbeitet, nachdem die UN-Mitgliedsstaaten mit der New Yorker Erklärung im Jahr 2016 beschlossen hatten, die Zusammenarbeit zum Schutz von Flüchtlingen und Migrantinnen und Migranten zu stärken.

Weniger Asylanträge in Deutschland

In Deutschland ist die Zahl der Asylanträge deutlich zurückgegangen. Nachdem im Jahr 2016 etwa 750.000 Erst- und Folgeanträge auf Asyl beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eingegangen sind, waren es im Jahr 2018 nur noch rund 185.000. Im Jahr 2019 wurden bis Mai rund 74.000 Asylanträge gestellt.



Insgesamt ist die Zahl der in Deutschland registrierten Flüchtlinge leicht angestiegen: Laut UNHCR lebten Ende 2018 etwa 1,1 Millionen Personen mit anerkanntem Flüchtlingsstatus in Deutschland, davon kam gut die Hälfte aus Syrien.

Seit 2001 gibt es den Weltflüchtlingstag

Im Dezember 2000 hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution 55/76 den 20. Juni zum fortan jährlich begangenen Weltflüchtlingstag erklärt. Einerseits wollten die Vereinten Nationen damit an den 50. Jahrestag der Unterzeichnung des "Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge" (besser bekannt als Genfer Flüchtlingskonvention) erinnern. Das Dokument gilt als wegweisend für die Arbeit des UNHCR. Andererseits fiel die Wahl auf den 20. Juni, weil die Organisation für Afrikanische Einheit, die Vorläuferorganisation der Afrikanischen Union, für dieses Datum bereits zuvor den "Afrikanischen Flüchtlingstag" ausgerufen hatte.

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Genfer Flüchtlingskonvention und UNHCR

Die "Genfer Flüchtlingskonvention" steht in der Tradition internationaler Menschenrechtsdokumente, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Schutz des Individuums zur universellen Aufgabe erklärten. Die Konvention wurde am 28. Juli 1951 in Genf auf einer UN-Sonderkonferenz verabschiedet und beinhaltet neben der Definition des Flüchtlingsbegriffs weitere Prinzipien, wie das Verbot der Ausweisung und Zurückweisung. Dies bedeutet, dass kein Flüchtling in eine Region abgeschoben werden darf, in der sein Leben oder seine Freiheit bedroht sind (Art. 33 Abs. 1).

Gleichzeitig werden Rechte von Flüchtlingen definiert, wie die Religionsfreiheit und das Recht auf Arbeit, und bestimmte Personengruppen vom Flüchtlingsstatus ausgeschlossen – etwa Kriegsverbrecher. Da die Genfer Flüchtlingskonvention vor allem auf den Schutz europäischer Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg abzielte, wurde sie 1967 durch ein Protokoll erweitert, das Menschen weltweit Schutz und Unterstützung garantieren sollte. Die bis heute 147 Unterzeichnerstaaten von Konvention und/oder Protokoll sind unter anderem dazu verpflichtet, Flüchtlingen Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung und Sozialleistungen zu gewähren. Die Beachtung der Konvention ist im Vertrag von Lissabon (Artikel 78 und Protokoll Nr. 24) und in der "EU-Grundrechtecharta" (Artikel 18) festgeschrieben.

Auftrag des UNHCR

Wörtlich bedeutet die Abkürzung UNHCR auf Englisch "United Nations High Commissioner for Refugees". Das Kommissariat hat seinen Sitz in Genf und wurde 1950 gegründet. "Hoher Flüchtlingskommissar" ist seit 2016 der Italiener Filippo Grandi. Die Abkürzung UNHCR bezeichnet sowohl das persönliche Amt als auch die Behörde der Vereinten Nationen. Für die Organisation UNHCR, gemeinhin auch als UN-Flüchtlingshilfswerk bezeichnet, arbeiten weltweit etwa 16.800 Personen; es bietet Schutz und Hilfe für Flüchtlinge. Sein Budget beträgt im Jahr 2019 nach eigenen Angaben 8,6 Milliarden US-Dollar (etwa 7,7 Milliarden Euro).

Der Kernauftrag des UNHCR-Mandats betrifft Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention. Inzwischen unterstützt das UNHCR aber auch Binnenvertriebene, Staatenlose und Rückkehrer/-innen.

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