Arbeitsmarktpolitik Dossierbild

Atypische Beschäftigungsverhältnisse

In Abgrenzung zu Normalarbeitsverhältnisse definiert das Statistische Bundesamt sog. atypische Beschäftigungsverhältnisse. Dazu werden Leiharbeit/Zeitarbeit, geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, Teilzeitbeschäftigung und befristete Beschäftigungsverhältnisse gezählt. Diese Beschäftigungsverhältnisse können nur bedingt dazu beitragen den eigenen Lebensunterhalt und den von Angehörigen voll zu finanzieren. Atypische Beschäftigungsverhältnisse können jedoch nicht mit prekären Beschäftigungsverhältnissen gleichgesetzt werden und taugen nur bedingt als Indikator zur Beschreibung von Problemlagen am Arbeitsmarkt. Im Text Normalarbeitsverhältnisse werden die Unterschiede weiter differenziert.

Häufig werden bestimmte Beschäftigungsformen, wie zum Beispiel Teilzeitbeschäftigung bewusst gewählt, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren oder ein größeres Freizeitbedürfnis zu befriedigen. Auch befristete Beschäftigungsverhältnisse können innerhalb der individuellen Erwerbsbiografien gewünscht sein, um Berufserfahrungen in verschiedenen Branchen zu sammeln. Die Verbreitung von atypischen Beschäftigungsverhältnissen ist Ausdruck von Flexibilisierungstendenzen am Arbeitsmarkt. Nicht nur Arbeitnehmer können ihre Flexibilitätserfordernisse befriedigen, sondern vor allem Arbeitgeber haben durch die atypischen Beschäftigungsverhältnisse die Möglichkeit, die Belegschaften schnell an gewandelte Markterfordernisse anzupassen oder Produktionsspitzen abzufedern.

Die folgenden Texte behandeln die jeweiligen Beschäftigungsformen und stellen die Geschichte, rechtliche Grundlagen, Verbreitung sowie deren Wirkung und Funktion auf dem Arbeitsmarkt dar. Dabei wird auch untersucht, ob das atypische Beschäftigungsverhältnis mit einem Prekaritätsrisiko einhergeht.

Kernerwerbstätige nach einzelnen ErwerbsformenKernerwerbstätige nach einzelnen Erwerbsformen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Die Grafik zeigt die Entwicklung der Normalarbeitnehmer und der atypisch Beschäftigten im Vergleich. Während die Zahl der Normalarbeitnehmer von 1991 bis 2005 jährlich gesunken ist, steigt sie seitdem wieder an. Insbesondere seit der Jahrtausendwende lässt sich ein Anstieg der atypischen Beschäftigung in Deutschland beobachten. Zuletzt war die atypische Beschäftigung wieder leicht rückläufig. Die Verbreitung atypischer Beschäftigungsverhältnisse wurde als Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und den Abbau von Arbeitslosigkeit von der Politik schrittweise vorangetrieben. Ziel war es den Arbeitsmarkt an die Bedingungen der Globalisierung anzupassen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und den Strukturwandel zu bewältigen. Gleichzeitig sind atypische Beschäftigungsverhältnisse mit vielen Unsicherheiten für die Arbeitnehmer verbunden. Wie sich die Beschäftigung in den einzelnen Segmenten der atypischen Beschäftigung entwickelt hat und wie sie zu beurteilen ist, zeigen die folgenden Texte.

Für das Projekt "Kronendach" werden die Baumwipfel des Leipziger Auwaldes auf Spinnen untersucht. Vor allem junge Akademiker sind überdurchschnittlich häufig befristet beschäftigt.

Tim Obermeier, Frank Oschmiansky, Jürgen Kühl

Befristete Beschäftigungsverhältnisse

In Abgrenzung zu Normalarbeitsverhältnissen haben befristete Beschäftigungsverhältnisse nur eine begrenzte Laufzeit und gelten deshalb als atypisch. Das Arbeitsverhältnis endet, ohne dass es einer Kündigung bedarf. Der Frage, welche Chancen und Risiken sich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit befristeten Beschäftigungsverhältnissen ergeben, geht der Text nach. Sachgrundlose Befristungen sind erst seit 1985 in Deutschland erlaubt, haben mittlerweile eine hohe Verbreitung und bewegen sich im Konfliktfeld zwischen der Schwächung des gesetzlichen Kündigungsschutzes und der Verringerung von Einstiegschwellen in den Arbeitsmarkt.

Mehr lesen

Button zur Kampagne der IG Metall gegen niedrigere Bezahlung von Leiharbeit. Foto: AP

Frank Oschmiansky, Jürgen Kühl

Leiharbeit / Zeitarbeit / Arbeitnehmerüberlassung

Leiharbeit ist durch eine Dreieckbeziehung zwischen Leiharbeitsfirma, Leiharbeitnehmer und dem entleihenden Unternehmen gekennzeichnet. Die atypische Beschäftigungsform Leiharbeit hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen und gleichzeitig viele Kontroversen ausgelöst. Ist die Leiharbeit eine Brücke in reguläre Beschäftigung? Werden in der Zeitarbeit besonders niedrige Löhne gezahlt? Diesen und weiteren Fragen geht der folgende Text nach.

Mehr lesen

Verkäuferin in einer Bäckerei

Frank Oschmiansky

Minijobs / geringfügige Beschäftigung

Kaum eine arbeitsmarktpolitische bzw. arbeitsrechtspolitische Regelung wurde in den letzten Jahren so kontrovers diskutiert und so häufig geändert wie die Regelungen zur geringfügigen Beschäftigung. In diesem Abschnitt wird die historische Entwicklung der geringfügigen Beschäftigung, Daten und Fakten sowie Argumente Pro und Contra der Subventionierung geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse beschrieben.

Mehr lesen

Angestellte in einer Großwäscherei

Birte Tiedemann

Teilzeitbeschäftigung

Mit der zunehmenden Heterogenität von Lebensläufen, Erwerbsbiographien und Familienmodellen nimmt das traditionelle Normalarbeitsverhältnis einen immer geringeren Stellenwert ein. Atypische Beschäftigungsverhältnisse gewinnen zunehmend an Bedeutung. Der folgende Text gibt einen Überblick über Entwicklung und Verbreitung von Teilzeitbeschäftigung. Es werden deren positive Effekte, aber auch Probleme und Risiken, die bei einer dauerhaften Ausübung von Erwerbstätigkeit in geringerer Stundenzahl auftreten können, aufgezeigt.

Mehr lesen

Dossier

Rentenpolitik

Die Alterssicherung stellt, egal wie sie organisiert ist, in allen modernen Gesellschaften einen erheblichen Anteil an der Verwendung des Sozialprodukts dar. Sie ist quantitativ der Kernbereich des Sozialstaats.

Mehr lesen

Dossier

Gesundheitspolitik

Der Reformdruck im deutschen Gesundheitswesen hat deutlich zugenommen. Während noch vor wenigen Jahren nur Experten über die Finanzierbarkeit und Qualitätssicherung des Gesundheitssystems nachdachten, suchen heute viele Bürgerinnen und Bürger nach Antworten.

Mehr lesen

Publikationen zum Thema

Coverbild APuZ 26-2017 Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarkt-
politik

Arbeitsmarktpolitik versucht den Rahmen zu setzen, in dem wir arbeiten. Dass sie dabei nicht immer a...

APuZ_15/2011_80.jpg

Humanisierung der Arbeit

"Hauptsache Arbeit!" lautet oft der Ruf – die Qualität der Arbeitsplätze rückt dabei in den Hin...

Gewerkschaften

Gewerkschaften

Mit dem Übergang vom wohlfahrts-
staatlichen Kapitalismus zum Finanzmarkt-Kapitalismus setzte ei...

Migration und Arbeitsmarkt

Migration und Arbeitsmarkt

Durch den demografischen Wandel droht der deutschen Gesellschaft nicht nur die Überalterung, sonder...

Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarkt-
politik

Die Instrumente der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungs-
politik haben sich im Laufe der Jahre stä...

APuZ48_2010.jpg

Arbeitslosigkeit

2003 verkündete Gerhard Schröder ein umfassendes Reformprogramm für Deutschland: die "Agenda 2010...

Arbeitslosigkeit: Psychosoziale Folgen

Arbeitslosigkeit: Psychosoziale Folgen

Der Verlust der eigenen Arbeit kann kann zu psychischen Beeinträchtigungen führen, die den Betroff...

Abstieg - Prekarität - Ausgrenzung

Abstieg - Prekarität - Ausgrenzung

Die Mittelschicht schrumpft. Immer mehr Menschen haben Angst vor dem sozialen Abstieg. Die aktuelle ...

Entgrenzung von Arbeit und Leben

Entgrenzung von Arbeit und Leben

Die Ansprüche der Arbeitswelt wachsen, dabei bleibt das Privatleben oft auf der Strecke. Aber wie l...

Grundeinkommen?

Grund-
einkommen?

Seit einiger Zeit diskutiert Deutschland über die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Ist e...

Zum Shop

Dossier

Demografischer Wandel

Zu- und Auswanderung, Geburtenrate, Sterblichkeit - die sind die drei zentralen Faktoren für die demografische Entwicklung. Der demografische Wandel wird unsere Gesellschaft spürbar verändern - ob auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene, im Bereich der Sozialversicherungen, der Arbeitswelt, der Infrastruktur oder der Familienpolitik. Das Dossier beleuchtet die wichtigsten Bereiche und skizziert den Stand der Debatte.

Mehr lesen