Überwachungskamera

14.6.2012 | Von:
Michael Kubink

Strafe und Strafvollzug

Schlechte Rückfallbilanz für stationäre Sanktionen

Diese "Rückfallstatistik" weist insbesondere für die stationären – einschließenden – Sanktionen des Jugendstrafrechts eine schlechte Bilanz aus. 69 Prozent derjenigen, die im Jahre 2004 mit einer Jugendstrafe ohne Bewährung sanktioniert wurden, sind innerhalb eines dreijährigen Rückfallzeitraums – also bis Ende 2007 – erneut straffällig geworden. Die Wirkbilanz des bis zu vierwöchigen Jugendarrestes sieht mit einer Rückfallquote von 64 Prozent nicht viel besser aus.

Betrachtet man den strafrechtlichen Sanktionsprozess über alle Ebenen hinweg, so bleibt die Erkenntnis, dass von der Gesamtheit der Verurteilten nur gut fünf Prozent in den Strafvollzug gelangen, weil heute etwa 80 Prozent aller Sanktionen auf die Geldstrafe entfallen und von den restlichen Freiheitsstrafen wieder gut zwei Drittel zur Bewährung ausgesetzt werden.

Um dieses Resultat des Kriminaljustizsystems im Umgang mit Straftätern mit Bevölkerungszahlen abzugleichen, weist die Kriminologie seit Jahren sogenannte Gefangenenziffern aus. Diese berechnen, wie viele Gefangene je 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern in den Justizvollzugsanstalten einsitzen. Dieser Wert beträgt in Deutschland derzeit etwa 95. Demzufolge befindet sich aktuell also etwa einer von tausend Einwohnerinnen und Einwohnern in deutschen Gefängnissen, die Gesamtzahl beträgt knapp 80 000. In den USA liegt der Wert bei rund 730.

Fazit

Alles in allem gilt Folgendes: Das deutsche Strafrecht unterliegt seit dem späten 19. Jahrhundert einem Entwicklungsprozess, der wesentlich von der Suche nach Alternativen zur Freiheitsstrafe geprägt ist. Dieser Prozess hat zu einer weitgehenden Abkehr von der klassischen Freiheitsstrafe und zu beachtlichen Erfolgen bei der Haftvermeidung geführt. Auch der Strafvollzug hat in dieser Zeit zahlreiche Veränderungen erfahren – von einem bloßen Verwahrvollzug hin zu einem am Gedanken der Resozialisierung orientierten System.

In der letzten Dekade sind aber zunehmend Tendenzen einer Verschärfung des Sanktionsrechts festzustellen. Auch diese Trends waren freilich schon im Modell des Zweckstrafrechts angelegt, eines Strafrechts, das sich außerrechtlichen Strömungen und Interessen – und damit auch politischen Mechanismen – zusehends öffnet.


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