A distant view of London's Canary Wharf financial district, Tuesday Aug. 17, 2010. (AP Photo/Lefteris Pitarakis)

4.1.2012 | Von:
Lucas Zeise

Geld

Was es ist und wie es hergestellt wird

Am Geldmarkt ist noch eine weitere, ganz besondere Bank tätig, die Zentral- oder Notenbank. Sie dominiert diesen Markt. Es ist ihr Markt und eigentliches Wirkungsfeld. Zwar sind alle Kreditinstitute, wie die Banken in Deutschland auch heißen, Geldschöpfer, aber die Notenbank ist es in ganz besonderer Weise. Am Geldmarkt saldieren sich die Überschüsse und Defizite der verschiedenen Banken jeden Tag. Jedoch bleibt nicht jeden Tag ein Saldo von Null übrig, sondern ein kleiner Überschuss oder ein Defizit von im Regelfall einigen Milliarden Euro.

Geldmengensteuerung

Entscheidend für den saldierten Geldbedarf am Geldmarkt ist, wie Benedikt Fehrs Beispiel nahelegt, letztlich die Entwicklung der Kreditvergabe. Auch hier zählt der Saldo, der übrig bleibt. Wer diesen Saldo allein ausgleichen kann, ist die Notenbank. Sie könnte es auch unterlassen. Sie könnte, anders ausgedrückt, die Kreditvergabe der Geschäftsbanken ganz oder teilweise ausbremsen, indem sie eine Mengenbeschränkung vornimmt. Das tun die Notenbanken, mit denen wir es heute zu tun haben, ausdrücklich nicht. Vielmehr hat die Bundesbank, ebenso wie die Europäische Zentralbank (EZB) heute, prinzipiell den entstehenden Saldo am Geldmarkt stets ausgeglichen.

Die Notenbanken stellen den Banken, anders ausgedrückt, deren Geldbedarf jederzeit in voller Höhe zur Verfügung. Sie steuern die Geldmenge nicht direkt, sie verzichten auch darauf, die Kreditvergabe selektiv zu ermöglichen oder zu erschweren. Sie beschränken sich vielmehr darauf, das Ausmaß der Kreditgewährung alias Geldschöpfung indirekt zu steuern. Diese indirekte Steuerung nehmen die Notenbanken der großen kapitalistischen Länder über den Zins, den sogenannten Leitzins vor. Bei niedrigen Zinsen blüht das Kreditgeschäft, bei hohen schrumpft es. Wenn Notenbanken die Zinsen heraufsetzen, um die Kreditvergabe und den Geldumlauf zu bremsen, bremsen sie das Wirtschaftswachstum. Bei höheren Zinsen rechnen sich weniger Investitionsprojekte. Die Investitionen der Unternehmen gehen zurück und damit auch die Nachfrage nach Investitionsgütern. Es werden weniger Arbeitskräfte eingestellt oder mehr entlassen. Das dämpft die Gesamtnachfrage und damit die Inflation.

Das einzige Ziel der Notenbanker bei dieser Konjunktursteuerung über den Zins ist es, die Inflation niedrig zu halten. Das ist den Notenbanken in den letzten Jahrzehnten glänzend gelungen. Zugleich aber haben sie die große Preissteigerung der Vermögenswerte (Aktien, Anleihen, Immobilien) und eine historisch beispiellose Geldvermehrung und Kreditausweitung ohne Bedenken zugelassen. Die Kontrolleure der Geldschöpfung haben damit wesentlich die Entstehung der globalen Fiananz- Wirtschafts- und Schuldenkrise beigetragen.

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