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31.8.2012

Europas Geschichte als Geschichte seiner Flüsse

Bundeszentrale für politische Bildung startet Onlinedossier „Geschichte im Fluss“ / Ab 31. August online unter www.bpb.de/geschichteimfluss

Europas Grenzen sind bis heute die Grenzen seiner Nationalstaaten. Nicht selten verlaufen diese Grenzen wie an Rhein, Oder, Donau und Memel entlang der großen europäischen Flüsse. Die Elbe bildete einst sogar die innerdeutsche Grenze. Bis heute hält sich deshalb das Bild von Flüssen als „natürliche" Grenzen. Diese nationale Zuschreibung ist eine Hinterlassenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts.

Das Onlinedossier „Geschichte im Fluss. Flüsse als europäische Erinnerungsorte", das die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb heute, am 31. August 2012, freigeschaltet hat, wirft einen anderen Blick auf die europäischen Ströme: Rhein, Oder, Memel, Elbe, Donau und Weichsel haben in ihrer Geschichte auch gemeinsame Räume hervorgebracht, haben Kulturlandschaften zu beiden Seiten ihrer Ufer zusammengehalten. Flüsse bilden also nicht nur Grenzen, sie überwinden sie auch.

Thomas Krüger, Präsident der bpb, erläutert die Motivation für diese Betrachtungsweise der europäischen Geschichte: „Gerade die großen Ströme Europas motivieren zu einer komplexeren Perspektive. Der nur nationale Blick auf ihre Geschichte und Gegenwart wird ihnen nicht gerecht. Als grenzüberschreitende Erinnerungsorte können sie die besten Botschafter Europas sein. Und ein Gegengift zur Renationalisierung der Erinnerung in Europa.“

Der Historiker Prof. Dr. Guido Hausmann von der Ludwig-Maximilians-Universität München schildert dies in seinem Beitrag „Flüsse als Europäische Erinnerungsorte“ so: „Der Zusammenbruch des Ostblocks und die Europäisierung und Globalisierung von Politik und Kultur hat das Bewusstsein für die grenzüberschreitende, verbindende Qualität vieler Flüsse geweckt. Flüsse waren sozusagen eher da und erinnern nicht nur an Zeit und Vergänglichkeit an sich, sondern besonders an die Vergänglichkeit von Staaten und politischer Herrschaft. So können alte Wege eine neue Bedeutung erhalten.“

Flüsse würden im Online-Dossier zum Thema eines Dialogs, der gerade in Zeiten der Krise so nötig sei, so der Projektkoordinator und Autor Uwe Rada: „Über die Auseinandersetzung mit den Flüssen treten wir in einen Austausch mit unseren Nachbarn und betrachten scheinbar Eigenes mit den Augen des scheinbar Fremden.“ Das Dossier verfolge damit einen neuen Ansatz der Auseinandersetzung mit europäischer Geschichte.

Im Rahmen des neuen Online-Angebotes schildern bislang 26 Historiker und Journalisten aus sieben Ländern ihre Perspektive der europäischen Ströme. Die historische Reise geht entlang des Rheins, der Memel und der Oder. Drei interaktive Karten, Fakten, wechselnde Zitate prominenter Persönlichkeiten zu den Flüssen, wie z.B. vom polnischen Nationaldichter Adam Mickiewicz, und ein Video-Interview mit dem Historiker Andreas Kossert ergänzen die Textbeiträge. Die Berliner Fotografin Inka Schwand hat die Flüsse und das Leben entlang ihrer Ufer fotografisch begleitet. 2013 folgen Beiträge zu Elbe, Donau und Weichsel.

Ab dem 31. August 2012 steht das Dossier online unter www.bpb.de/geschichteimfluss

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