Pressekonferenz Wahl-O-Mat

9.1.2004

Völkermord in Deutsch-Südwestafrika?

100 Jahre Herero-Aufstand - Lesung und Podiumsdiskussion

Zum 100. Mal jährt sich im Januar 2004 der Beginn des Herero-Aufstandes in Namibia. Eine Lesung mit anschließender Podiumsdiskussion erinnert an dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte.

Zum 100. Mal jährt sich im Januar 2004 der Beginn des Herero-Aufstandes in Namibia. Unter Samuel Maharero setzte sich das Volk der Herero gegen die Expansionspolitik der Deutschen im damaligen Deutsch-Südwestafrika zur Wehr. Aus diesem Anlass lädt die Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit Kulturradio SWR2, dem Staatsschauspiel Stuttgart und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg zu einer Lesung und Podiumsdiskussion ein.

Seit 1883 waren die Herero und andere Völker durch die Kolonialherren radikal unterdrückt worden. Den zunehmenden Verlust ihres Weidelandes, das für sie als Viehzüchter die Lebensgrundlage darstellte, gewaltsame Enteignungen und die Zurückdrängung in Reservate wollten die Herero schließlich nicht mehr hinnehmen. Die Bodenqualität in den Reservaten war äußerst schlecht und für das Vieh ungeeignet, das Leben für dieses stolze Volk zunehmend unerträglich.

Die soziale Unterdrückung und Diskriminierung führte im Januar 1904 zum Aufstand, in dessen Verlauf die Herero weite Teile Zentralnamibias besetzten. Zur Unterstützung der so genannten "Schutztruppen" entsandte der deutsche Kaiser seinen General Lothar von Trotha nach Deutsch-Südwestafrika, um die Herero in die Reservate zurückzudrängen. Nach der entscheidenden Schlacht am Waterberg flohen Tausende Herero in die Wüste und verdursteten. Die im Land Verbliebenen wurden in Konzentrationslagern interniert. Wie viele Herero an den Folgen des Krieges, der Zwangsarbeit, an Unterernährung und Krankheit starben, ist bis heute nicht geklärt.

Am 18.09.2001 verklagte die Gemeinschaft der Herero und eine Gruppe namentlich benannter Herero die Bundesrepublik Deutschland auf Reparationszahlungen wegen Schäden, die den Herero während des Aufstandes in den Jahren von 1904 bis 1907 entstanden sein sollen. Sie verlangen Wiedergutmachung von der Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolgerin des kaiserlichen Deutschen Reiches für den Rassenkampf gegen das Hererovolk und für den vorbehaltlosen und unverhüllten Völkermord-Feldzug. Schadensersatz verlangen die Herero auch für ihre damalige Versklavung, die Heranziehung zur Zwangsarbeit, die Erniedrigung gefangen gehaltener Hererofrauen und schließlich für die planmäßige Vernichtung der Herero-Kultur.

Gerhard Seyfried hat in seinem Roman "Herero" den Auftstand thematisiert. Er wird mit einer Lesung in das Thema einführen. Mitglieder des Ensembles des Stuttgarter Staatsschauspiels zitieren anschließend aus historischen Texten.

Über den Umgang Deutschlands mit seinem kolonialen Erbe im heutigen Namibia diskutieren auf dem Podium die Historiker

  • Prof. Dr. Horst Gründer, Universität Münster,
  • Prof. Dr. Peter Steinbach, Universität Karlsruhe,
  • Dr. Joachim Zeller, Historiker, Autor
  • Eggert Blum vom SWR2 Forum moderiert das Gespräch.

    Termin

    Montag, 12. Januar 2004, 20 Uhr
    Pressekonferenz 19 Uhr

    Ort

    Theater im Depot
    Landhausstraße 188
    70188 Stuttgart

    Das Programm entnehmen Sie bitte dem Veranstaltungshinweis.

    Eine Aufzeichnung der Podiumsdiskussion wird am 13. Januar 2004 ab 17.05 Uhr im SWR2 Forum gesendet.

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    Presseagentur Hippos
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