Pressekonferenz Wahl-O-Mat

25.11.2002

Offizieller Festakt zu 50 Jahre bpb mit Bundespräsident Johannes Rau

Verleihung des ersten "einheitspreis – Bürgerpreis zur deutschen Einheit"

Die bpb hat mit einem Festakt im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR in Berlin ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Bundespräsident Rau, Bundesinnenminister Schily, die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Schipanski und rund 600 geladene Gäste nahmen teil. Im Rahmen des Festaktes wurde erstmals der "einheitspreis – Bürgerpreis zur deutschen Einheit" verliehen.

Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb feierte heute mit einem Festakt im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR in Berlin-Mitte ihr 50-jähriges Jubiläum. Am 25. November 1952 als Bundeszentrale für Heimatdienst gegründet, steht sie seit 50 Jahren im Dienst der Demokratie. Bundespräsident Johannes Rau, Bundesinnenminister Otto Schily, Präsidentin der Kultusministerkonferenz Dagmar Schipanski und rund 600 geladene Gäste aus der Bundesrepublik nahmen an dem Festakt mit Empfang und kulturellem Programm teil.

Bundespräsident Johannes Rau hob in seiner Rede die Bedeutung der politischen Bildung für den Erhalt der freiheitlichen Ordnung hervor. Auf Dauer sei diese nur gesichert, wenn Bürgerinnen und Bürger es als ihre eigene Aufgabe erkennen, diese Ordnung zu erhalten: "Darum ist politische Bildung unter dem Grundgesetz ihrem Wesen nach nicht Gebot, sondern Angebot, nicht Indoktrination, sondern die Anforderung, auch in politischen Angelegenheiten selber zu denken, sich sachkundig zu machen und sich kräftig in die eigenen Angelegenheiten einzumischen."

Der Bundesminister des Innern, Otto Schily, ging in seiner Rede ein auf Demokratie als lebenslange Aufgabe und den Reformprozess der bpb der letzten Jahre. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Professorin Dagmar Schipanski, stellte das Recht und die Pflicht jedes Einzelnen, sein Leben zu meistern und seine Freiheit aktiv zu gestalten in den Vordergrund der politischen Bildungsarbeit. Sie gratulierte der bpb mit den Worten: "50 Jahre Bundeszentrale für politische Bildung sind 50 Jahre Erziehung zu Freiheit, Toleranz, Verantwortung und politischer Teilhabe."

Thomas Krüger, Präsident der bpb betonte, dass 50 Jahre kein Alter seien für eine Behörde, die immer mit der Zeit gehe: "Politische Bildung bedeutet, Geschichte zu begleiten und auf die Themen der Zeit einzugehen. Deshalb hat sich auch der Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung, wie er im Gründungserlass von 1952 festgeschrieben wurde, mit der Zeit stets weiterentwickelt. Die bpb wird auch in den kommenden Jahren lebendig, innovativ und dynamisch sein. Denn wir arbeiten dort, wo Politik passiert: Mitten in der Gesellschaft."

Im Rahmen des Festaktes wurde erstmals in der Geschichte der bpb der "einheitspreis – Bürgerpreis zur deutschen Einheit" verliehen. Die Würdigung der Preisträger nahmen Johannes Rau, Otto Schily und Dagmar Schipanski vor. Die Preise sind dotiert mit jeweils 10.000 Euro und wurden von den Laudatoren überreicht. Mit dem "einheitspreis" werden unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Johannes Rau Aktivitäten geehrt, die einen besonderen Beitrag zur Deutschen Einheit leisteten. Beteiligen konnten sich Einzelpersonen, Organisationen, Verbände und Vereine. Drei Preiskategorien wurden ausgelobt:

1. Begegnung in der Einheit
2. Gestaltung in der Einheit
3. Vielfalt in der Einheit.

Ausgezeichnet wurden herausragende und vorbildliche Aktivitäten, die problemorientiert, engagiert und couragiert die Überwindung von bestehenden Hürden und den Bau von Brücken für ein respektvolles und tolerantes Miteinander in der inneren Einheit bewirken. Über die Preisträger hat eine neunköpfige Jury aus Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unter dem Vorsitz von Dr. Wolfgang Schäuble entschieden.

Die weiteren Jurymitglieder:

  • Kai Diekmann
    Chefredakteur der "Bild"-Zeitung
  • Birgit Fischer
    Kanutin
  • Dr. Bernhard Freiherr von Loeffelholz
    Präsident des Sächsischen Kultursenates
  • Maybrit Illner
    Moderatorin der politischen Talkshow "Berlin Mitte"
  • Dr. Martina Weyrauch
    Leiterin der brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung
  • Enie van de Meiklokjes
    Entertainerin und Moderatorin
  • Prof. Dr. Richard Schröder
    Professor für Theologie und Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin
  • Harald Schütz
    Mitglied der Geschäftsleitung bei der Deutschen Telekom AG
  • Die Preisträger des "einheitspreis – Bürgerpreis zur deutschen Einheit"

    1. Preiskategorie: Begegnung in der Einheit

    Bürgerschaftliche Aktivitäten

    Dieser Preis gilt Aktivitäten zur lebendigen Begegnung von Ost- und Westdeutschen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld: Ob gemeinschaftliches Musizieren, verbindende Sporterlebnisse oder die Gründung eines Vereins: Es kommt auf das konkrete "Zusammenwachsen" vor Ort an. Der Preis würdigt Initiativen, die unterschiedliche Erfahrungen aus Ost und West ernst nehmen und zugleich gemeinsame Erfahrungen ermöglichen.

    Preisträger: Klaus Döll Amtsrichter in Kassel. 47 Jahre alt und wohnhaft in Felsberg/Nordhessen. Klaus Döll hatte 1995 die Idee zu dem preisgekrönten Projekt, das er seitdem ehrenamtlich als Beitrag zur Stärkung der regionalen Beziehungen im Raum Thüringen/ Nordhessen betreibt.

    Projekt: Unter dem Titel "Gemeinsam lachen – bringt einander näher" hat er ein Kleinkunstkabarett-Festival in der Region Nordhessen-Thüringen ins Leben gerufen, an dem viele bekannte Kabaretts, Künstler und Musiker regelmäßig teilnehmen. Die Künstler gastieren in mittleren und kleineren Orten der Region und erreichen so ein breites Publikum. Inzwischen sind Orte in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern als Gastspielorte hinzugekommen. Im Vordergrund der Programme steht das klassische Kleinkunstkabarett, gemischt mit Einflüssen der guten Comedy. So vielfältig wie das Programm sind auch die Spielstätten. Ob Schulaula, Mehrzweckhalle, Bücherei oder die klassische Theaterbühne, überall kommen Menschen der Region zusammen, um "Gemeinsam zu lachen". Durch sein intensives ehrenamtliches Engagement hat es Klaus Döll immer wieder trotz eines nur sehr kleinen Budgets verstanden, Veranstaltungen zu ermöglichen, die sonst nicht bezahlbar gewesen wären. So entstand in Ost und West durch die Initiative von Klaus Döll ein Kleinkunst-Netzwerk, das Veranstaltungskooperationen ermöglichte und Könner und begabte Anfänger in der Kaberettkunst einem breiten Publikum präsentierte.

    Begründung: Die Jury ehrt mit dem Preis an Klaus Döll sein intensives ehrenamtliches Engagement, das vor allem regional seine Wirksamkeit entfaltet. Angefangen bei der Ost-West-Mischung des Publikums in Veranstaltungen im ehemaligen Grenzbereich kommt es zwischen den Besuchern immer wie-der zum Austausch über das gemeinsam erlebte Kabarett, wird so der Boden dafür bereitet, einander seine jeweiligen Geschichten zu erzählen.

    Laudator: Bundespräsident Johannes Rau


    2. Preiskategorie: Gestaltung in der Einheit:

    Gesamtgesellschaftliche Leistungen Der Preis gilt herausragenden Leistungen, die neue Impulse für das Zusammenwachsen von Ost und West initiieren. Dies schließt Aktivitäten aus wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, sportlichen und sozialen Gebieten ein. Das ausgezeichnete Engagement ist Ausdruck und Beispiel einer selbstständig und verantwortlich handelnden Zivilgesellschaft, welche die innere Einheit in Deutschland aktiv mitgestaltet und prägt.

    Preisträger: Lebenshilfe e.V.

    Projekt: Am 9. November 1990 schließen sich die "Bundesvereinigung Lebenhilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V." und die am 7. April 1990 gegründete "Lebenshilfe für Menschen mit geisti-ger Behinderung DDR e.V." zusammen. Innerhalb kurzer Zeit entstanden in allen fünf neuen Bundes-ländern örtliche Vereinigungen der Lebenshilfe. Inzwischen sind in den neuen Bundesländern 137 örtliche Vereinigungen in fünf Landesverbänden organisiert.

    In den neuen Ländern entstand so seit Anfang der 90er Jahre ein breites Angebot der Behindertenhilfe: Frühförderstellen, Krippen und Kindergärten, Werkstätten für behinderte Menschen, Wohn- und Freizeitangebote, familienentlastende Dienste. Sehr schnell entwickelte sich ein System der Partnerschaften zwischen den örtlichen Vereinigungen und Landesverbänden in Ost und West. Es entstand ein Netzwerk fachlicher Kooperation und persönlicher Kontakte, das entscheidend dazu beitrug, in ganz Deutschland einen Wandel des Bildes von geistig behinderten Menschen herbeizuführen. Dort werden die Menschen mit ihren Möglichkeiten gesehen und nicht aufgrund ihrer Behinderungen beurteilt. Von ganz entscheidender Bedeutung für die Arbeit der Lebenshilfe in den neuen Ländern war und ist dabei der Stellenwert, der verantwortlicher Selbsthilfe bei der Bewältigung der Lebenssituation geistig behinderter Menschen eingeräumt wird. Sie beruht vorrangig auf dem ehrenamtlichen Engagement vieler Menschen in Ost und West, die sich an der Arbeit der Lebenshilfe beteiligen. Ihr Erfahrungsaustausch und ihre Zusammenarbeit ist der entscheidende Stoff, aus dem der Selbsthilfegedanke seine Gestaltungskraft bezieht.

    Begründung: Die Jury ehrt mit dem Preis die Arbeit der "Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V."und ihrer Mitglieder, weil sie in besonderer Weise der Philosophie des Einheitspreises gerecht wird. Nämlich die Gestaltung der Einheit nicht als Vereinheitlichung misszuverstehen, sondern als Aufgabe zu begreifen, gleiche Entwicklungschancen für alle Menschen in unserem Land zu schaffen. Daran arbeitet die Lebenshilfe e.V. in ganz besonderer und unverzichtbarer Weise mit.

    Laudator: Bundesinnenminister Otto Schily


    3. Preiskategorie: Vielfalt in der Einheit

    Kulturelle Initiativen
    Der Preis gilt Personen und Initiativen, die dem Prozess der inneren Einheit mit ihrer künstlerischen und kulturellen Arbeit Inhalt und Richtung geben.

    Preisträger: Arbeitsgemeinschaft "Movie-Clan"

    Projekt: Im Sommer 2001 machten sich 11 Schülerinnen und Schüler des Engelsdorfer Gymnasiums aus Leipzig auf eine Tour mit der Filmkamera durch Deutschland. Ihr Routenplaner war Ralph Giordanos Buch "Deutschlandreise" mit dem sich die Arbeitsgemeinschaft "Movie-Clan"auf die Suche nach Antworten auf die Frage begibt: "Wie beurteilen die Menschen mehr als zehn Jahre nach der Vereinigung den Stand des Vereinigungsprozesses in Deutschland?"

    Ihre Reise führte zum Watzmann, in den Schwarzwald, an den Rhein, nach Hamburg, auf die Insel Rügen, in den Spreewald, bis nach Thüringen. Ihre Interviewpartner waren Gleichaltrige, Menschen jeden Alters und verschiedener Herkunft an schönen und langweiligen Orten, waren ein zufällig am Rande der Autobahn getroffener bayrischer Innenminister oder ein kauziger Ostseefischer auf Rügen. Das Filmteam befragte Passanten in einer Hamburger Einkaufszone genauso wie Schülerinnen und Schüler eines Freudenstädter Gymnasiums.

    Die Antworten auf ihre Frage zeigen dem Zuschauer ein breites Band an Meinungen und Antworten. Gelassenheit, Offenheit, Enttäuschung, Optimismus, Pessimismus, Abwehr, Vorurteile, Witzigkeit, Hilflosigkeit, Vorsicht, Distanz, Erwartungen, Bejahung, unterschiedliche Lebenserfahrungen und – Situationen gehen in den Antworten eine Mischung ein, die uns zeigt, dass die Einheit im Jahre elf ihres Bestehens als gegeben angenommen wird, jedoch mit sehr unterschiedlichen Einschätzungen, wenn es darum geht, zu beschreiben, wo die Menschen in Deutschland in diesem Prozess inzwischen angelangt sind.

    Begründung: Die Jury zeichnet die Arbeitsgemeinschaft "Movie-Clan"mit dem Preis der Kategorie "Vielfalt in der Einheit"aus, weil es ihr überzeugend gelungen ist, in ihrer Video-Dokumentation auf eine sehr authentische Weise eine Momentaufnahme zum Stand der Einheit in Deutschland herzustellen, und zwar in der besonderen Sprache des bewegten Bildes. Wichtig dabei ist, dass es die Generation der 18-jährigen war, die den Zuschauer an ihrer Suche nach der Einheit in Deutschland teilhaben lässt, denn diese Generation wird einmal die Verantwortung in einem Deutschland tragen, in dem die Teilung des Landes vorrangig ein Thema der Geschichtsbücher sein wird, aber von immer weniger Menschen als Teil ihrer eigenen Biografie erinnert werden wird.

    Laudatorin: Prof. Dr. Dagmar Schipanski
    Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Kultusministerin Thüringen

    Der "einheitspreis" wird verliehen mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Telekom AG.

    Pressekontakt:
    Bundeszentrale für politische Bildung
    Swantje Schütz
    Berliner Freiheit 7
    53111 Bonn
    Tel +49 228 99515-284
    Fax +49 228 99515-293
    E-mail: schuetz@bpb.de


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