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Iran: Vielfalt und Vielschichtigkeit abbilden und einordnen

Grußwort von Thomas Krüger anlässlich der Konferenz "INSIDE IRAN – Soziale und politische Dynamiken jenseits der Atomdebatte", 11.-12. November 2011, Berlin

28.11.2011
Hierzulande taucht der Iran in der medialen Berichterstattung ohnehin meist nur noch bezüglich seines Atomprogramms auf – oder jüngst anlässlich des Mordanschlags auf den saudi-arabischen Botschafter in den USA. Dies hat dazu geführt, dass die innenpolitischen und sozio-kulturellen Probleme des Irans in den Hintergrund traten. Von der iranischen Demokratiebewegung hört und liest man kaum noch – der arabische Frühling beherrscht zur Zeit die Nachrichten.

Nicht erst 2009, sondern in den vergangenen 33 Jahren war das Land vor allem mit negativen Schlagzeilen präsent: Kriege, Niederschlagung der Opposition, Atomprogramm, Menschrechtsverletzungen, antisemitische Äußerungen der Machthaber – um nur einige Stichworte zu nennen. Der Iran hatte und hat aber mehr zu bieten: einen mehr als hundertjährigen Kampf um soziale und politische Freiheiten – die unvollendete konstitutionelle Revolution fand im Jahr 1906 statt – eine moderne Frauenbewegung, eine weltoffene Jugend, eine vitale Zivilgesellschaft und nicht zuletzt die friedliche Grüne Bewegung. Ein Land mit sympathischen weltinteressierten Menschen und ein Land mit einer mindestens unsympathischen Regierung.

Umso wichtiger ist es, Bemühungen zu unterstützen und Angebote auszubauen, die dabei helfen, den Iran, der für westliche Gesellschaften und Beobachter häufig verwirrend und undurchschaubar erscheint, in seiner Vielfalt und Vielschichtigkeit abzubilden und einzuordnen. Transparency for Iran bietet genau diese Formate an: einerseits bietet das Online-Magazin Informationen unabhängig von der internationalen Nachrichtenlage, andererseits geben Veranstaltungen wie dieses Forum Raum für einen intensiveren und weiterführenden Gedankenaustausch.

Aus der Perspektive der politischen Bildung und der demokratischen Meinungsbildung der deutschsprachigen Öffentlichkeit sind solche Angebote ein Gewinn, denn die demokratische Meinungsbildung bedarf einer möglichst umfassenden Information. Transparency For Iran will dem Mangel an unabhängiger Berichterstattung aus dem Iran begegnen. Mit seiner Informationsplattform dokumentiert Transparency For Iran persisch-sprachige Debatten und Analysen im Internet und hält die iranische Demokratiebewegung im Fokus der Öffentlichkeit. Deshalb fördert die bpb die redaktionelle Arbeit von Transparency For Iran.

Der Iran ist – neben weiteren Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas – in diesem Jahr ein herausgehobener Schwerpunkt in der Arbeit der bpb gewesen, der sich auch im kommenden Jahr noch fortsetzen wird:
So haben wir in der Schriftenreihe den Titel "Iran – eine politische Herausforderung" von Volker Perthes und von Peyman Jafari "Der andere Iran" veröffentlicht. Vor allem dieser zweite Band erzählt die Geschichte des Iran der vergangenen 100 Jahre jenseits dessen, was wir aus den Nachrichten kennen. Jafari zeigt darin, wie sehr die Sehnsüchte und Bedürfnisse der iranischen Bevölkerung denen der Menschen in der westlichen Welt ähneln. Auf bpb.de finden Sie zudem ein umfangreiches Dossier mit Informationen zum politischen System, zu Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft, internationalen Fragen, den Wahlen 2009 und den aktuellen Entwicklungen.

Wir realisieren aber auch Veranstaltungen, die sich mit dem Iran befassen: Im Rahmen der bundesweiten SchulKinoWochen zum Beispiel finden seit Beginn dieses Monats Kinoseminare zu dem Film "The Green Wave" statt, bei denen mein Vorredner, der hier anwesende Regisseur Ali Samadi Ahadi, und andere Crewmitglieder mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen.

Im Bereich Filmbildung unterstützt die bpb außerdem die Preisinitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) "Cinema fairbindet", die in diesem Jahr den iranischen Kinderfilm "Bad o meh - Wind und Nebel" von Mohammad Ali Talebi ausgezeichnet hat. Seit Ende Oktober wird er auf einer bundesweiten Roadshow mit Sondervorführungen präsentiert. Zusätzlich hat die bpb den Film zum Kinostart am 20. Oktober 2011 ausführlich vorgestellt.

Beim Festival Theaterformen in Hannover ist Amir Reza Koohestanis Produktion "Wo warst Du am 8. Januar?" als Gastspiel gezeigt worden. Im Rahmen des 8. Festivals Politik im Freien Theater, "Fremd", hat die bpb im SALONe TEHERANi am vergangenen Wochenende mit Film, Performance, Lesung, Musik und Diskussion einen Blick auf Tradition und Moderne, Öffentlichkeit und Privatsphäre, neue Medien und zeitgenössische Kulturproduktion in Teheran geworfen. In Köln wird in Kürze ein Blick auf den kulturellen Widerstand der letzten Jahre geworfen.

Im kommenden Jahr planen wir außerdem ein Seminar, das sich im Vorfeld der anstehenden Parlamentswahlen mit der Situation im Land auseinandersetzen wird und bei den traditionellen Bensberger Gesprächen 2012 wird es um die Bedeutung von Twitter, Facebook & Co für die Protestbewegungen im Iran und den arabischen Ländern gehen. Wir werden dort mit authentischen Stimmen aus den Revolutionsländern, mit Wissenschaftlern und Netzexperten Fragen und Hintergründe beleuchten.
Zahlreiche Möglichkeiten, sich ein umfassendes Bild vom Iran zu machen!

Abschließend darf ich auf meinen Vorredner Herrn Samadi verweisen, der auf Qantara.de zur Grünen Bewegung erinnerte: "Der Streik in der Danziger Werft war 1980. Das Regime fiel neun Jahre später." In diesem Sinne – bleiben wir optimistisch!

Ich wünsche Ihnen zwei aufschlussreiche Tage und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!

- Es gilt das gesprochene Wort -



 
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