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Informationen zur politischen Bildung (Heft 270)

Wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik


Werner Bührer
Inhalt

Einleitung

Tiefpunkt 1975

Technologischer Wandel

Sozialpartnerschaft auf dem Prüfstand

Suche nach Auswegen aus der Krise

Wirtschaftliche „Wende“

Suche nach Auswegen aus der Krise
Zur Überwindung der Arbeitslosigkeit, des Haupt- und Dauerproblems seit Mitte der siebziger Jahre, vermochten freilich auch Gewerkschaften und Unternehmer nur wenig beizutragen. Obwohl das Bruttosozialprodukt wieder wuchs, stagnierte die Arbeitslosenziffer auf dem damals noch ungewohnt hohen Niveau von etwa einer Million. Die Bundesregierung verlor allmählich das Vertrauen in die Wirksamkeit keynesianischer Konzepte und Maßnahmen und setzte stattdessen mehr und mehr auf eine angebotsorientierte Politik, wie sie insbesondere in Großbritannien mit Erfolg praktiziert wurde: Die Wirtschaft sollte nicht über die Stimulierung der Nachfrage, etwa durch hohe Lohnabschlüsse, angekurbelt werden, sondern über die Entlastung der Unternehmen. Schließlich hatte Bundeskanzler Schmidt schon in seiner Regierungserklärung vom Mai 1974 hervorgehoben, dass „angemessene Erträge“ die Voraussetzung für die „notwendigen Investitionen“ darstellten; und ohne Investitionen gebe es kein Wachstum, keine Arbeitsplatzsicherheit, keine höheren Löhne und auch keinen sozialen Fortschritt. Da die Gewerkschaften und Teile der SPD nach wie vor an ihren nachfrageorientierten Konzepten festhielten, stieß die Verwirklichung dieser Überlegungen verständlicherweise auf beträchtliche Schwierigkeiten.

 

Quellentext
Wirtschaftliche Lage
Wir in der Bundesrepublik haben Mühe, die seit 1978 eingetretene abermalige Verdoppelung unserer jährlichen Ölrechnungen auf 60 Milliarden DM zu verkraften. Unter dem Druck von außen werden auch bei uns Bruttosozialprodukt und Volkseinkommen in diesem Jahr real etwas zurückgehen. Das gilt für Industrieunternehmen, das gilt für Banken, das gilt für die Landwirtschaft – und es trifft auch die Arbeitnehmer. Die Sorge um Arbeitsplätze hat zugenommen. [...] Für uns kommt es vor allem darauf an, unser Leistungsbilanzdefizit zu verringern, es abzubauen. Auf Hochdeutsch: Wir können nicht auf die Dauer höhere Rechnungen an das Ausland bezahlen, als wir selber an Zahlungen aus dem Ausland erhalten. Dies bedeutet vor allem, unsere Einfuhr an Öl weiterhin zu drosseln. Es bedeutet ebenso allgemeine Einsparung von Energie, und es bedeutet ebenso, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte am Weltmarkt nochmals zu verbessern, um mehr verkaufen zu können. [...]

Bei uns – und ähnlich in der DDR – gibt es manchen, der sich Sorgen um seine wirtschaftliche Zukunft macht. Angst um den Frieden, Angst um Sicherheit insgesamt kommen hinzu, und dies keineswegs nur unter jüngeren Menschen. Gewiss kann niemand ihnen Sicherheit gegen alle Fährnisse des Lebens bieten. Es gibt Gott sei Dank kein automatisiertes oder unfallfrei durchprogrammiertes Leben. [...] Gewiss soll auch keiner die Probleme anderer, zumal ihre Sorgen und Ängste, kleiner schreiben, als sie sind. Aber es bleibt auch richtig, dass die allermeisten Menschen auf der ganzen Welt ihren Platz gern mit einem Deutschen tauschen würden. Auch sollte keiner übersehen, dass im letzten Jahr die Beschäftigung in unserem Land mit 25,8 Millionen Menschen den absolut höchsten Stand in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erreicht hat. [...]

Der Beginn der achtziger Jahre stellt an die Gesellschaft Anforderungen von größerer Bedeutung und von anderer Bedeutung, anderer Qualität als der Beginn der siebziger Jahre. Die Bürger müssen sich aus dem einseitigen Anspruchsdenken befreien, das die Wachstumsgesellschaft zunächst mit sich gebracht hat. [...] Manche Minoritäten werden bisweilen ziemlich brutal von der Solidarität ausgeschlossen. Sicherlich mangelt es bisweilen auch an der Solidarität gegenüber der Jugend und auch gegenüber künftigen Menschen, die erst noch geboren werden sollen, wenn die Heutigen die natürliche Umwelt bisweilen unbedacht zerstören lassen. [...]

Bericht zur Lage der Nation am 9. April 1981 von Bundeskanzler Schmidt in: Archiv der Gegenwart, Bd. 8, Sankt Augustin 2000, S. 7463 f.


Zunehmende Sorge bereiteten die seit dem Zusammenbruch des Bretton Woods-Systems mit seinen festen Wechselkursen andauernden internationalen Währungsturbulenzen. Sie waren dafür verantwortlich, dass der ehrgeizige Plan einer in drei Stufen zu errichtenden Wirtschafts- und Währungsunion, die zumindest innerhalb Westeuropas größere Stabilität garantiert hätte, rasch aufgegeben wurde. Doch immerhin hatten die EG-Länder im Frühjahr 1972 einen „Europäischen Fonds für währungspolitische Zusammenarbeit“ gegründet.

An dem darauf aufbauenden Währungsverbund, der Wechselkursschwankungen zwischen den angeschlossenen Währungen nur innerhalb einer schmalen Bandbreite von 2,25 Prozent erlaubte, beteiligten sich jedoch nur die Bundesrepublik, Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Dänemark. Schon deshalb blieben die Erfolge eher bescheiden: Zwar blieb das befürchtete währungspolitische Chaos aus, doch konnten weder die Inflationsraten nennenswert gesenkt noch die Ungleichgewichte im innereuropäischen Handels- und Zahlungsverkehr überwunden werden. Auch die erhoffte Konvergenz der wirtschaftspolitischen Konzepte und Maßnahmen der Mitgliedsländer blieb aus.

Einführung des ECU

Immerhin überzeugten die Erfahrungen mit dem Währungsverbund die Regierungen der EG-Länder davon, dass das Ziel der Preisstabilität mit festen Wechselkursen leichter zu erreichen war. Bei ihren Versuchen, die währungspolitische Zusammenarbeit in Europa auf eine breitere Basis zu stellen, hielten sie deshalb an diesem Grundsatz fest. Das im April 1979 unter maßgeblicher Beteiligung des deutschen Bundeskanzlers und des französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing aus der Taufe gehobene Europäische Währungssystem, dem sich alle EG-Mitgliedsstaaten mit Ausnahme Großbritanniens anschlossen, verpflichtete die einzelnen Zentralbanken dazu, die Wechselkurse innerhalb der Bandbreite von 2,25 Prozent zu halten; Veränderungen der Paritäten waren nur in „gegenseitigem Einvernehmen“ möglich.

Als neue Verrechnungseinheit für den gemeinschaftsinternen Gebrauch wurde der ECU (nach der englischen Bezeichnung European Currency Unit: Europäische Währungseinheit) eingeführt; für die einzelnen Bürgerinnen und Bürger spielte diese künstliche Einheitswährung jedoch keine Rolle.

Weniger erfolgreich waren die Bemühungen, andere Schwierigkeiten im Prozess der europäischen Einigung zu meistern. Vor allem der gemeinsame Agrarmarkt, der fast 90 Prozent der landwirtschaftlichen Erzeugung innerhalb der Europäischen Gemeinschaften erfasste und etwa 75 Prozent des EG-Haushalts verschlang, entwickelte sich zur dauerhaften Bedrohung für den Bestand der Gemeinschaft. Auch die Bemühungen um die europäische Einigung stagnierten bis Mitte der achtziger Jahre.
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19. März 2010
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Zu diesem Heft
Bundesrepublik Deutschland 1969 bis1973
Innere Entwicklung der Bundesrepublik bis 1989
Wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik
Entwicklung der DDR bis Ende der 80er Jahre
Gesellschaft, Alltag und Kultur in der Bundesrepublik
Gesellschaft und Alltag in der DDR
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"Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt", so begann die Hymne der Deutschen Demokratischen Republik. Doch schnell drifteten Ideologie und Alltag auseinander: Unfreiheit, Bespitzelung und eine knappe Versorgungslage prägten das Leben der Menschen.
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Wirtschaftswunder, 68er Bewegung, RAF, neue Ostpolitik, Ölkrise, Massenarbeitslosigkeit – Stichworte, die für 40 Jahre westdeutsche Geschichte stehen. Mit Gründung der Bundesrepublik im Jahre 1949 manifestierte sich auch eine neue, bundesdeutsche Gesellschaft.
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