Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Publikationen
Arbeitsmaterialien Medien
Aus Politik und Zeitgeschichte
AV-Medienkatalog
CD-ROM/ CD/ DVD
Einzel-
publikationen
Entscheidung im Unterricht
Filmhefte
fluter
HanisauLand
Informationen zur politischen Bildung
Info aktuell
Internet-Angebote
Mobile Angebote
Karten
Pocket
Rechtsreihe
Schriftenreihe
Spicker Politik
Thema im Unterricht
Themenblätter im Unterricht
Themen und Materialien
Zeitbilder
Spiele
Sonstige
Was geht?
Suche
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Informationen zur politischen Bildung (Heft 255)

Historische Entwicklung


Manfred Pohl
Inhalt

Einleitung

Frühgeschichte

“Klassik”

Herrschaft der Samurai

Neuzeit seit dem 19. Jahrhundert

Weltpolitischer Akteur

Herrschaft der Samurai
Verloren in einer ästhetischen Scheinwelt bemerkte der Hofadel nicht, daß in den Provinzen eine neue Schicht landbesitzenden Kriegeradels emporgekommen war, der vom 12. Jahrhundert an eine neue Herrschaftselite stellte. Bei Hofe waren die Damen und Herren von den politisch-wirtschaftlichen Entwicklungen “draußen im Lande” weitgehend isoliert, ihr Tagesablauf kreiste um den Hof und seine komplizierte Etikette. Ein Ausflug mit Sänfte oder Kutsche wenige Kilometer vom Palast entfernt galt als Reise, eine weite Reise in die Provinz, die durch Versetzung (oder auch Verbannung) nötig wurde, war eine Zumutung oder wurde als Strafe empfunden.

Abschließung von der Welt

Fern von Kyoto, in Kamakura (nahe dem heutigen Tokyo), wurde das neue Machtzentrum errichtet, von wo aus mächtige Samurai-Familien dreihundert Jahre das Land beherrschten, während der Kaiser in Kyoto ein politisches Schattendasein führte. Im 13. Jahrhundert wurden zwei Mongoleninvasionen erfolgreich abgewehrt. Ende des 15. Jahrhunderts zerfiel die Macht der Ritterschaft, es begann ein chaotisches Jahrhundert der Bürgerkriege.

Vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Jahre 1628 einten drei aufeinanderfolgende Feldherren und Politiker das Land: Oda Nobunaga beendete die Bürgerkriege, Toyotomi Hideyoshi bezwang die rebellischen Feudalfürsten und wagte sogar einen Eroberungskrieg gegen China über Korea. Das Einigungswerk vollendete sein früherer Gefolgsmann Tokugawa Ieyasu, dessen Familienname einer ganzen Epoche (1603-1868) ihren Namen gab. Unter Oda und Toyotomi war das Christentum vor allem in Kyushu verbreitet; Ieyasu rottete es gezielt aus, weil er Widerstände gegen seine Herrschaft und Eroberungspläne der Spanier und Portugiesen befürchtete. Nach einem Vernichtungsfeldzug gegen die letzten Christen (1628) auf Kyushu schloß Ieyasu Japan fast hermetisch gegen das Ausland ab. Diese Abschließung dauerte bis 1854.

Die Tokugawa-Zeit kennzeichnete eine Hochblüte bürgerlicher Kultur, vor allem in Osaka und Edo (Tokyo). Während der “Pax Tokugawa” blühte die Wirtschaft des Landes auf. In den großen Städten (Edo, Osaka) und in den Lehensgebieten der Tokugawa entstanden Manufakturen (Lackwaren, Keramik, Porzellan, Tuche), die ihre Produkte für den japanischen Binnenmarkt fertigten, aber auch schon Exportwaren herstellten, die über Nagasaki (Insel Deshima) nach Europa verschifft wurden, vor allem blau-weißes (“chinesisches”) Porzellan aus Kyushu. Ein Bankensystem bildete sich heraus, und in Kyoto und Osaka wurden Reis-Börsen gegründet.

In der konfuzianischen Gesellschaftsordnung stand der schwerttragende Adel (Samurai) an der Spitze, gefolgt von den Bauern, die Nahrungsmittel erzeugten, aber genau genommen stand die “Landwirtschaft” auf dem zweiten Rang, denn die einzelnen Bauern galten dem adligen Grundherren nichts. Auf Rang drei standen die Handwerker, die Geräte des täglichen Gebrauchs fertigten - und auf der niedrigsten Gesellschaftsstufe dagegen rangierten die Kaufleute, die nach Auffassung des Konfuzianismus nur parasitäre Funktionen ausübten. In der komplexen Wirtschaftsordnung der Tokugawa-Zeit aber wurden sie bald unverzichtbar, denn sie wickelten den überregionalen Handel ab, gaben Kredite und betätigten sich als Geldwechsler. Vor allem aber tauschten sie Reis, den die Samurai als Sold erhielten, gegen andere Waren ein. Ihr Wohlstand war so verlockend, daß nicht wenige herrenlose Samurai - also ohne Einkünfte - ihren Adelstitel aufgaben und Kaufleute wurden, so beispielsweise der Gründer des Hauses Mitsui, heute eine der größten Unternehmensgruppen Japans.

Zwischen 1600 und 1720 verdoppelte sich die japanische Bevölkerung, die Kindersterblichkeit sank und die landwirtschaftliche Produktivität stieg so an, daß auch die Bauern für den Markt produzieren konnten; das galt vor allem für “cash crops” wie Rohseide, Indigo und Baumwolle.

Die Tokugawa- (oder Edo-)Zeit aber war vor allem eine Hochblüte der bürgerlichen Stadtkultur: Wohlhabende Kaufleute und Handwerker vergnügten sich mit populären Theaterstücken (Kabuki), literarischem Puppentheater, aber auch mit dem neuen “Ringkampf der dicken Männer”, dem Sumo, der in dieser Epoche populär wurde. Diese “fließend vergängliche Welt” wurde in immer neuen, weit verbreiteten Holzdrucken gefeiert. Populäre Schauspieler, Kurtisanen, die in der Mode richtungweisend waren oder Ringkämpfer und berühmte Landschaften tauchen auf diesen Blättern auf, die von geschäftstüchtigen Verlagen verbreitet wurden.

Mitte des 19. Jahrhunderts hatte das “Entwicklungsland” Japan alle wirtschaftlichen Instrumente zur Verfügung, um sich an den Weltmarkt anzukoppeln: Börsensystem, Bankenwesen, Transportsysteme, Küstenschiffahrt usw. Ermöglicht wurden diese Entwicklungen durch den Frieden der Tokugawa-Zeit, den ein ausgeklügeltes, effizientes Verwaltungssystem garantierte.
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
10. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
Inhalt
Bild vergrößern
Japan
Zu diesem Heft
Japan auf dem Weg ins 21. Jahrhundert
Land und Leute
Historische Entwicklung
Geschichte und Einfluß des Kaiserhauses
Aufbau des politischen Systems
Gesellschaft und Kultur
Wirtschaftliche Strukturen
Grundlagen der Außenpolitik
Literaturhinweise
Redaktion
Lexikonsuche
Suchen Sie in unseren Online-Lexika Begriffe aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

Suchwort:

Aus Politik und Zeitgeschichte
Asiens Zukunft
Asiens Zukunft
Asien steht vor enormen sozialen und sicherheitspolitischen Herausforderungen. Welche dazu gehören, offenbart beispielsweise die Analyse der Entwicklung Japans oder der bilateralen Beziehungen zwischen der VR China und Taiwan.
Asiens Zukunft