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Informationen zur politischen Bildung (Heft 255)
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Historische Entwicklung |

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Manfred Pohl
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Verloren in einer ästhetischen Scheinwelt bemerkte der Hofadel nicht, daß in den Provinzen eine neue Schicht landbesitzenden Kriegeradels emporgekommen war, der vom 12. Jahrhundert an eine neue Herrschaftselite stellte. Bei Hofe waren die Damen und Herren von den politisch-wirtschaftlichen Entwicklungen “draußen im Lande” weitgehend isoliert, ihr Tagesablauf kreiste um den Hof und seine komplizierte Etikette. Ein Ausflug mit Sänfte oder Kutsche wenige Kilometer vom Palast entfernt galt als Reise, eine weite Reise in die Provinz, die durch Versetzung (oder auch Verbannung) nötig wurde, war eine Zumutung oder wurde als Strafe empfunden.
Abschließung von der Welt
Fern von Kyoto, in Kamakura (nahe dem heutigen Tokyo), wurde das neue Machtzentrum errichtet, von wo aus mächtige Samurai-Familien dreihundert Jahre das Land beherrschten, während der Kaiser in Kyoto ein politisches Schattendasein führte. Im 13. Jahrhundert wurden zwei Mongoleninvasionen erfolgreich abgewehrt. Ende des 15. Jahrhunderts zerfiel die Macht der Ritterschaft, es begann ein chaotisches Jahrhundert der Bürgerkriege.
Vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zum Jahre 1628 einten drei aufeinanderfolgende Feldherren und Politiker das Land: Oda Nobunaga beendete die Bürgerkriege, Toyotomi Hideyoshi bezwang die rebellischen Feudalfürsten und wagte sogar einen Eroberungskrieg gegen China über Korea. Das Einigungswerk vollendete sein früherer Gefolgsmann Tokugawa Ieyasu, dessen Familienname einer ganzen Epoche (1603-1868) ihren Namen gab. Unter Oda und Toyotomi war das Christentum vor allem in Kyushu verbreitet; Ieyasu rottete es gezielt aus, weil er Widerstände gegen seine Herrschaft und Eroberungspläne der Spanier und Portugiesen befürchtete. Nach einem Vernichtungsfeldzug gegen die letzten Christen (1628) auf Kyushu schloß Ieyasu Japan fast hermetisch gegen das Ausland ab. Diese Abschließung dauerte bis 1854.
Die Tokugawa-Zeit kennzeichnete eine Hochblüte bürgerlicher Kultur, vor allem in Osaka und Edo (Tokyo). Während der “Pax Tokugawa” blühte die Wirtschaft des Landes auf. In den großen Städten (Edo, Osaka) und in den Lehensgebieten der Tokugawa entstanden Manufakturen (Lackwaren, Keramik, Porzellan, Tuche), die ihre Produkte für den japanischen Binnenmarkt fertigten, aber auch schon Exportwaren herstellten, die über Nagasaki (Insel Deshima) nach Europa verschifft wurden, vor allem blau-weißes (“chinesisches”) Porzellan aus Kyushu. Ein Bankensystem bildete sich heraus, und in Kyoto und Osaka wurden Reis-Börsen gegründet.
In der konfuzianischen Gesellschaftsordnung stand der schwerttragende Adel (Samurai) an der Spitze, gefolgt von den Bauern, die Nahrungsmittel erzeugten, aber genau genommen stand die “Landwirtschaft” auf dem zweiten Rang, denn die einzelnen Bauern galten dem adligen Grundherren nichts. Auf Rang drei standen die Handwerker, die Geräte des täglichen Gebrauchs fertigten - und auf der niedrigsten Gesellschaftsstufe dagegen rangierten die Kaufleute, die nach Auffassung des Konfuzianismus nur parasitäre Funktionen ausübten. In der komplexen Wirtschaftsordnung der Tokugawa-Zeit aber wurden sie bald unverzichtbar, denn sie wickelten den überregionalen Handel ab, gaben Kredite und betätigten sich als Geldwechsler. Vor allem aber tauschten sie Reis, den die Samurai als Sold erhielten, gegen andere Waren ein. Ihr Wohlstand war so verlockend, daß nicht wenige herrenlose Samurai - also ohne Einkünfte - ihren Adelstitel aufgaben und Kaufleute wurden, so beispielsweise der Gründer des Hauses Mitsui, heute eine der größten Unternehmensgruppen Japans.
Zwischen 1600 und 1720 verdoppelte sich die japanische Bevölkerung, die Kindersterblichkeit sank und die landwirtschaftliche Produktivität stieg so an, daß auch die Bauern für den Markt produzieren konnten; das galt vor allem für “cash crops” wie Rohseide, Indigo und Baumwolle.
Die Tokugawa- (oder Edo-)Zeit aber war vor allem eine Hochblüte der bürgerlichen Stadtkultur: Wohlhabende Kaufleute und Handwerker vergnügten sich mit populären Theaterstücken (Kabuki), literarischem Puppentheater, aber auch mit dem neuen “Ringkampf der dicken Männer”, dem Sumo, der in dieser Epoche populär wurde. Diese “fließend vergängliche Welt” wurde in immer neuen, weit verbreiteten Holzdrucken gefeiert. Populäre Schauspieler, Kurtisanen, die in der Mode richtungweisend waren oder Ringkämpfer und berühmte Landschaften tauchen auf diesen Blättern auf, die von geschäftstüchtigen Verlagen verbreitet wurden.
Mitte des 19. Jahrhunderts hatte das “Entwicklungsland” Japan alle wirtschaftlichen Instrumente zur Verfügung, um sich an den Weltmarkt anzukoppeln: Börsensystem, Bankenwesen, Transportsysteme, Küstenschiffahrt usw. Ermöglicht wurden diese Entwicklungen durch den Frieden der Tokugawa-Zeit, den ein ausgeklügeltes, effizientes Verwaltungssystem garantierte. |
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10. Februar 2012
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Aus Politik und Zeitgeschichte |
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Asiens Zukunft
Asien steht vor enormen sozialen und sicherheitspolitischen Herausforderungen. Welche dazu gehören, offenbart beispielsweise die Analyse der Entwicklung Japans oder der bilateralen Beziehungen zwischen der VR China und Taiwan. |
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