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Informationen zur politischen Bildung (Heft 270)
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Gesellschaft und Alltag in der DDR |

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Günther Heydemann
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Vor allem im Arbeitsprozess kam der Widerspruch zwischen Schein und Sein, Anspruch und Wirklichkeit, ständig propagierter Überlegenheit der zentralen Planwirtschaft und tagtäglich erfahrener Realität der Arbeitenden in den Betrieben zum Ausdruck. Denn mit Beginn der achtziger Jahre gelang es den meisten Werksleitungen kaum mehr, die Belegschaft kontinuierlich mit Rohstoffen, Material und Ersatzteilen zu versorgen; hinzu kam, dass bereits zu diesem Zeitpunkt nahezu zwei Drittel der verwendeten Maschinen längst verschlissen waren und eigentlich hätten ersetzt werden müssen. Insofern fiel es den Arbeitsbrigaden zunehmend schwer, die Produktion überhaupt aufrecht zu halten.
Symptomatisch für diese in den letzten Jahren der DDR vorherrschenden Zustände ist etwa die Aufzeichnung aus einem Brigadetagebuch einer Filmfabrik in Wolfen: "Dezember '83 – der Monat Dezember hat uns arbeitsmäßig viel Ärger bereitet. Jedes Mal hat unsere Schicht Ausfälle zu verzeichnen. Am 3. 12. verzeichneten wir vom Motor von Kneter II einen totalen Kurzschluss. Er war gerade erst geschüttet worden. Bis 5.00 Uhr bemühten sich Elektriker, Schlosser und wir. Am 9. 12. gab es keinen Ammoniak, am 11. 12. fehlte die Druckluft. Alle Anlagen standen von 12.45 Uhr bis 15.15 Uhr still." (zit. nach: Regina Bittner, Kolonien des Eigensinns, S. 54.) Dabei wuchs angesichts der stetig steigenden Verschuldung der DDR in den achtziger Jahren zugleich der Druck auf die Arbeitenden, die Produktion weiter zu steigern und das festgesetzte Plansoll nicht nur zu erfüllen, sondern überzuerfüllen. |
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09. Februar 2012
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