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Informationen zur politischen Bildung (Heft 270)

Gesellschaft und Alltag in der DDR


Günther Heydemann
Inhalt

Einleitung

Fabrikarbeit

Versorgungslage

Wohnen

Freizeit

Urlaub und Reisen

Frauen

Erziehung und Schule

Ministerium für Staatssicherheit

Erziehung und Schule
Mit der Zielsetzung, "allseitig gebildete sozialistische Persönlichkeiten" heranzubilden, "die ihrem sozialistischen Vaterland treu ergeben sind", war es der SED sehr ernst. Diese Erziehung setzte bereits im Kleinkindstadium ein und wurde in Kindergärten und Schulen durch Massenorganisationen wie die Jungen Pioniere und die FDJ flankiert, die paramilitärische Formen und Rituale praktizierten. Neben die ausgeprägte politisch-ideologische Erziehung trat aber auch die frühe Vorbereitung von Kindern und Jugendlichen auf "sozialistische Arbeitsgewohnheiten", insbesondere durch den polytechnischen Unterricht. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutete dies zweierlei. "Richtiges" politisch-ideologisches Verhalten, verbunden mit entsprechenden Aktivitäten, konnte trotz schlechterer schulischer Leistungen durchaus persönliches Fortkommen sichern, während dies im umgekehrten Sinne nur ausnahmsweise und von Fall zu Fall galt; individuelle Berufswünsche hatten sich "ökonomischen Erfordernissen" unterzuordnen.

Jegliches Verhalten, das davon abwich, war zumeist mit persönlichen Belastungen, die bisweilen Diffamierungen gleichkamen und beträchtlichen Nachteilen, auch für die spätere berufliche Zukunft, verbunden. Hier die Aussage einer Mutter aus der Rückschau im Jahre 1990: "Als es später darum ging, ob die Kinder zur Erweiterten Oberschule und damit zum Abitur zugelassen werden, hatten wir Glück, weil sie von ihren Lehrern unterstützt wurden. Wir standen ja stets der Kirche nahe, die Kinder gehörten zur Jungen Gemeinde, und das ließ sich in der Schule nicht verheimlichen. Aber beide hatten glücklicherweise Spezialbegabungen und waren auch sonst recht gute Schüler [...]. Bei Sebastian waren es Mathematik und Physik und bei Susanne die Musik. Auch die Armee wurde für Sebastian nicht zum Problem, weil er gesundheitlich nicht gut beisammen war. Die Oberschule wurde allerdings zu einem einzigen Horror für Kinder und Eltern. Beide wurden in die Rolle von Einzelgängern gedrängt, weil sie von uns dazu erzogen worden waren, nicht nur ja zu sagen und alles nachzuplappern, und weil sie sich für bestimmte Sachen engagierten. Sie waren zwar in der FDJ, aber wenig aktiv. Es gab stets Ärger, wenn sich Susanne entschuldigte, weil sie in der Musikschule zu tun hatte. Sebastian hatte in der 11. Klasse einen Computer gebaut, der im Rahmen der Messe der Meister von morgen, der MMM Berlin, einen Preis erhielt. Der Krach mit der Schule ging jedoch so weit, dass er nicht einmal schulfrei bekam, um diesen Preis entgegenzunehmen. Als ob es den Lehrern Spaß gemacht hätte, den Kindern Knüppel zwischen die Beine zu schmeißen. Jedes persönliche Engagement für irgendetwas war eben verdächtig" (zit. nach: Gisela Helwig, Die letzten Jahre der DDR, S. 23).

Insgesamt war die Politik der SED gegenüber der heranwachsenden Generation zwiespältig. Auf der einen Seite hielt sie beständig an einem Erziehungsanspruch fest, der durch Kindergarten, Schule, Junge Pioniere, FDJ und sonstige Einrichtungen bis hinein in die Diskothek verfolgt wurde, auf der anderen Seite war diese "Förderung der Jugend" durchweg von einem tiefen Misstrauen begleitet. Auf die Verteufelung des "Westeinflusses" (Abschneiden von langen Haaren, Verbot von Jeans, Ablehnung der Rockmusik etc.) noch in den siebziger Jahren folgte die Aufnahme einer eigenen Jeans-Produktion, die widerwillige Zulassung von Rockbands und die flächendeckende Einrichtung von Jugendklubs unter Aufsicht der FDJ. Das Verhalten der Jugendlichen war allerdings kaum weniger ambivalent. Bis Mitte der achtziger Jahre verhielten sie sich weitgehend staatsloyal, ab dann führte die wachsende Wirtschafts- und Versorgungskrise zu immer größerer Skepsis bezüglich der fortwährend propagierten "Überlegenheit des Sozialismus".
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19. März 2010
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Deutschland in den 70er/80er Jahren
Zu diesem Heft
Bundesrepublik Deutschland 1969 bis1973
Innere Entwicklung der Bundesrepublik bis 1989
Wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik
Entwicklung der DDR bis Ende der 80er Jahre
Gesellschaft, Alltag und Kultur in der Bundesrepublik
Gesellschaft und Alltag in der DDR
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"Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt", so begann die Hymne der Deutschen Demokratischen Republik. Doch schnell drifteten Ideologie und Alltag auseinander: Unfreiheit, Bespitzelung und eine knappe Versorgungslage prägten das Leben der Menschen.
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Wirtschaftswunder, 68er Bewegung, RAF, neue Ostpolitik, Ölkrise, Massenarbeitslosigkeit – Stichworte, die für 40 Jahre westdeutsche Geschichte stehen. Mit Gründung der Bundesrepublik im Jahre 1949 manifestierte sich auch eine neue, bundesdeutsche Gesellschaft.
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