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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 29-30/2007)
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Psychologie des Mobilitätsverhaltens |

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Bernhard Schlag / Jens Schade
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Erklärung des Mobilitätsverhaltens |
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Die Alltagsmobilität ist durch ein komplexes Zusammenspiel raumstruktureller, sozioökonomischer und psychologischer Faktoren geprägt. Wesentliche Ansätze zur Erklärung des Mobilitätsverhaltens und zur Bestimmung seiner wesentlichen Einflussgrößen stammen aus den Ingenieur- und den Wirtschaftswissenschaften. Diese Modelle beschreiben (und prognostizieren auf dieser Basis) im Wesentlichen hoch aggregiertes Verhalten, während psychologische Ansätze im Transfer auf Mobilitätsverhalten individuelle Entscheidungs- und Intentionsbildungsprozesse behandeln. Eine wünschenswerte transdisziplinäre Integration bleibt der zukünftigen Entwicklung vorbehalten; Ansatzpunkte liefern vor allem die Aktivitätenmodelle.
Auf allgemeiner Ebene wird davon ausgegangen, dass das Mobilitätsverhalten sowohl von individuellen als auch von Umweltfaktoren beeinflusst wird. Beide führen zu subjektiven und objektiven Faktoren, welche sich sowohl direkt wie auch indirekt, vermittelt über die Aktivitätennachfrage, auf das Mobilitätsverhalten auswirken. Mobilität kann so verstanden werden als das Spinnennetz, das unsere Alltagsaktivitäten verknüpft.
Seit einigen Jahren kommt es zu verstärkten Bemühungen, Lücken der ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen Ansätze durch psychologische Modelle zu schließen. In beiden Ansätzen wird vor allem die Frage nach den Mobilitätsmotiven, also nach dem "Warum" der außerordentlich starken Mobilitätsnachfrage und insbesondere der Autonutzung, nur verkürzt beantwortet. Zugleich nehmen diese Modelle durchgängig an, dass Verhalten immer vernunftgeleitet (rational choice; reasoned action) sei, also einer bewussten Betrachtung wahrgenommener Vor- und Nachteile alternativer Verhaltensweisen folge. Tatsächlich gilt: Mobilitätsverhalten kann, aber muss nicht vernunftgeleitet sein. Gerade das Mobilitätsverhalten kann auch emotional gesteuert, teilweise impulsiv sein, und es ist häufig habituiert. Psychologische Ansätze bemerken nicht nur, dass es bestimmte Schwächen, Verzerrungen (anormalities) und shortcuts in vernunftgeleiteten Prozessen gibt, sondern dass primär emotional gesteuertes und habituelles Mobilitätsverhalten anderen Erklärungen unterliegt und anderer Ansätze zur Verhaltenssteuerung bedarf.
Gewohnheit (habit) kann definiert werden als die Tendenz, das gleiche Verhalten unter stabilen, unterstützenden Bedingungen zu wiederholen. Das Verhalten erfolgt dann automatisch, schnell, mit minimiertem kognitiven Aufwand, und es kann gleichzeitig (parallel) mit anderen Aktivitäten ausgeführt werden: Es hat im Alltag große Vorteile und von daher Verstärkungswert. Solches Verhalten ist besonders änderungsresistent. |
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10. Februar 2012
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Aus Politik und Zeitgeschichte |
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Mobilität - Verkehrspolitik
Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft sind ohne ein funktionierendes Verkehrssystem nicht denkbar. Von seiner Qualität hängt der erreichbare Grad individueller und gesellschaftlicher Mobilität ab. |
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