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Vom Nutzen und Nachteil der Islamkritik für das Leben


23.3.2011
Der Beitrag versucht, sowohl die Attraktivität als auch die gedanklichen Aporien der Islamkritik zu erläutern, um nach Möglichkeiten einer sachlichen Auseinandersetzung mit problematischen Aspekten des Islams zu fragen.

Einleitung



Die Situation ist festgefahren, und mit jedem Beitrag zur Thematik wird es schlimmer: Die sogenannten Islamkritiker und ihre Gegner stehen sich unversöhnlich gegenüber; ein Dialog, in dem vernünftige Argumente der einen Seite osmotisch auf die andere überwechseln könnten, ist restlos ersetzt durch Konfrontation. Dieser Eindruck wird durch die Tendenz vor allem in den visuellen Medien verstärkt, die Gäste ihrer Talkshows möglichst antagonistisch auszuwählen, statt an einem Erkenntnisgewinn, einem eventuell zu erreichenden Konsens interessiert zu sein. Die Wahrnehmung verfestigt sich aufgrund der einfachen Selbstorganisation, Vernetzung und Publikationsmöglichkeit interessierter, oft radikaler Gruppen im Internet. Das Gespräch über den Islam wird nicht aus der Mitte heraus geführt, sondern von den Rändern her: Es scheint nur ein Entweder-Oder zu geben, ein Für oder Gegen, bei dem es jeder Seite darum geht, den immer kleiner werdenden, unentschiedenen oder gleichgültigen Teil der Bevölkerung auf seine Seite zu ziehen.

Diese weitgehend künstliche Bipolarität erzeugt unnötige Spaltungen und vergiftet die Atmosphäre. Auf zahlreichen Vortragsveranstaltungen zur Thematik im ganzen Bundesgebiet erlebe ich regelmäßig, mit welcher Heftigkeit die unterschiedlichen Fraktionen im Publikum aufeinander und manchmal auch auf den Dozenten reagieren. Vor allem aber lässt sich diese Bipolarität nicht aus der Sache selbst, dem Islam und den Muslimen in Europa, begründen. Jedem nachdenklichen Beobachter sollte klar sein, dass es in Islamfragen auch für Positionen zwischen den Extremen haltbare Gründe geben muss; dass bei einem bloßen Entweder-Oder zwangsläufig bedenkenswerte Aspekte zu kurz kommen müssen; dass eine vernünftige und begründbare Mittelposition (sie muss nicht in der statistischen Mitte der Meinungen selbst liegen) gerade dann vertretbar sein kann, wenn die zentrifugalen Kräfte sie zu diskreditieren suchen. Dieser Beitrag wird dem herrschenden Antagonismus vermutlich nicht entgehen. Der Versuch, Argumente gegen die Extreme zu sammeln, sei dennoch unternommen.