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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 6/2007)

Religionen in Konflikten - eine Herausforderung für die Friedenspolitik


Andreas Hasenclever / Alexander De Juan
Inhalt

Einleitung

Religiöse Differenzen sind keine Kriegsursache

Instrumentalisierung religiöser Traditionen

Instrumentalisierungsresistente Glaubensgemeinschaften

Religiöse Aufklärung

Strukturelle Toleranz

Autonomiepotenzial

Innerreligiöse Öffentlichkeit

Schlussbemerkungen

Einleitung
Für viele Zeitgenossen besteht zwischen Glaube und Gewalt ein einfacher Zusammenhang. Demnach machen religiöse Unterschiede den Ausbruch von Kriegen wahrscheinlicher und erhöhen ihre Dauer. Ein kurzer Blick auf die einschlägigen Statistiken zeigt allerdings schnell, dass die Zusammenhänge komplexer sind. Während beispielsweise die Zahl der bewaffneten Konflikte seit Mitte der neunziger Jahre überall auf der Welt rückläufig ist, melden Soziologen seit Mitte der achtziger Jahre ein globales Erstarken religiöser Bewegungen. Entsprechend kann die offenkundige Renaissance der Religion nicht unmittelbar als Gefahr für den Frieden gelten, denn sonst müssten wir ja eine Zunahme und nicht eine Abnahme militärischer Konflikte beobachten können.

Zur Person
Andreas Hasenclever
Dr. rer. soc., geb. 1962; Professor für Friedensforschung und internationale Politik am Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen, Melanchthonstr. 36, 72074 Tübingen.
E-Mail: andreas.hasenclever@uni-tuebingen.de

Zur Person
Alexander De Juan
M.A., geb. 1979; Stipendiat des DFG-Graduiertenkollegs "Globale Herausforderungen - Transnationale und transkulturelle Lösungswege" an der Universität Tübingen.
E-Mail: alexander.de-juan@uni-tuebingen.de

Allerdings darf diese abstrakte Beobachtung nicht darüber hinwegtäuschen, dass Glaube und Gewalt in vielen Konflikten nachweislich eine unheilvolle Allianz eingehen. Religiöse Differenzen tragen immer wieder dazu bei, dass Kriege ausbrechen und mit größter Härte geführt werden. Eine verbreitete "primordialistische" Erklärung für diese unheilvolle Allianz besagt, dass dogmatische Differenzen zwischen politischen Gruppen zwangsläufig zu sozialen Abgrenzungsprozessen führen, die das Misstrauen zwischen den Gruppen maßlos steigern und die Bereitschaft der Gruppenmitglieder erhöhen, Gruppeninteressen mit militärischer Gewalt durchzusetzen.[1]

Die empirische Kriegsursachenforschung widerspricht aber auch der "primordialistischen" Perspektive. Religiöse Überlieferungen sind in kriegerischen Auseinandersetzungen nur selten der primäre Konfliktgegenstand. Vielmehr werden Kriege in aller Regel aus politischen und ökonomischen Gründen geführt. Dabei kommt rational handelnden Eliten eine zentrale Bedeutung zu. Sie versuchen in den hochdynamischen Entscheidungskontexten von Gewaltkonflikten immer die Strategie zu wählen, mit der sie meinen, ihre Ziele mit möglichst geringem Mitteleinsatz erreichen zu können. Religiöse Traditionen dienen in diesem Zusammenhang als Mobilisierungsressource. Sie werden benutzt, um Gefolgschaft und Gewaltbereitschaft zu motivieren. Im Umkehrschluss gilt deshalb: Je besser eine religiöse Gemeinschaft vor einer solchen Vereinnahmung ihrer Traditionen durch gewaltbereite Eliten geschützt ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass religiöse Differenzen konfliktverschärfend wirken. Entsprechend ist eine präventive Instrumentalisierungsprophylaxe als zentrale Herausforderung der Friedenspolitik zu verstehen. Ein erster Blick auf religiöse Friedensbewegungen legt dabei nahe, dass sich entsprechende Maßnahmen an vier Merkmalen gewaltresistenter Glaubensgemeinschaften orientieren können: Dem Grad religiöser Aufklärung, der Ausrichtung institutionalisierter religiöser Diskurse, dem Autonomiepotenzial und der Öffentlichkeitsstruktur einer Religionsgemeinschaft.
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10. Februar 2012
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Editorial
Krieg der Religionen?
Religionen in Konflikten - eine Herausforderung für die Friedenspolitik
Die Zivilisierung der Religionen als Ziel staatlicher Religionspolitik?
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Politische Ethik im Christentum
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