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16.8.2006 | Von:
Andreas Joh. Wiesand

Kultur- oder "Kreativwirtschaft": Was ist das eigentlich?

Der Begriff der Kulturwirtschaft steht in der Diskussion. Mit Hilfe von "Kulturwirtschaftsberichten" in Deutschland und einigen anderen Staaten ist es im vergangenen Jahrzehnt gelungen, mehr Transparenz zu schaffen.

Einleitung

Kulturwirtschaft? Nein, "Creative Industries" ist doch neuerdings der angesagte Begriff - und auch in Mitteleuropa schon Gegenstand eigener "Kreativwirtschaftsberichte".[1] Warum halten wir uns dann nicht gleich an den derzeit einflussreichen amerikanischen Guru Richard Florida, der seine ökonomischen Theorien zum Beschäftigungswachstum wirkungsvoll als Aufstieg einer neuen, "kreativen Klasse" inszeniert?[2]




Haben sich Florida und andere vielleicht sogar vom Yoruba-Gott Ogun inspirieren lassen, den der nigerianische Schriftsteller Wole Soyinka 1986 inseiner Rede zur Verleihung des Literatur-Nobelpreises als Hüter der Kreativität herausstellte? In der Interpretation von Soyinka ist Ogun, wie wir heute sagen würden, eine Art "Manager der Kreativität", der die Welt der Ahnen mit den Welten der Lebenden und der Ungeborenen verbindet, ständig für neue Interaktionen und Realitäten sorgt - ein Vorbild für unseren aktuellen Hunger nach Kreativität?

Fußnoten

1.
Vgl. KMU Forschung Österreich und IKM, Erster Österreichischer Kreativwirtschaftsbericht, Wien 2003; ein zweiter Bericht erscheint 2006.
2.
Richard Florida, The Rise of the Creative Class - and how it's transforming work, leisure, community and every day life, New York 2002; ders., The Flight of the Creative Class, New York 2004.