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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 31-32/2000)
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Die Modernisierung weiblicher Lebenslagen |

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Birgit Geissler / Mechtild Oechsle
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Die jüngste Untersuchung zu Zukunftsvorstellungen und Orientierungen der jungen Generation stellt eine weitgehende Angleichung bei jungen Frauen und Männern fest. Typisch weibliche und typisch männliche Lebensmuster scheint es danach nicht mehr zu geben, dagegen scheinen die Unterschiede innerhalb der Geschlechter beträchtlich. Familienorientierung, Berufsorientierung, Suche nach Partnerschaftlichkeit: in allen diesen Feldern seien die Übereinstimmungen zwischen den Geschlechtern groß
. Wie passt dieses Ergebnis der 13. Shell-Jugendstudie "Jugend 2000" zu den im Alltag erfahrenen und statistisch belegbaren Unterschieden in den Lebensweisen und Lebenschancen von Frauen und Männern? Diese Unterschiede geben weiterhin Anlass, Frauen in vielen Lebensbereichen als benachteiligt anzusehen.
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Zur Person |
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Birgit Geissler Dr. rer. pol., Soziologin, geb. 1949; Professorin an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld.
Anschrift: Universität Bielefeld, Postfach 10 01 31, 33501 Bielefeld.
Veröffentlichungen, u. a.: (Hrsg. zus. mit Mechthild Oechsle) Lebensplanung junger Frauen. Zur widersprüchlichen Modernisierung weiblicher Lebensläufe, Weinheim 1996.
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Wir wollen die Alltagserfahrung nicht bestreiten. Dennoch scheint uns die Selbstverständlichkeit, mit der junge Frauen und Männer die Geschlechterdifferenz für wenig relevant erklären, die wichtigere - interessantere - Botschaft zu sein gegenüber der Perspektive, die die Ungleichheit betont. Junge Frauen heute nehmen an, im Rahmen ihres sozialen Kontextes Handlungsfreiheit zu haben, nicht an überkommene Rollen gebunden zu sein. Diese Freiheit scheint ihnen durch die kulturelle Liberalisierung und Ent-Naturalisierung des Geschlechts verbürgt; damit ist gemeint, dass Weiblichkeit und Männlichkeit nicht mehr als - nicht hinterfragbare - Naturkategorien, sondern als soziale Konstruktionen thematisiert werden. Aus der Natur abgeleitete Vorgaben, wie Frauen und Männer zu leben haben, gelten nicht mehr, sind jedenfalls für die junge Generation nicht handlungsleitend. Dies ist ein sehr weitreichender gesellschaftlicher Umbruch der letzten 30 Jahre, der auch dazu geführt hat, dass in allen sozialen Schichten das Selbstverständnis junger Frauen vom Gleichheitsanspruch geprägt ist.
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Zur Person |
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Mechtild Oechsle Dr. phil., Soziologin, geb. 1951; Professorin für Sozialwissenschaft am Zentrum für Lehrerbildung der Universität Bielefeld.
Anschrift: Universität Bielefeld.
Veröffentlichungen, u. a.: (Hrsg. zus. mit Birgit Geissler) Die ungleiche Gleichheit. Junge Frauen und der Wandel im Geschlechterverhältnis, Opladen 1998.
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Der Gleichheitsanspruch und die Ähnlichkeit der Lebenslagen von jungen Frauen und Männern verweisen auf die Modernisierung des Geschlechterverhältnisses. In ihren Präferenzen des alltäglichen Handelns, in sozialen Orientierungen, kulturellen Ausdrucksweisen und Lebensformen kommen die institutionellen und kulturellen Veränderungen der letzten 20 bis 30 Jahre zum Ausdruck, die auch die Lebensweisen und Handlungsspielräume der Geschlechter betreffen. Während empirische Studien der achtziger/neunziger Jahre einzelne Aspekte des sozialen Wandels (Wohlstandssteigerung, Bildungsexpansion, Erwerbsbeteiligung von Frauen, kulturelle und sexuelle Liberalisierung, Wandel der Lebensentwürfe) belegen, scheinen nun die Modernisierungsprozesse in all diesen Bereichen zusammenzukommen und in den Lebenszielen Jugendlicher sichtbar zu werden. Offenbar "brauchten" diese Prozesse diese lange Zeit, um Wirkung zu entfalten. Wie jeder soziale Wandel kann sich auch die Modernisierung im Verhältnis der Geschlechter schwer gegen verfestigte Zustände durchsetzen. Sie entfaltet gesellschaftsprägende Kraft erst im Generationenwechsel. |
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09. Februar 2012
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