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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 18-19/2005)

Erinnerungen an den Luftkrieg in Deutschland und Großbritannien


Dietmar Süß
Inhalt

Einleitung

Die deutsche Meistererzählung vom Luftkrieg

Die historische Erinnerung in Großbritannien

Selbst ernannte Tabubrecher

Einleitung
Kein anderer Aspekt des Krieges hat in den vergangenen Monaten größere mediale Aufmerksamkeit erhalten als der alliierte Luftkrieg gegen deutsche Städte: öffentlich-rechtliche Fernsehreportagen zur besten Sendezeit, eine Flut von neuen Büchern, Stadtchroniken, Gedenkfeierlichkeiten, Zeitzeugenerinnerungen - und jüngst der politisch umkämpfte Erinnerungsmarathon in Dresden[1].

Zur Person
Dietmar Süß
Dr. phil., geb. 1973; wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte (IfZ); Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität München. IfZ, Leonrodstraße 46b, 80636 München.
E-Mail: suess@ifz-muenchen.de

Im Anschluss an das Buch von Jörg Friedrich[2] fügte sich die Debatte ein in eine allgemeine Konjunktur literarischer und publizistischer Arbeiten, die seit Mitte der neunziger Jahre verstärkt nach den Erfahrungen und Verarbeitungsmustern von Luftkrieg, Flucht und Vertreibung, nach der deutschen Opferperspektive im Zweiten Weltkrieg fragten.[3] Dabei war nicht nur bemerkenswert, dass diese Art der Auseinandersetzung um die moralische Legitimität des Luftkrieges die deutsche und britische Öffentlichkeit bewegte,[4] sondern vor allem, auf welche Weise sie es tat, mit welchen Argumenten, Denkmustern und Begriffen.

Schon frühzeitig ist dabei klar geworden, wie stark die Perzeption des Luftkrieges als "deutsches Tabu" weniger präzise Beschreibung als vielmehr selbst Teil einer der unterschiedlichen Erzählungen war, in denen nach 1945 der alliierten Kriegführung gedacht wurde. Dabei geriet schnell in Vergessenheit, dass Deutschland trotz der hohen Opferzahl keinesfalls ein "Monopol" auf die leidvolle Erfahrung von Bombennächten besaß. Das galt beispielsweise für Polen, die UdSSR und insbesondere für Großbritannien. Dort spielte die Erinnerung an die Nächte in den Londoner U-Bahnschächten schon während des Krieges eine zentrale Rolle als nationaler Referenzpunkt, als Abgrenzungsstrategie gegenüber dem Kriegsgegner und als massenwirksames Mobilisierungselement.

Welche unterschiedlichen Deutungsmuster des Luftkrieges dominierten in der Nachkriegszeit in beiden Ländern und waren dabei besonders wirkungsmächtig? Um diese Frage zu beantworten, richtet sich der Blick weniger auf die vielfältigen lokalen Erinnerungsformen an dieser Stelle.[5] Primär soll es um solche Erzählweisen gehen, die den diskursiven Rahmen absteckten, in dem an den Luftkrieg erinnert wurde, und damit die überwiegende Mehrheit der wissenschaftlichen und publizistischen Arbeiten seit Kriegsende prägten.
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10. Februar 2012
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Editorial
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Mythen des Anfangs
Erinnerungen an den Luftkrieg in Deutschland und Großbritannien
Die Deutschlandplanung der Sieger
Kriegskinder in Europa
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