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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 44/2009)

Arbeitsmarktwirkungen der Migration


Herbert Brücker
Inhalt

Einleitung

Theoretische Szenarien

Herausforderung der traditionellen Forschung

Neue Erkenntnisse für Deutschland

Wie hat sich der Migrationsboom in den 1980er und 1990er Jahren ausgewirkt?

Schlussfolgerungen

Einleitung
"Der Staat ist verpflichtet, seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen, er ist verpflichtet zu verhindern, dass Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen."
Oskar Lafontaine, 4. Juli 2005 in Chemnitz

Zur Person
Herbert Brücker
Dr. rer. pol.; Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bamberg und Forschungsbereichsleiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Weddingenstraße 20 - 22, 90478 Nürnberg.
E-Mail: herbert.bruecker@iab.de

Das Zitat von Oskar Lafontaine spiegelt Befürchtungen wider, die in der Bevölkerung weit verbreitet sind, aber auch von vielen Ökonomen geteilt werden. Sie fußen auf zwei Hypothesen: erstens, dass eine Ausweitung des Arbeitsangebotes zu fallenden Löhnen führt, und zweitens, dass - wenn die Löhne nicht flexibel reagieren - die Arbeitslosigkeit steigt. In der Literatur über die Arbeitsmarktwirkungen der Zuwanderung sind diese Annahmen jedoch umstritten: Viele Studien finden keine oder nur geringe Effekte der Zuwanderung auf Löhne und Arbeitslosigkeitsrisiken der einheimischen Bevölkerung. Vor dem Hintergrund jüngerer theoretischer und empirischer Erkenntnisse soll hier der Frage nachgegangen werden, worauf diese Diskrepanz zwischen den Befürchtungen und empirischen Befunden zurückgeführt werden kann.

In der Forschung ist unbestritten, dass die Migration aus globaler Perspektive zu einem produktiveren Einsatz des Faktors Arbeit und damit zu einem Anstieg des globalen Sozialprodukts führt. Arbeitskräfte wandern in der Regel aus Ländern mit niedrigen Löhnen und häufig hoher Arbeitslosigkeit in Länder mit höheren Löhnen und geringer Arbeitslosigkeit. So beträgt das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in den Herkunftsländern der Einwanderer nach Deutschland etwa ein Drittel des deutschen Niveaus.[1] Angesichts dieses Gefälles führt die Arbeitsmigration zu einem erheblichen Anstieg des weltweiten Pro-Kopf-Einkommens. Simulationsmodelle zeigen, dass die potenziellen Einkommensgewinne durch eine Öffnung der Arbeitsmärkte sehr viel höher sind als durch eine weitere Liberalisierung von Handel und Kapitalverkehr.[2]

Allerdings sind die Gewinne und die Kosten der Migration nicht gleich über die Ein- und Auswanderungsländer und die verschiedenen Personengruppen verteilt. Die Effekte hängen aus theoretischer Perspektive davon ab, welche Annahmen über die Anpassung der Kapital- und Gütermärkte getroffen werden. Im Folgenden werden die verschiedenen Annahmen und ihre Auswirkungen auf die potenziellen Arbeitsmarktwirkungen der Migration diskutiert.
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10. Februar 2012
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