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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 21-22/2010)

Pakistan, seine Stammesgebiete und der Afghanistan-Krieg


Jochen Hippler
Inhalt

Einleitung

Bürgerkrieg in den Stammesgebieten der Nordwestprovinz

Auswirkungen des Afghanistan-Krieges

Die Kriege in Pakistan und der pakistanischen Nordwestprovinz

Einleitung
Der Afghanistan-Krieg zieht weiter die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich, so dass das strategisch weit bedeutsamere Pakistan oft vernachlässigt wird. Dabei verfügt das Land über 170 Millionen Einwohner, Atomwaffen, ist selbst instabil und ein Schauplatz politischer Gewalt. Im vergangenen Jahr kamen dort über 12000 Menschen bei politischer oder militärischer Gewalt ums Leben.[1] Trotzdem wird es entweder ignoriert oder unter dem taktischen Gesichtspunkt betrachtet, wie man Pakistan als Helfer im Afghanistan-Krieg instrumentalisieren kann. Erst seit dem Amtsantritt von Barack Obama als US-Präsident beginnt sich dies teilweise zu ändern, wenn auch gelegentlich in einer wenig hilfreichen Form. Tatsächlich ist es wichtig, den Zusammenhang der Gewalt in Afghanistan und in Pakistan realistisch einzuschätzen, wenn man das Gewaltniveau auf beiden Seiten der Grenze senken möchte.

Zur Person
Jochen Hippler
Dr. sc. pol., geb. 1955; Privatdozent am Institut für Entwicklung und Frieden (INEF), Universität Duisburg-Essen, Geibelstraße 41, 47057 Duisburg. post@jochen-hippler.de

Dabei sollte nicht übersehen werden, dass die Gewalt auch in Pakistan inzwischen Kriegsniveau erreicht, dass sie aber nicht das ganze Land erfasst, sondern bestimmte regionale Schwerpunkte erkennen lässt. Dazu kommt, dass die Gewaltursachen und Gewaltdynamiken je nach Region höchst unterschiedlich sind. In Pakistan existieren heute nicht ein Gewaltkonflikt, sondern mindestens drei, die teilweise miteinander verschränkt sind, teilweise aber auch unabhängige Dynamiken aufweisen. Da dies an anderer Stelle bereits ausführlicher dargestellt wurde,[2] genügt hier eine kurze Aufzählung: (1) In Belutschistan kam es aufgrund einer lang andauernden Benachteiligung der Provinz zu einem Aufstand, der eine ethno-nationalistische, anti-koloniale Färbung aufweist und auf Gleichberechtigung oder Autonomie zielt; (2) seit Mitte der 1980er Jahre entwickelte sich ausgehend vom Zentralpunjab ein gewaltsamer, oft terroristisch ausgetragener Gewaltkonflikt zwischen sunnitischen und schiitischen extremistischen Gruppen, der inzwischen auch immer wieder in anderen Provinzen oder den Northern Areas aufflammt. Diese beiden Gewaltherde - wie auch der inzwischen abgeflaute ethnische Bürgerkrieg in der Millionenstadt Karachi - sind prinzipiell unabhängig vom Afghanistan-Krieg, auch wenn in allen Fällen potenzielle Verbindungspunkte bestehen. Dies gilt für Belutschistan aufgrund der starken paschtunischen Besiedelung entlang der afghanischen Grenze und in seiner Hauptstadt Quetta; und es gilt bezüglich der konfessionellen Auseinandersetzung wegen einer Zusammenarbeit sunnitischer Extremisten mit den ebenfalls sunnitisch geprägten, paschtunischen Aufständischen in der Nordwestprovinz Pakistans. Damit rückt der Gewaltherd der Nordwestprovinz ins Blickfeld, der stark mit dem Afghanistan-Krieg verknüpft ist.
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09. Februar 2012
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Inhalt
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Pakistan und Afghanistan
Editorial
Pakistan, seine Stammesgebiete und der Afghanistan-Krieg
(Post)koloniale Politik in den Stammesgebieten Pakistans
Die Rolle des Militärs im politischen System Pakistans
Impressionen aus dem Alltag in Pakistan. Zwei Gespräche
Zu wenig, reichlich spät - Stabilisierungs-
maßnahmen in Afghanistan zwischen Terrorismus- und Aufstandsbekämpfung
Das Engagement der arabischen Staaten in Afghanistan
Fragil und umkämpft - Frauenrechte im neuen Afghanistan
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Vom Kosovo nach Kolumbien, von Somalia nach Süd-Thailand: Weltweit schwelen über 280 politische Konflikte. Und immer wieder droht die Lage gewaltsam zu eskalieren.
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