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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 36/2006)

Das Rendition-Programm der USA und die Rolle Europas


Dawid Danilo Bartelt / Ferdinand Muggenthaler
Inhalt

Einleitung

9/11 und das System Guantánamo

Die Rückkehr der Folter

Überstellung in die Rechtlosigkeit

Europa und Renditions

Mitschuld und Verantwortung

Schlussbemerkungen

Einleitung
Im Januar 2004 führen seine mazedonischen Bewacher den Deutschen Khaled El Masri in einen Raum. Männer in schwarzen Gesichtsmasken schneiden ihm die Kleidung auf, er wird nackt fotografiert. Dann legen sie ihm eine Art Windel an, stecken ihn in einen Trainingsanzug und stülpen ihm einen Sack über den Kopf. An Händen und Füßen gefesselt, wird er in ein Flugzeug gebracht, mit einer Spritze ruhig gestellt. Was ihm vorgeworfen wird, wohin er ausgeflogen wird, was ihn erwartet - er weiß es nicht. El Masri ist Opfer einer extraordinary rendition, einer außerordentlichen Überstellung, geworden. Schätzungsweise mehrere hundert Menschen sind seit 2001 auf ähnliche Weise heimlich in vorgeblichen Privatflugzeugen über Ländergrenzen hinweg transportiert worden.

Zur Person
Dawid Danilo Bartelt
Dr. phil., geb. 1963; Pressesprecher der deutschen Sektion von amnesty international, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin.
E-Mail: dbartelt@amnesty.de
Internet: www.amnesty.de

Dieser Artikel untersucht Renditions als spezifisches Instrument des "Kriegs gegen den Terror" aus völker- und menschenrechtlicher Perspektive mit Blick auf Europa. Zunächst wird daran erinnert, dass Renditions Teil einer umfassenderen Strategie sind. Besonders beunruhigt, dass zu dieser Strategie auch Folter gehört; eine Menschenrechtsverletzung, die aus gutem Grund zu den wenigen zählt, die völkerrechtlich absolut verboten sind. Renditions sind keine Erfindung des "Kriegs gegen den Terror", wie im Anschluss gezeigt wird. Aber sie haben eine neue Dimension angenommen, wie anhand einiger Einzelfälle schnell deutlich wird.

Zur Person
Ferdinand Muggenthaler
Geb. 1967; Fachreferent für Amerika der deutschen Sektion von amnesty international.
E-Mail: fmuggenthaler@amnesty.de

Europäische Staaten haben bei den Renditions eine wichtige Rolle gespielt, sei es als logistisches Terrain, sei es als Unterstützer dieser illegalen Praxis. Unklar ist, ob dies weiterhin geschieht. Klar ist aber, dass hier ein ernstes Fehlverhalten vorliegt, das vollständig aufgeklärt und gegebenenfalls geahndet werden sollte - um den Opfern gerecht zu werden und auch, um der anhaltenden Erosion der Standards internationalen Rechts zu begegnen.
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10. Februar 2012
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Inhalt
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Folter und Rechtsstaat
Editorial
Zur Unvereinbarkeit von Folter und Rechtsstaatlichkeit
Einschränkung des absoluten Folterverbots bei Rettungsfolter?
Folter und Völkerrecht
Das System Guantánamo
Das Rendition-Programm der USA und die Rolle Europas
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Themenblätter im Unterricht
Nr. 45 - Folter und Rechtsstaat
Nr. 45 - Folter und Rechtsstaat
In Deutschland gilt ein absolutes Folterverbot. Spätestens seit dem "Fall Daschner" sind jedoch Meinungen salonfähig geworden, die Folter unter speziellen Bedingungen zulassen wollen. Welche Argumente für und gegen das Folterverbot gibt es, und in welchem Zusammenhang stehen Folterverbot und Rechts-
staatsverständnis?
Nr. 45 - Folter und Rechtsstaat